Jacques Moretti geht Opferangehörigen aus dem Weg
Jacques Moretti wird erneut befragt. Ein Gefangenentransporter bringt ihn zum Befragungsort – vorbei an wartenden Angehörigen und Medien.

Das Wichtigste in Kürze
- Jacques Moretti geht bei seiner Ankunft in Sitten wartenden Opferangehörigen und Medien aus dem Weg.
- Seine Ehefrau Jessica wird wegen ihres «besonders fragilen psychischen Zustands» nicht vorgeladen.
- Moretti sitzt seit Mitte August wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt gegen seine Frau in Untersuchungshaft.
Jacques Moretti, der Betreiber der Unglücksbar «Le Constellation» in Crans-Montana VS, wird am Montag erneut von der Walliser Staatsanwaltschaft befragt.
Er wurde in einem Gefangenentransporter zum Campus Energypolis in Sitten gebracht.
So ging er den wartenden Medienschaffenden und Opferangehörigen aus dem Weg. Mehrere Opfer und Angehörige nahmen an der Befragung teil.
Beim Haupteingang hätten Medien und Angehörige gewartet
Wäre Moretti durch den Haupteingang des Campus gekommen, wäre er ihnen möglicherweise begegnet.
Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft eine Gegenüberstellung von Jacques Moretti und seiner Ehefrau Jessica geplant.
Das Team der vier Staatsanwältinnen verzichtete jedoch vergangene Woche darauf, Jessica Moretti vorzuladen. Als Grund nannte es ihren «besonders fragilen psychischen Zustand».
Jacques Moretti sitzt seit Mitte August wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt gegen seine Ehefrau in Untersuchungshaft.
Am Montag traf er bereits vor den ersten Medienschaffenden am Befragungsort ein. Sein Anwalt Patrick Michod begleitete ihn bei der Einvernahme.
Keine Antworten zu Geldwäscherei
Bei seiner Einvernahme will Jacques Moretti keine Fragen der Anwälte der Zivilkläger zu einem möglichen Geldwäschereidelikt beantworten. Dies teilte sein Anwalt Patrick Michod der Walliser Staatsanwaltschaft laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa in einem Schreiben mit.
Die Ermittler haben wegen des Verdachts auf Geldwäscherei einen separaten Ermittlungsstrang eröffnet. In den Untersuchungsakten befindet sich laut Ansa ein Bericht des Fedpol, der auf «ungewöhnliche» Kontobewegungen und «undurchsichtige Transaktionen» hinweist.
Angehörige fordern Antworten
«Wir hoffen, dass Jacques Moretti endlich mit seinen Ausflüchten aufhört und die offenen Fragen in diesem Fall geklärt werden.» Das sagte Gilles-Antoine Hofstetter, einer der Anwälte der Zivilkläger, vor der Befragung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Laetitia Brodard-Sitre, die Mutter eines Opfers, zeigte sich enttäuscht darüber, dass die geplante Gegenüberstellung nicht stattfand. «Ich will wissen, was in jener Nacht geschehen ist», sagte sie.
«Nur unsere Kinder zählen. Für sie werden wir nicht aufgeben», sagte Astrid Panine. Ihre Tochter war als Service-Angestellte bei dem Brand ums Leben gekommen.
17 Beschuldigte
Jacques Moretti hatte bereits vom 9. bis 23. Januar im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe in Untersuchungshaft gesessen. Bei dem Feuer in der Bar «Le Constellation» in der Silvesternacht kamen 41 Menschen ums Leben, 115 weitere wurden verletzt.
Die Staatsanwaltschaft führt inzwischen gegen 17 Personen ein Strafverfahren. Neben dem Betreiberpaar stehen acht ehemalige oder amtierende Behördenmitglieder von Crans-Montana unter Verdacht.
Allen Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung vor. Gegen Jessica Moretti wird seit ihrer letzten Einvernahme Anfang Juni zusätzlich wegen Urkundenfälschung ermittelt.











