Könnten andere Kantone so schnell retten wie die Walliser?

Karin Aebischer
Karin Aebischer

Crans-Montana,

Zu wenig Leute und Geld: Das werde den Feuerwehren im Wallis zum Verhängnis, warnt ein Feuerwehrmann. Ist das schweizweit ein Problem?

Crans-Montana
Die Rettungskräfte haben bei der Tragödie von Crans-Montana vorbildliche Arbeit geleistet. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rettungskräfte haben bei ihrem Einsatz in Crans-Montana vorbildlich reagiert.
  • Doch ein Walliser Feuerwehrmann warnt: Die Feuerwehren hätten zu wenig Ressourcen.
  • Das Wallis sei nicht mit anderen Kantonen zu vergleichen, so Feuerwehr-Präsidenten.

Das Jahr 2026 ist erst eineinhalb Stunden alt, als ein Alarm eingeht, der alles verändern wird.

Innert unglaublich schnellen zwei Minuten sind in Crans-Montana erste Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei vor Ort. Sie treffen bei der Bar «Le Constellation» auf ein Horror-Szenario.

So sah die Bar nach dem tödlichen Brand aus. - keystone

Was danach folgt, ist eine Rettungsaktion historischen Ausmasses. 42 Rettungswagen und 13 Helikopter stehen im Einsatz. Verletzte werden ins Ausland repatriiert.

40 Personen sterben infolge des Brandes in der Bar, 116 werden verletzt, viele von ihnen tragen schwere Verbrennungen davon.

Grosse Verantwortung – wenig Mittel

Die Walliser Rettungskräfte haben vorbildlich reagiert. Ein Feuerwehrmann aus dem Wallis schlägt nun aber trotzdem Alarm.

Den Walliser Feuerwehren mangele es an personellen und finanziellen Ressourcen. «Die Feuerwehrleute tragen eine grosse Verantwortung, haben aber nicht die Mittel, diese auch wahrzunehmen», sagt er zum Westschweizer Sender RTS.

Die Bevölkerung sei sich dessen nicht bewusst. «Das Leben der Bürger wird in diesem Kanton weniger wertgeschätzt als anderswo», lautet sein Vorwurf.

Crans-Montana
Die Einsatzkräfte haben in der Silvesternacht in Crans-Montana grauenhafte Szenen miterleben müssen. - keystone

Denn die Reaktionszeit sei im Wallis viel länger, «vielleicht 25 Minuten», und das sei nicht nur der Topographie geschuldet, sondern eben auch den fehlenden Ressourcen.

Dass es in der Silvesternacht derart schnell ging, hatte man dem Umstand zu verdanken, dass sich die Feuerwehr wegen des Jahreswechsels im Bereitschaftsdienst befand.

Deshalb seien zum Zeitpunkt des Alarms so viele Leute auf der Wache gewesen, hatte David Vocat, Feuerwehrkommandant von Crans-Montana, vor den Medien erklärt.

Normalerweise seien die Einsatzkräfte zu Hause oder bei der Arbeit, wenn der Alarm losgeht.

Zürcher haben eine Instanz mehr

So ist es auch in vielen anderen Gemeinden der Schweiz. Denn 90 Prozent der Schweizer Feuerwehren sind Miliz- und keine Berufsfeuerwehren.

Doch was im Wallis anders ist: Dort gibt es für die Feuerwehren keine Gebäudeversicherung.

Bist du in der Feuerwehr?

«Bei uns kontrolliert unter anderem die kantonale Gebäudeversicherung zum Beispiel Ausbildung und Personalbestand der Feuerwehren», sagt Beat Hirter, Präsident des Feuerwehrverbands des Kantons Zürich.

Einmal im Jahr werde überprüft, ob der Minimalbestand vorhanden sei. «Diese Instanz fehlt im Wallis», so Hirter zu Nau.ch.

Auch in Zürich sei es heute schwieriger als früher, genügend Freiwillige für die Feuerwehr zu finden. Denn Berufsfeuerwehren gibt es nur deren zwei im Kanton Zürich. «Schutz und Rettung» in der Stadt Zürich sowie «Schutz und Intervention» in Winterthur. Alle anderen sind Milizfeuerwehren.

Unflexible Arbeitgeber

Heute wolle niemand mehr gebunden sein, sagt Hirter. Zudem seien die Arbeitgeber nicht mehr so flexibel und würden ihre Angestellten grosszügig ziehen lassen, wenn die Feuerwehr ruft.

«Deshalb treten wir vermehrt mit Arbeitgebern in Kontakt, um ihnen den Nutzen einer Feuerwehrfrau oder eines Feuerwehrmannes im Betrieb aufzuzeigen.»

Könnten die Zürcher Milizfeuerwehren mit Freiwilligen einen Einsatz wie in Crans-Montana stemmen? «Ja. Genau gleich. Die Walliser Feuerwehren haben einen guten Job gemacht. Wir sind nicht besser oder schlechter», betont der erfahrene Feuerwehr-Experte.

Die Tragödie im Wallis erforderte gegen 1.30 Uhr einen Gross Einsatz der Hilfskräfte. - screenshot X

Im Kanton Zürich sei es jedoch bezüglich Topografie einfacher, die kurzen Reaktionszeiten einzuhalten. «Bei einem Alarm müssen in zehn Minuten zehn Personen vor Ort sein. Das halten wir in 90 Prozent der Fälle ein.»

In der Schweiz gilt eine Standard-Hilfsfrist von zehn bis 15 Minuten: In dicht besiedelten Gebieten gilt die Vorgabe, innerhalb von zehn bis 12 Minuten nach dem Alarm vor Ort zu sein.

In ländlichen Regionen kann die Frist je nach kantonaler Vorgabe auf bis zu 17 Minuten ausgedehnt werden.

Beruf und Feuerwehr besser vereinbaren

Wie die meisten Kantone verfügt auch Bern über eine Gebäudeversicherung.

«Nach unseren Informationen können alle Feuerwehren im Kanton Bern ihren Personalbestand stabil halten», sagt Stephan Gerber, Feuerwehrverband des Kantons Bern auf Anfrage von Nau.ch.

Probleme in dieser Hinsicht seien ihm keine bekannt. «Zusammen mit der Gebäudeversicherung arbeiten wir aber an Modellen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Feuerwehrdienst zu verbessern.» Dies im Hinblick auf die Zukunft.

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Eindrücke der dramatischen Ereignisse in der Brand-Nacht von Crans-Montana. - Kantonspolizei Wallis

Auch die Berner Feuerwehren könnten einen Einsatz wie in Crans-Montana trotz Milizsystem stemmen. «Davon bin ich überzeugt», betont Stephan Gerber.

Jedoch müsse ein solcher Einsatz gar nicht alleine bewältigbar sein. «Im Kanton Bern leben wir eine Kultur der gegenseitigen Hilfe unter den Feuerwehren.»

Insofern würden bei einem solchen Ereignis mehrere Feuerwehren und Spezialisten der Berufsfeuerwehren hinzugezogen. Um das Ereignis im Zusammenspiel mit dem Inspektorat und den weiteren Partnern zu bewältigen.

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