Josias Tschanz: «Ich bin froh, ist mein nächster Film fiktional»

Keystone-SDA
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Bern,

Im Juni tourt der in Kanada lebende Filmemacher Josias Tschanz durch seine Schweizer Heimat. Im Gepäck hat er gleich drei dokumentarische Werke: Die Fussballer-Serie «The Belonging» sowie die Filme «The Fire in Our Hearts» und «Taming the Beast».

Als Teenager zog der Filmemacher Josias Tschanz von der Schweiz nach Kanada. In seiner Heimat sind nun aktuelle Dokumentarfilme von ihm zu sehen. Darunter «Taming the Beast» über die m...
Als Teenager zog der Filmemacher Josias Tschanz von der Schweiz nach Kanada. In seiner Heimat sind nun aktuelle Dokumentarfilme von ihm zu sehen. Darunter «Taming the Beast» über die m... - Handout/Josias Tschanz

Joasias Tschanz, Sie sitzen gerade in Kanada, wo Sie leben und arbeiten – wir sprechen aber Berndeutsch zusammen: Wie kamen Sie dorthin?

Tschanz: «Meine Familie ist ausgewandert, als ich Teenager war. Meinem Vater war die Schweiz immer zu klein und so sind wir auf eine riesige, abgelegene Ranch, zwölf Stunden von Vancouver entfernt gezogen. Später habe ich in Vancouver Film und Theater studiert und lebte zwischenzeitlich in Japan, Indien und Argentinien. Heute ist mein Lebensmittelpunkt aber wieder in Vancouver, zwischen Bergen und Meer, da fühle ich mich sehr wohl.»

In «Taming the Beast» porträtieren Sie als Co-Regisseur den englischen Kraftsportler Eddie Hall. Einen Mann, der 500 Kilogramm heben kann. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Tschanz: «Das Projekt kam zu mir, als die Dreharbeiten schon ziemlich weit fortgeschritten waren. Der Produzent Guido Baechler suchte nach der Pandemie einen Filmemacher, der den britischen Regisseur Chris Michael Fretwell bei der Weiterführung seines Dokumentarfilms unterstützen konnte. Letzterer kam also mit fast 20 Terrabytes Material zu mir und meine Aufgabe bestand in einem ersten Schritt darin, daraus eine Storyline zu entwickeln.»

Neben zahlreichen Wettkampfszenen und Halls Traum von einer Karriere als Schauspieler handelt der Film vor allem von seiner mentalen Gesundheit. Warum ist dieses Thema so zentral?

Tschanz: «Eddie Hall hat von Anfang an über seine Depressionen gesprochen. Es war also schnell klar, dass dies der rote Faden sein würde. Ich hatte selber schon mit Depressionen zu kämpfen und engagiere mich schon länger im Bereich Mentale Gesundheit. Ich finde es nicht nur spannend, sondern auch sehr wichtig, zu zeigen, dass Alphamänner wie Eddie Hall offen über ihre Depressionen und Ängste sprechen. Sich also nicht nur stark, sondern auch verletzlich zeigen. Der Film soll dazu beitragen, das Thema zu entstigmatisieren.»

Sie haben Eddie Hall dann selber auch noch filmisch begleitet. Wie nahe kommt man einem Menschen, über den man einen Dokumentarfilm dreht?

Tschanz: «Ich habe unter anderem das Hauptinterview mit ihm geführt. Da lernt man sich natürlich schon kennen, auch abseits der Kamera. Ich erinnere mich etwa an ein Mittagessen mit ihm, bei dem die Bedienung neben meiner Bestellung acht weitere Menüs servierte. Sie waren alle für Eddie, der pro Mahlzeit um die 10'000 Kalorien einnehmen muss, um seine Postur behalten zu können. Das hat mich beeindruckt.»

Neben «Taming the Beast», der in die Kinos kommt, zeigen Sie am 6. Juni in Luzern «The Fire in Our Hearts», in dem Sie Ihre kanadische Community während eines Waldbrandes begleiten. Erzählen Sie davon.

Tschanz: «'The Fire in Our Hearts' handelt von der Community an dem Ort, an den wir ausgewandert sind. Weil die Gegend so abgelegen ist, dauerte es bei den grossen Waldbränden von 2018 sehr lange, bis die Menschen mit Hilfe retten konnten. Viel zu lange. Der Film zeigt, wie sich die Gemeinschaft aus Einwanderern und indigener Menschen gegenseitig half, die Heimat selbstständig zu schützen. Und somit zum Vorbild für andere abgeschiedene Gemeinschaften wurde.»

Ebenfalls im Juni startet auf den Sendern Sky Schweiz und Blue Entertainment die Doku-Serie «The Belonging», in der Sie und Ihr Cousin Bänz Isler Fussballstars porträtierten, die sich entscheiden mussten, in welcher Nationalmannschaft sie spielen. Was fasziniert Sie am Dokumentarfilmgenre?

Tschanz: «Ich habe bei den eben genannten Projekten sehr viele Einblicke bekommen, die mir verwehrt geblieben wären, wäre ich kein Filmemacher. Es ist aber auch sehr schwierig, Dokumentarfilme zu drehen, Geschichten zu erzählen, von denen man zu Beginn nicht weiss, wohin sie einen führen werden. Es waren sicher nicht meine letzten Projekte dieser Art, doch für den Moment bin ich froh, ist mein nächster Film fiktional. Ich habe grosse Lust, mal wieder mit Schauspielerinnen, Schauspielern und einem Skript zu arbeiten.»

In «Taming the Beast» kommen Superstars wie Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger vor und in einem Interview haben Sie erwähnt, schon mit anderen grossen Namen gearbeitet zu haben.

Tschanz: «Ich habe in Vancouver eine eigene Produktionsfirma. Und weil wir in der Gegend sowohl Wüste, Berge, Meer als auch eine moderne Stadt haben, ist die Stadt ein interessanter Ort für Hollywood. So kam es, dass ich schon in Projekte mit James Franco, Jackie Chan oder Eddie Murphy involviert war. Mit Stars zu arbeiten ist für das Marketing sehr wichtig, und natürlich hat man danach immer ein paar lustige Geschichten zu erzählen. Aber letztlich handelt es sich immer um ganz normale Menschen.»

Können Sie so eine Geschichte erzählen?

Tschanz: «Eddie Murphy hatte immer Angst, am Set angegriffen zu werden. Man musste die Crew also regelmässig auf Waffen untersuchen. Und James Franco hat seine beiden Katzen mit nach Vancouver genommen. Die brauchten dann auch eine ganz spezielle Betreuung.»

Nun verbringen Sie wieder ein paar Wochen in der Schweiz. Was ist das erste, was Sie tun, sobald Sie gelandet sind?

Tschanz: «Wenn ich am Flughafen ankomme, trinke ich immer sofort ein Rivella Blau. Das vermisse ich in Kanada extrem.»*

*Dieses Interview von Miriam Margani, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

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