Iran-Krieg: Schweizer Touri-Hotspots melden erste Stornierungen
Tausende Flüge fallen weg – das wirkt sich auch auf den Schweizer Tourismus aus. Aufgrund des Iran-Kriegs gibt es Stornierungswellen.

Das Wichtigste in Kürze
- Schweizer Tourismus-Hotspots bekommen den Iran-Krieg zu spüren.
- So gab es etwa in Luzern oder auf der Rigi Stornierungen.
- Aus dem Mittleren Osten mussten Tausende Flüge storniert werden.
Seit Samstag tobt der Iran-Krieg. Bereits jetzt zeigt sich: Die Kriegshandlungen in Nahost haben auch Auswirkungen auf den Tourismus-Standort Schweiz.

Mit mehr als 20'000 annullierten Flügen handelt es sich um die schwerste Störung des Flugverkehrs im Mittleren Osten seit Corona.
Schweiz Tourismus meldet «Stornierungswellen»
«Es kommt bereits zu Stornierungswellen aus Asien», sagt André Aschwanden, Mediensprecher Schweiz Tourismus. «Die Hub-Flughäfen in der Golfregion (Dubai, Doha, Abu Dhabi) sind für die Anreise aus Fernost aber auch aus Australien fundamental. Aktuell fehlen in diesem Sinn Tausende von Flugsitzen.»
Besonders bitter: «Zum Beispiel in Südostasien und Indien beginnen jetzt die Schulferien. Eigentlich eine beliebte Saison für Reisen nach Europa und in die Schweiz», sagt Aschwanden. Die grosse Unsicherheit führe nun aber zu vielen Absagen.
Stornierungen gibt es zum Beispiel in Luzern.
Chinesen, Thailänder und Indonesier sagen ab
«Gemäss Aussagen von diversen Luzerner Hotels sind einige Stornierungen von chinesischen Gruppengästen bei ihnen eingetroffen», sagt Tourismusdirektor Marcel Perren.
Es sei eine Unsicherheit spürbar, man rechne mit einer erhöhten Zurückhaltung bei Fernreisen. Dies habe auch Auswirkungen auf Gäste aus Indien und Südostasien, welche das zentrale Flug-Drehkreuz im Mittleren Osten häufig nutzen.
Neben China höre man aktuell von Stornierungen von thailändischen und indonesischen Gruppengästen. Wie schlimm es wirklich werde, das zeige sich wohl erst in einigen Wochen. «Es ist aber mit einem Rückgang der chinesischen beziehungsweise asiatischen Gäste im 2026 zu rechnen.»
Stornierungen auf der Rigi und dem Titlis
Verunsicherung aufgrund des Iran-Kriegs spürt man auch stark auf der Königin der Berge. «Dies betrifft vor allem die Märkte im Osten», sagt Ivan Steiner von der Rigi Bahnen AG. «Wir haben seit Ausbruch der kriegerischen Aktivitäten eine Buchung annullieren müssen.»
Aktuell sei eine Einschätzung der Auswirkungen des Nahost-Konflikts sehr schwierig, da die Hochsaison erst noch komme. «Tendenziell dürften wir bei unsicherer Weltlage mehr Gäste aus der Schweiz und Europa bei uns begrüssen.»
Reservierungen storniert wurden auch auf dem Titlis, erzählt Fabian Appenzeller von den Bergbahnen. «Insbesondere von Gästen aus dem Nahen Osten und Indien, die aufgrund der aktuellen Flug- und Reisesituation nicht anreisen können.»
Einen deutlichen Rückgang bei den Besucherzahlen stelle man aber noch nicht fest. Besonders wichtig sei, dass man sich international breit positioniere.
So ist die Lage auf dem Jungfraujoch
Auch im Berner Oberland beobachtet man die Entwicklungen im Nahen Osten aufmerksam. Interlaken Tourismus teilt mit, dass es für eine verlässliche Gesamtbeurteilung noch zu früh sei. Es zeige sich aber einmal mehr, «wie wichtig eine breit abgestützte internationale Gästestruktur ist».

Ein Pflicht-Punkt in der Schweiz-Rundreise bei vielen Touristen ist das Jungfraujoch.
Kathrin Naegeli von den Jungfrau Bahnen sagt: Gäste aus anderen Ländern würden vor allem auf einen späteren Zeitpunkt umbuchen. Dies, wenn ihre Flüge über eines der Länder geführt hätten, bei denen der Flugbetrieb eingestellt oder stark eingeschränkt ist.
Weniger Selfie-Tagestouris? Iseltwald würde ihnen nicht nachtrauern
In der Region am Brienzersee befindet sich auch Iseltwald. Titia Weiland, Geschäftsführerin Bönigen-Iseltwald Tourismus, stellt am legendären Selfie-Drehkreuz keine klare Abnahme von Touristen fest. Es handle sich um eine ruhige Jahreszeit.
Jedoch stünden sowieso Gäste im Fokus, die Ruhe, Authentizität und die besondere landschaftliche Qualität der Region schätzen.
Weiland: «Sollte die Besuchergruppe der Tagesgäste auf der Durchreise, die insbesondere den Steg besuchen möchten, kurzfristig etwas weniger stark vertreten sein, würde dies für das Dorf keine wesentlichen negativen Auswirkungen haben.»

Sollten hingegen auch Übernachtungsgäste aus asiatischen Märkten deutlich ausbleiben, wäre dies für die Beherbergungsbetriebe der Region «durchaus spürbar».













