Juso plant Streik – Knallt es jetzt auch in der Schweiz?
Auch die Juso war bei den Protesten in Paris dabei. Bald soll nun in mehreren Schweizer Städten ein Jugendstreik folgen. Vereinzelte Krawalle sind möglich.

Das Wichtigste in Kürze
- Jusos und Verbündete planen vom 20. bis 22. November einen Jugendstreik.
- Soziologe Marko Kovic erwartet wenige Protestierende, hält einzelne Krawalle aber für möglich.
- Kovic sieht in der direkten Demokratie ein Ventil gegen angestaute Proteste.
Am Wochenende sind die Schüler-Proteste in Frankreich eskaliert. Randalierer legten Grossstädte wie Paris in Schutt und Asche. Sogar ein Rathaus wurde angezündet.
Auch zwei Schweizer Jusos demonstrierten in Paris. Dort waren sie laut eigenen Angaben per Zufall, um einen Internationalen Jugendstreik zu planen.
Geht es nach der Juso, soll es am 20. bis 22. November auch hierzulande zur Sache gehen. «Junge Menschen aus der ganzen Schweiz werden ihre Arbeit und ihr Studium niederlegen, um gegen Austerität und Militarisierung zu protestieren.»
Unter Austerität versteht man eine restriktive Sparpolitik.
Juso demonstriert gegen Aufrüstung und Sparkurs
«Die Politik wirft unser Geld für die militärische Aufrüstung aus dem Fenster, statt in eine lebenswerte Zukunft zu investieren. Wir haben genug von dieser Zerstörungswut!», lässt sich Juso-Präsidentin Mirjam Hostetmann in einer Mitteilung zitieren.
Im Bündnis sind neben der Juso auch die Jungen Grünen, der Klimastreik sowie der Gruppe Schweiz ohne Armee (GsoA).
Knallt es nun also auch in der Schweiz?
Soziologe Marko Kovic sagt zu Nau.ch: «Ich gehe nicht davon aus, dass es in der Schweiz zu grösseren Protesten kommt. Nicht zuletzt, weil die Ausgangslage eine andere ist.»
In der Schweiz gehe es den Menschen im Vergleich zu anderen Ländern gut. Zudem seien Militarisierung und die Sparpolitik abstrakte Themen, die nicht viele junge Menschen mobilisierten.

«Am ehesten dürfte die Ästhetik der Proteste ein Faktor sein, der motiviert», sagt er. Denn: «Es ist gutes Material für Social Media.»
Aber selbst bei einer geringen Mobilisierung gibt Kovic zu bedenken: «Ich kann mir vorstellen, dass es vereinzelte Krawalle geben könnte. Weil sich einige jungen Menschen aus einem bestimmten Milieu von den chaotischen Bildern in Frankreich inspirieren.»
Linksautonome Szene und bildungsschwache Männer könnten in der Schweiz randalieren
Dazu zählt er einerseits die linksautonome Szene und andererseits «junge Männer mit tiefem Humankapital», wie sie Kovic vielsagend bezeichnet.
Diese hätten folgende Eigenschaften: «Unterdurchschnittlich entwickelter Intellekt, bildungsschwach, tiefe Impulskontrolle.»
Die Schweiz unterscheide sich nicht durch die besseren wirtschaftlichen Bedingungen von Frankreich, sondern auch durch die viel weniger ausgeprägte Protestkultur.
Der Sozialwissenschaftler hat dafür zwei Erklärungen. Einerseits gaben die Gewerkschaften de facto ihr Streikrecht auf. Statt auf Konfrontation setzen sie auf Kompromisse im Rahmen der Sozialpartnerschaft.
«Andererseits ist die direkte Demokratie in der Schweiz ein Ventil. Dieses verhindert, dass sich zu viel Druck anstaut», weiss Kovic.
Walliser Polizei warnt Schüler vor Protestaufrufen
Dennoch: Auch die Behörden stellen sich auf mögliche Krawalle ein.

Die Walliser Kantonspolizei wandte sich kürzlich auf Instagram mit einer deutlichen Warnung an Schülerinnen und Schüler. Die Polizei befürchtete, dass Krawalle auf die Schweiz überschwappen.
Im Post hiess es auf Französisch: «Teilnahme oder Online-Unterstützung kann zu Verwarnungen, Suspendierungen oder Verfahren führen.» Wer solche Aufrufe online teile, könne zudem seinem Ruf nachhaltig schaden.
















