Influencer sorgt für Debatte: Darf man Babys nicht küssen?
Dragqueen und Influencer Candy Crash küsst seine Tochter nicht auf den Mund. Das sei ungesund und gefährlich. Nau.ch hat nachgefragt: Stimmt das wirklich?
00:00 / 00:00
Das Wichtigste in Kürze
- Dragqueen Candy Crash küsst ihre Tochter Berlin nicht auf den Mund.
- Grund dafür: So würden Bakterien auf das Kind übertragen werden.
- Ein Kinderarzt wiegelt bei Nau.ch ab: «Das Risiko ist gering.»
Seit rund einem halben Jahr sind sie Eltern einer kleinen Tochter: Dragqueen Candy Crash und ihr Lebenspartner.
Nun nimmt die bekannte Dragqueen ihre Follower online auch im neuen Eltern-Alltag mit. Und zeigt, wie es ihr mit Töchterchen Berlin (Götti ist niemand geringeres als Bill Kaulitz) so geht.
Dabei löst Candy Crash vor kurzem eine Kontroverse aus. Die Dragqueen will nicht, dass ihre Tochter geküsst wird – und küsst sie auch selbst nicht.

Denn: Die Dragqueen will sowohl von Kinderärzten als auch im Netz gehört haben, dass dies für Neugeborene und Babys schädlich ist. Das erklärt Candy Crash in einem online geposteten Video.
Grund dafür soll die Bakterienübertragung von Mund zu Mund sein, erklärt sie.
Erwachsene könnten so ein Bakterium auf das Baby übertragen, das es selbst noch nicht habe. Und auch Karies könne durch Küsse übertragen werden.
Video sorgt für Diskussionen
Das Video sorgt für Diskussionen – Es wurde fast 500 Mal kommentiert.
Eine Userin schimpft zum Beispiel: «Wieder so ein neumodischer Quatsch. Wenn du das Bedürfnis hast, dein Kind zu küssen, dann tue das.»
Und eine andere Nutzerin erklärt: «Ich selbst bin 1970 geboren und wurde von beiden Elternteilen geküsst. Es kam schon mal vor, dass Mama auch den Schnuller abgeschleckt hat. Und doch sind wir alle gesund gross geworden.»
Doch wie gefährlich sind solche Küsse wirklich?
«Für die meisten anderen Erreger ist das Risiko im Alltag gering»
Gegenüber Nau.ch erklärt der Baselbieter Kinderarzt Dr. Marc Sidler, Präsident des Verbands «Kinderärzte Schweiz»: «Durch Speichelkontakt können kariesverursachende Bakterien sowie andere Mikroorganismen übertragen werden.»
Diese Übertragung sei biologisch plausibel und gut belegt. Sie gelte für Küsse auf den Mund, aber auch für andere Formen der Speichelübertragung. So etwa dem Teilen von Besteck oder eben dem Ablecken eines Nuggis.
«Eine frühe Übertragung kariesverursachender Bakterien kann das Risiko für frühkindliche Karies erhöhen», erklärt Sidler.
Doch: «Für die meisten anderen Erreger ist das Risiko im Alltag gering.»
Verzicht auf Speichelkontakt bei akuten Infektionen wichtig
Der Kinderarzt beruhigt jedoch: «Eine generelle Empfehlung, auf Küsse auf den Mund zu verzichten, lässt sich aus der wissenschaftlichen Evidenz nicht ableiten.»
Stattdessen rät er Eltern zu einer guten Mundgesundheit. Zudem sollte «unnötige Speichelübertragung», etwa durch das Ablecken eines Löffels, vermieden werden.

Wichtig sei der Verzicht auf engen Speichelkontakt bei akuten Infektionen wie Herpesbläschen oder anderen ansteckenden Krankheiten, so Sidler.
«Für die Kariesprävention ist darüber hinaus eine regelmässige Zahnpflege mit einer altersgerechten fluoridhaltigen Zahnpasta eine wichtige Massnahme. Ebenso wie regelmässige zahnärztliche Kontrollen spätestens ab dem dritten Lebensjahr.»
«Zärtlichkeit ist ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Entwicklung»
Für den Präsident von Kinderärzte Schweiz ist klar: «Aus medizinischer Sicht besteht kein Anlass, Eltern aufgrund einer allgemeinen Sorge vor der Übertragung von Krankheitserregern von liebevollem Körperkontakt abzuhalten.»
«Liebe, Zuwendung und körperliche Nähe» seien für die «gesunde emotionale und soziale Entwicklung von Babys und Kleinkindern zentral».
Denn: «Körperkontakt, Umarmungen und Zärtlichkeit fördern die Bindung zwischen Kind und Bezugsperson und sind ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Entwicklung.»















