Jacques Moretti kann aus Untersuchungshaft entlassen werden
Giorgia Meloni sieht die Freilassung von Jacques Moretti als «Beleidigung der Opfer». Auch Opfer-Anwälte äussern Bedenken.

Das Wichtigste in Kürze
- Jacques Moretti wurde nach Hinterlegung einer Kaution aus der U-Haft freigelassen.
- Giorgia Meloni will «die Schweizer Behörden zur Rechenschaft ziehen».
- Es sei eine «Beleidigung der Opfer der Tragödie in Crans-Montana.
Jacques Moretti, Inhaber der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, kam am Freitag auf Kaution frei. Er darf die Schweiz nicht verlassen, musste Identitätsdokumente bei der Staatsanwaltschaft hinterlegen und muss sich täglich bei der Polizei melden.
Reaktionen aus der Politik auf die Ankündigung der Aufhebung der Untersuchungshaft liessen nicht lange auf sich warten.

«Ich bin empört über die Nachricht von der Freilassung von Jacques Moretti, dem Besitzer des Lokals Le Constellation in Crans-Montana. Ich betrachte dies als eine Beleidigung der Opfer der Silvesterkatastrophe und eine Beleidigung ihrer Familien, die unter dem Verlust ihrer Angehörigen leiden. Die italienische Regierung wird die Schweizer Behörden zur Rechenschaft ziehen», schrieb die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf X.
Der italienische Aussenminister Antonio Tajani erklärte seinerseits auf X, er sei «sprachlos» angesichts dieser Freilassung, die seiner Meinung nach «eine echte Beleidigung für die Gefühle der Familien darstellt, die ihre Kinder verloren haben».

Romain Jordan, Anwalt mehrerer Opferfamilien, reagierte umgehend in einer Mitteilung: «Ich kommentiere die Fragen der Untersuchungshaft nicht.» Aus Sicht seiner Mandanten werde jedoch erneut nicht auf das Risiko von Absprachen und Beweisvernichtung eingegangen. Ein Risiko, das sie stark beunruhige und die Integrität der Ermittlungen gefährden könne.
Sébastien Fanti, Anwalt mehrerer Opferfamilien, sagte auf Anfrage von Keystone-SDA, dass «dies keine Überraschung ist (...), da die Staatsanwaltschaft das Risiko einer Absprache nicht berücksichtigt hat. Es war klar, dass er freikommen würde». Der Anwalt aus Sitten hofft, dass nun «die Vernehmungen beschleunigt werden und einen normalen Rhythmus erreichen». Seinen Angaben zufolge steht der Zeitpunkt der nächsten Vernehmungen des Ehepaars Moretti noch nicht fest.
Opfer-Anwalt verweist auf Fluchtgefahr nach Frankreich
«Es ist eine unerwartete und besonders schockierende Entscheidung für meinen Mandanten und die Familien der Opfer», sagte wiederum Christophe De Galembert, Anwalt des Vaters eines bei der Brandkatastrophe verstorbenen Kindes, zur Nachrichtenagentur AFP. Es bestünden sehr schwerwiegende Verdachtsmomente gegen den Barbesitzer. Er verwies zudem auf die Fluchtgefahr nach Frankreich, insbesondere nach Korsika, und auf die «Gefahr der Kollusion».
In einer von ihren Anwälten übermittelten Erklärung versicherte das Ehepaar Moretti derweil, dass sie «die getroffene Entscheidung und die damit verbundenen Verpflichtungen in vollem Umfang anerkennen». Das Paar werde «weiterhin gemeinsam allen Aufforderungen der Behörden nachkommen».
Im Falle von Jessica Moretti, die weiterhin auf freiem Fuss ist, hatte das Zwangsmassnahmengericht in der vergangenen Woche beschlossen, Ersatzmassnahmen für ihre Untersuchungshaft zu verhängen, und damit einem Antrag der Walliser Staatsanwaltschaft stattgegeben. Ihr wurden die gleichen Massnahmen auferlegt wie ihrem Ehemann.
Derzeit wird das Ehepaar des «fahrlässigen Totschlags, der fahrlässigen Körperverletzung und der fahrlässigen Brandstiftung» verdächtigt. Es gilt die Unschuldsvermutung.








