Invasive Ameise breitet sich aus – Frau verkauft Haus
In Süddeutschland verkaufen erste Personen wegen der invasiven Ameisenart Tapinoma Magnum sogar ihre Häuser – auch in der Schweiz sorgt sie für grosse Probleme.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine invasive Ameisenart namens Tapinoma Magnum stellt Süddeutschland vor Probleme.
- Tapinoma-Ameisen können sogenannte Superkolonien bilden und sich auf riesige Flächen ausbreiten.
- Auch in der Schweiz werden die Tapinoma-Ameisen zunehmend zum Problem.
Schwer zu erkennen, ohne natürliche Feinde und kaum mehr wegzukriegen – das ist die invasive Ameisenart Tapinoma Magnum. Wer denkt, dass es sich dabei um ein harmloses Kleintier handelt, täuscht sich gewaltig. Sind sie einmal da, wird man sie eigentlich nicht mehr los.
Die kleinen Tiere schliessen sich nämlich zu grossen Kolonien zusammen und richten so grosse Schäden an. Sie beeinträchtigen die Biodiversität, lassen durch ihre unterirdischen Bauten Trottoirs oder Strassen einsinken oder verursachen sogar Strom- oder Internetausfälle.
In Süddeutschland entwickelt sich die Ausbreitung der invasiven Ameise aktuell zu einer echten Herausforderung. Deutschlands wohl grösste Tapinoma-Kolonie hat sich in Karlsruhe-Neureut auf rund 100 Hektar Land ausgebreitet und umfasst rund eine Milliarde Tiere.
Die Anwohner dort sind verzweifelt.
Es gebe Menschen, die nicht mehr in die Ferien fahren, die Schlafstörungen haben, die depressiv werden: «Das sind schon Nebenwirkungen dieser Ameisenplage», sagt Biologie-Professor Andreas Martens gegenüber «Focus Online».
Eine Anwohnerin habe sogar ihr Haus verkauft und sei nach Teneriffa ausgewandert, so Ameisenexperte Manfred Verhaagh gegenüber der Zeitung.
Auch in der Schweiz wird die Tapinoma Magnum zum Problem
Der grösste Befall in der Schweiz betrifft die Zürcher Gemeinden Volketswil und Schwerzenbach. Bereits im Juni 2025 gab es Berichte, wonach ein Gebiet mit einer Fläche von rund 35 Fussballfeldern befallen ist. Bis Mitte September 2026 hat sich die befallene Fläche deutlich vergrössert.
Insgesamt seien etwa 400’000 Quadratmeter betroffen – eine Fläche, die 56 Fussballfeldern entspricht.
In einer Medienmitteilung gaben die Gemeinden nun bekannt, ein Konzept zur Bekämpfung zu erarbeiten. 2027 soll dieses schliesslich in die Tat umgesetzt werden.
Bekämpfung kostet Hunderttausende von Franken
Die Bekämpfung ist aufwändig und teuer, wie ein weiteres Beispiel aus Kreuzlingen TG zeigt. Im Frühjahr wurde dort eine Tapinoma-Kolonie in der Grösse von rund fünf Fussballfeldern festgestellt. Für dessen Bekämpfung rechnen die Verantwortlichen für dieses Jahr mit Kosten von 200’000 Franken.
Nebst den Kantonen Zürich und dem Thurgau sind diverse weitere Kantone von Tapinoma-Befällen betroffen: Darunter die Kantone Genf, Waadt, Wallis, Tessin, Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Luzern, Schwyz und St. Gallen.
Erstmals nachgewiesen wurde die Tapinoma Magnum in der Westschweiz im Jahr 2012.
Aber was stören uns schon ein paar Ameisen?
Die Tapinoma-Ameisen werden primär durch importierte Pflanzen aus dem Mittelmeerraum eingeschleppt. Anders als bei einheimischen Ameisen befinden sich in den Kolonien zahlreiche Königinnen, die sich nicht gegenseitig bekämpfen.

Dadurch grenzen sich einzelne Ameisenstaaten nicht voneinander ab, sondern schliessen sich zu sogenannten Superkolonien zusammen.
In stark befallenen Gebieten wurden durch solche Superkolonien bereits Verteilerkästen besiedelt, wodurch Strom- und Internetausfälle verursacht wurden. Auch Gehwege, Strassen und Mauern können sich unerwartet absenken, da die Ameisen unterirdisch Hohlräume bilden.
Klimawandel schafft günstige Bedingungen
Die wärmeliebende Art profitiert von milden Wintern und aufgeheizten Flächen, weshalb der Klimawandel ihre weitere Ausbreitung begünstigt. Die Bekämpfung gilt zudem als schwierig, da sich die Tiere nur schwer erkennen und grossflächige Kolonien kaum vollständig beseitigen lassen.
Herkömmliche Mittel reichen bei grossen Befällen oft nicht aus, weshalb Fachleute gefragt sind. Gegen die Ameisen werden vor allem Heisswasserdampfgeräte oder Gelköder eingesetzt. Die Köder dürfen jedoch nur von professionellen Schädlingsbekämpfern angewendet werden.
Der Einsatz solcher Produkte sorgte im Frühjahr 2025 für Diskussionen. Damals wurden sie im Auftrag der SBB verwendet, wobei befürchtet wurde, dass auch Lebewesen wie Bienen gefährdet werden könnten.
Zudem wurde befürchtet, dass der Stoff auch ins Grund- und weiter ins Trinkwasser gelangen kann.













