Iraner in der Schweiz machen sich grosse Sorgen um ihr Heimatland
Trumps Schlag gegen den Iran und der Tod Chameneis lassen Hoffnung für den Iran aufkeimen. Doch so einfach ist es nicht, wie Iraner in der Schweiz aufzeigen.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Schweiz lebende Iraner blicken mit Sorge, aber auch mit Hoffnung auf den Iran.
- Die Sorge gilt den vielen Gefangenen und der Angst, dass die Repression noch stärker wird.
- Die Hoffnung keimt in der realen Chance auf einen Wandel hin zu Freiheit und Demokratie.
Ali Chamenei ist tot und im Iran herrscht Krieg. Die aktuelle Situation in ihrem Heimatland löst bei Iranerinnen und Iranern in der Schweiz gemischte Gefühle aus.
«Wir machen uns grosse Sorgen um die Menschen im Iran. Es wurden schon mindestens 800 Menschen getötet, darunter über 100 Schulkinder», sagt Saghi Gholipou. Sie ist Politologin und Mitgründerin der Organisation «Free Iran Switzerland».
Gleichzeitig gebe es Stimmen, die den Krieg als Möglichkeit für einen Regime-Wechsel sehen.
Dass sich viele Iraner in der Schweiz Sorgen machen, bestätigt auch Homar Amani, Präsidentin des Vereins «Welle». Der Verein mit Sitz in Zürich setzt sich seit 2004 für Menschenrechte, Freiheit und gegen Unterdrückung im Iran ein.
«Die Mehrheit der freiheitsliebenden Iranerinnen und Iraner ist überzeugt, dass solche Kriege in der Regel den Interessen von Staaten dienen. Und nicht den Interessen der iranischen Bevölkerung», sagt Amani.
Dieser Krieg sei somit nicht der Krieg der iranischen Bevölkerung und diene auch nicht der Rettung der Menschen im Iran. «Der Kampf für Freiheit und Demokratie findet im Iran selbst statt – in Protesten und im Widerstand gegen dieses Regime.»
Es existiere ein organisierter Widerstand mit aktiven Netzwerken im Land. Das zeigen auch die Proteste, die den Iran regelmässig erschüttern.
Zahlen belegen, dass dem iranischen Regime längst der Rückhalt in der Mehrheit der Bevölkerung fehlt. Bereits 2023 lehnten gemäss einer Umfrage über 80 Prozent der Bevölkerung die Islamische Republik ab.
Eine Befragung von 2024 ergab: Rund 70 Prozent lehnen das System explizit ab und 89 Prozent wünschen sich eine demokratische Regierungsform.
«Rechnen mit dem Schlimmsten»
Sorgen machen sich die Schweizer Vereine auch um «zehntausende freiheitsliebende Iranerinnen und Iraner», die wegen Regime-Widerstands in Gefängnissen sitzen.
Amani vom Verein «Welle» erklärt: «In einer Kriegssituation verschwindet oft die Transparenz und autoritäre Regierungen nutzen das Sicherheitsklima, um die Repression zu verschärfen.» Also mehr Unterdrückung.
Deshalb würden viele Iranerinnen und Iraner befürchten, dass insbesondere politische Gefangene und festgenommene Demonstrierende in noch grössere Gefahr geraten.

Auch Saghi Gholipour betont: «Wir wissen nicht, was gerade in den Gefängnissen passiert. Wir rechnen mit dem Schlimmsten.»
«Schlag ins Gesicht der Iraner»
Somit bedeutet der Tod von Ali Chamenei für viele Iraner zwar das mögliche Ende einer langen Phase religiöser Diktatur. «Viele sehen heute mehr denn je eine reale Perspektive für einen Wandel», so Amani.
Gleichzeitig würden viele betonen, dass dieses Ereignis allein noch keine Demokratie bringt.
Die Vereinspräsidentin sagt: «Die Zukunft des Iran muss von der iranischen Bevölkerung selbst bestimmt werden.» Sie fordert eine Demokratie. Ein System, das auf dem Willen der Menschen, der Trennung von Religion und Staat und dem Respekt vor Menschenrechten basiert.

Darum werde dieser Moment eher als Möglichkeit für Veränderung gesehen, nicht als das Ende des Kampfes für Freiheit.
Auch Saghi Gholipour betont, dass es für einen Regimewechsel noch einiges brauche. Denn ein Regimewechsel könne nur dann erfolgen, wenn das Regime auch auf dem internationalen Parkett isoliert werde.
«Wenn nun wieder Verhandlungen mit der Islamischen Republik aufgenommen werden, ist das ein Schlag ins Gesicht der Iranerinnen und Iraner.» Genau das hat Donald Trump aber angekündigt.
Mit ihren Verwandten im Iran in Kontakt zu bleiben, ist für beide Frauen schwierig. «Das Internet ist wieder seit Tagen blockiert. Vereinzelt erreichen wir unsere Liebsten», so Gholipour, deren Familie in den 1980er-Jahren vom Iran in die Schweiz floh.
Sie höre verschiedene Stimmen: Von Resilienz bis Angst, von Hoffnung und Verzweiflung. «Aber allen ist gemeinsam, dass sie sich den Sturz des Regimes wünschen. Wenn das jetzt nicht geschieht, wird die Repression gegenüber der Bevölkerung wieder noch stärker.»












