Jacqueline Ryffel: «Im Vordergrund steht das gemeinsame Erlebnis»
Der Schweizer Frauenlauf feiert seine 40. Austragung mit über 15'000 Teilnehmerinnen. Co-Gründerin Jacqueline Ryffel betont das gemeinsame Erlebnis.

Am Sonntag findet der Schweizer Frauenlauf bereits zum 40. Mal statt. Nicht 2300 Frauen und Mädchen wie bei der ersten Austragung, sondern über 15'000 werden sich auf die unterschiedlich langen Strecken begeben. Die einen, um den Sieg zu erringen, andere, weil sie ganz einfach den Anlass in der schönsten Stadt der Welt und die einzigartige Ambiance geniessen wollen.
Jacqueline Ryffel, die Co-Gründerin des Schweizer Frauenlaufs, erzählt, wie es dazu gekommen ist, dass neben dem Grand Prix von Bern ein zweites Laufereignis in der Bundesstadt weit über die Kantonsgrenzen hinaus Bekanntheit erlangt hat.
«Ich stand vor 40 Jahren zusammen mit Verena Weibel am Aargauerstalden, staunte, wie die Läufer nach 15 Kilometern noch fit waren und sah gleichzeitig, wie viele Frauen, Mütter und Mädchen am Strassenrand standen und applaudierten. Es müsste doch auch umgekehrt gehen, dass sich an einem Tag die Frauen sportlich betätigen und die Männer den Kinderwagen schieben, ging es uns durch den Kopf.»
Acht Prozent der Grand-Prix-Teilnehmenden waren damals weiblichen Geschlechts, heute sind es deren 50. Die beiden Frauen setzten ihre Gedanken in die Tat um. Bereits ein Jahr danach fand die erste Austragung des Schweizer Frauenlaufs statt.
Auch hier erinnert sich die Co-Gründerin. «Während des ganzen Tages regnete es in Strömen, die Aschenbahn im Schwellenmätteli, wo damals der Zieleinlauf war, stand unter Wasser, alle Läuferinnen und Organisatorinnen waren dreckig – das Wetter hätte kaum schlechter sein können.»
Inspiriert, einen Anlass für Frauen zu organisieren, wurde Jacqueline Ryffel auch von Grete Waitz, der 2011 verstorbenen ehemaligen Langstreckenläuferin und Weltrekordhalterin. «Sie trainierte damals oft mit meinem Mann Markus zusammen und bei Besuchen in Norwegen sahen wir, dass im Norden die Frauen schon zu dieser Zeit arbeitstätig und sportlich aktiv waren, als bei uns noch andere Zustände herrschten.»
Tanz auf vielen Hochzeiten
Jacqueline Ryffel war während Jahren nicht «nur» OK-Präsidentin des Frauenlaufs und Mutter von zwei Söhnen, sondern auch Inhaberin, Verwaltungsratspräsidentin und Geschäftsführerin der Spagyros AG, ein Unternehmen, das sich auf die Produktion von Produkten der Komplementärmedizin spezialisiert hat. Auch hier gibt sich Jacqueline Ryffel aufgeschlossen: «Ich pflege ein offenes Verhältnis zur Schulmedizin, Es braucht beides, das eine unterstützt das andere.»
Damit es ihr auch nach dem Übertritt ins Rentenalter nicht langweilig wird, tanzt die junggebliebene Grossmutter weiterhin auf vielen Hochzeiten, die sie locker unter einen Hut bringt.
Sie kümmert sich nicht nur am Frauenlauf um die Ehrengäste, sie joggt, wandert, trainiert im Fitmessstudio, organisiert und pflegt ihr Steckenpferd, das Golfen, denn Sport ist gesund und erhält jung, wie sie betont.
«Ich war gestern mit meinem dreijährigen Enkel auf dem Golfplatz und habe mit ihm Groki-Golf gespielt – es macht Spass, ihn zu betreuen und zu sehen, wie er mit den speziell für Kinder hergestellten Schlägern und Bällen umgeht.»

Der Golf & Country Club Blumisberg ist mittlerweile für Jacqueline Ryffel zu einer zweiten Heimat geworden. Seit drei Jahren präsidiert sie den Klub, ist eine von nur sieben Frauen, die einem der 98 Golfklubs in der Schweiz vorsteht und darf sich rühmen, bereits ein Hole in One geschlagen zu haben.
«Das hat nichts mit Können zu tun, das ist nur Glück», sagt sie bescheiden. Sie, die im Blumisberg seit der Amtsübernahme vor drei Jahren schon einiges verändert hat. Zum Golfsport ist sie durch Zufall gekommen, auch hier spielte das Wetter, wie beim ersten Frauenlauf, eine entscheidende Rolle.
Golf statt Langlauf
«Geplant war eine Langlauf-Woche im Bündnerland, doch weil in diesem Winter nirgends Schnee lag, entschieden sich meine Freundin und ich, eine Woche nach Mallorca zu fliegen, wo nach Auskunft des spontan aufgesuchten Reiseberaters herrliches Wetter herrschte. Meine Freundin war begeisterte Golferin und spielte schon bei der Anreise mit dem Gedanken, mich in die Geheimnisse dieser faszinierenden Sportart einzuweihen.
Ich belegte einen Schnupperkurs, liess mich ein paar Monate später vom Golflehrer überreden, noch eine weitere Kurswoche zu buchen, wozu ich unter der Bedingung, Mallorca mit Platzreife zu verlassen, einwilligte.
Vor neun Jahren absolvierte ich mit einer Freundin die erste 18-Loch-Runde im Blumisberg und wurde höflich darauf aufmerksam gemacht, dass ich den Parcours nicht nochmals bewältigen dürfe, zwei Runden seien nur Mitgliedern und Spielern ab Handicap 36 erlaubt.
Ich liess mir das Anmeldeformular aushändigen, wurde Mitglied und leite jetzt seit drei Jahren den Klub, weil ich mich nach anfänglichen Zweifeln überzeugen liess, das Amt zu übernehmen und mitzuhelfen, die anstehenden Probleme zu lösen.»
Doch am Sonntag steht nicht Golf, sondern wieder einmal der Schweizer Frauenlauf im Fokus. Jacqueline Ryffel: «Im Vordergrund steht das gemeinsame Erlebnis.» Dabei vergisst sie nicht, der Stadt und den rund 7500 Freiwilligen für ihre Unterstützung und Hilfe zu danken.








