Eltern wenden sich nach Babymilch-Skandal von Nestlé ab
Nach dem Rückruf Anfang Jahr liegen die Verkäufe von Beba und Alfamino weiter unter dem früheren Niveau. Viele Eltern greifen inzwischen zu anderen Marken.

Das Wichtigste in Kürze
- Nestlés Babynahrung verkauft sich nach dem Rückruf weiter schlechter.
- Viele Eltern wichen nach der Cereulid-Warnung auf andere Marken aus.
- Nestlé räumt Marktanteilsverluste ein und will Vertrauen zurückgewinnen.
Der Rückruf von Babynahrung wegen möglicher Verunreinigungen mit dem Giftstoff Cereulid löste Anfang Jahr weltweit grosse Verunsicherung bei Eltern aus.
Betroffen waren Produkte verschiedener Hersteller, darunter die Marken Beba und Alfamino des Schweizer Nahrungsmittelriesen Nestlé.
Ein halbes Jahr später haben sich die Verkäufe von Nestlé-Säuglingsnahrung in Schweizer Apotheken noch nicht wieder erholt. Das zeigen Recherchen von Nau.ch.
Nestlé-Produkte verkaufen sich schlechter
So verzeichnete eine grössere Apothekenkette, die namentlich nicht genannt werden möchte, nach eigenen Angaben einen Absatzrückgang von rund zehn Prozent. Der Absatz liege weiterhin unter dem Niveau vor dem Rückruf.
Galenica, zu der unter anderem Amavita, Sun Store und Coop Vitality gehören, bestätigt ebenfalls: «Die Verkäufe der betroffenen Produkte sind noch nicht wieder auf dem Niveau vor dem Rückruf.»
Und der Zur-Rose-Shop beobachtet «einen leichten Trend zu einer gewissen Zurückhaltung in der Nachfrage», sagt Sprecher Simon Marquard. Die Entwicklung sei allerdings nicht sehr ausgeprägt.
Eltern weichen auf andere Marken aus
Gleichzeitig weichen Eltern teilweise auf andere Produkte aus. Bei der namentlich nicht genannten Apothekenkette konnte insbesondere das Danone-Produkt Aptamil Pregomin davon profitieren, so eine Sprecherin.
Auch Galenica schreibt, dass Kundinnen und Kunden «in vielen Fällen» zu anderen Marken greifen. Welche das sind, will das börsenkotierte Unternehmen nicht verraten.
Mitteilsamer zeigt sich der Onlinehändler Puravita, an dem Galenica seit Januar 2026 die Mehrheit hält. Eltern seien insbesondere auf Produkte des Schweizer Traditionsunternehmens Holle umgestiegen, erklärt Geschäftsführer Michael Sonderegger.
Nach dem Rückruf suchten Eltern Rat
Direkt nach dem Rückruf suchten viele Eltern Rat. «Nach den Nestlé-Rückrufen Anfang Januar stiegen die Anfragen spürbar. Auch mit konkretem Bezug zu Beba-Produkten», schreibt die Mütter- und Väterberatung Kanton Bern.
Viele Eltern wollten wissen, welche Produkte betroffen seien, ob sie vorhandene Vorräte noch verwenden dürften und welche Alternativen es gebe. Das bestätigt auch der Schweizerische Apothekerverband Pharmasuisse aufgrund der Rückmeldungen einzelner Apotheken.
Inzwischen hat sich die Lage jedoch beruhigt. «Heute spielt das Thema in den Apotheken nur noch vereinzelt eine Rolle», schreibt Pharmasuisse.
Beratungsstelle rät nicht von Nestlé ab
Auch die Mütter- und Väterberatung stellt fest, dass das Thema inzwischen «kaum mehr präsent» sei.
Die Organisation berate Eltern unabhängig und neutral, erklärt eine Sprecherin. Ob von einem Produkt abgeraten werde, sei von den Empfehlungen der zuständigen Behörden und Fachgesellschaften abhängig.
Nestlé sei zugute zu halten, dass es im Fall der Cereulid-Verunreinigung das Problem als erster Hersteller erkannt habe.
«Zwar wird der Zeitpunkt des Rückrufs diskutiert, andere betroffene Hersteller reagierten jedoch noch später. Daher sehen wir keine Grundlage, von Nestlé-Säuglingsnahrung abzuraten», so die Sprecherin.
Nestlé will Vertrauen zurückgewinnen
Die geringere Nachfrage hält dennoch an. «Nach einem Rückruf muss Vertrauen wieder aufgebaut werden», sagt Galenica-Sprecher Adrian Kay. Gerade bei Babynahrung seien verlässliche Informationen und persönliche Beratung besonders wichtig.
Nestlé Schweiz selbst äussert sich auf Anfrage von Nau.ch nicht zu Verkaufszahlen oder Marktanteilen.
Das Unternehmen betont jedoch, es konzentriere sich darauf, die Folgen des Rückrufs aufzuarbeiten. Eltern könnten sich auf die Sicherheit und Qualität der Produkte verlassen.

Man stehe zudem «weiterhin in engem Austausch mit Gesundheitsfachpersonen, um das Vertrauen von Eltern und Betreuungspersonen zurückzugewinnen».
Dass dies Zeit braucht, räumte kürzlich auch Serena Aboutboul, Leiterin des Ernährungsgeschäfts bei Nestlé, ein.
Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte sie, das Unternehmen habe Marktanteile verloren. Nestlé rechne damit, dass manche Eltern nicht mehr zu den betroffenen Produkten zurückkehren.















