«Können schockieren»: Brutale Tierli-Plakate entsetzen Mutter
Kinder bitten auf Plakaten in einer Zürcher Gemeinde, keine Tiere zu töten. Eine Mutter hat die Plakate aber entfernt.

Das Wichtigste in Kürze
- «Keine Tiere töten! Bitte, bitte, bitte», steht auf den Plakaten in Volketswil ZH.
- Illustriert sind sie mit zwei Fotos aus Schlachthöfen.
- Die Plakate gehen für eine Mutter deshalb zu weit.
Die Zettel sind in krakeliger Schrift und mit Rechtschreibfehlern geschrieben. «Keine Tiere töten! Bitte, bitte, bitte», steht darauf.
Die Sätze sind holprig formuliert. «Weil das sind Lebewesen», so die Begründung. «Stell dir vor, jemand bringt dich um. Findest du das cool?»
Dasselbe gelte für kleine Tiere, so der Absender. «Zecken, Mücken, Spinnen, die wollen auch ein schönes Leben haben, nicht umbringen.» Der Zettel fordert auf, diese Tiere mit einem Glas einzufangen und sie im Wald auszusetzen. Gleich vorgehen solle man mit Meerestieren.
C.F.* entdeckte kürzlich im Ortsteil Kindhausen der Gemeinde Volketswil vieler dieser Plakate. «Sie waren auf dem Dorfplatz und auch an Containern in unserer Siedlung aufgehängt», sagt sie zu Nau.ch.
«Gehören nicht an öffentliche Orte»
Das Tierli-Plakat kommt herziger daher, als es beim Blick auf die Fotos ist, die es illustrieren. Auf einem Foto ist ein Mann zu sehen, der eine Kuh mit verletztem Rücken in die Bucht treibt. Das Foto stammt aus einem Schlachthof in Niedersachsen, der 2018 mit krassen Verstössen gegen Tierschutzrechte Schlagzeilen machte.
Ein weiteres Foto zeigt eine Kuh, die in einem Schlachthof in einer Blutlache liegt.
Die Fotos gehen für die Mutter eines neunjährigen Sohnes zu weit. «Plakate mit solchen Fotos gehören nicht an öffentliche Orte», sagt C.F. Zudem führt der Weg in den Kindergarten daran vorbei. «Die Fotos können Kinder schockieren.»
Sie finde es toll, wenn sich Kinder für Tiere einsetzten, sagt die Mutter. «Das Plakat hätte man aber auch ohne die Fotos aufhängen können.»
Sie nimmt die Eltern in die Pflicht. Sie vermutet, dass Erwachsene die Zettel mit den brutalen Fotos schmückten. «Kinder an das Thema Tierquälerei heranzuführen, ist Sache der Privathaushalte.»
«Auch Kinder verdienen die Wahrheit»
Die Mutter hängte die Plakate kurzerhand von den Containern ab. «Ein Nachbar fand die Plakate auch nicht gut», sagt sie. Die Plakate im Dorf seien inzwischen auch verschwunden.
In einer lokalen Facebookgruppe machte sie ihrer Empörung Luft. Das Plakat postete sie mit verpixelten Fotos. In den Kommentaren schliesst sich niemand der Mutter an.
«Auch Kinder verdienen die Wahrheit, verstehe die Empörung nicht», schreibt eine Userin. Dafür bekommt sie 90 Likes. Ein weiterer Kommentar erntet über 100 Likes. «Solche Bilder sieht man nicht gerne, entsprechen aber der Realität», lautet dieser.
Illegal aufgehängt
Der Gemeinde Volketswil waren die Tierli-Plakate bis anhin nicht bekannt. Fest stehe: Legal sind diese nicht. «Plakate, auch Kleinplakate, sind bewilligungspflichtig», sagt Jacqueline Wettstein, Mediensprecherin der Gemeinde.
Eine Busse droht, wenn jemand ohne Bewilligung plakatiert, unzulässige Inhalte verbreitet oder die Entfernungspflicht nicht befolgt. Dies hält das «Reglement zum temporären Plakataushang auf öffentlichem Grund» der Gemeinde fest.
*Name der Redaktion bekannt.
















