In Zug: «Teuerstes Strandbad Europas» wird mit Kritik überhäuft

Das neue Strandbad in Zug wurde eröffnet – und steht heftig in der Kritik. Der Grund: Teure Preise, verlorener Charme und lange Wartezeiten.

Strandbad Zug
In Zug wurde für 13 Millionen Franken ein neues Strandbad gebaut. - Nau.ch / Nico Leuthold

Das Wichtigste in Kürze

  • In Zug wurde ein neues Strandbad gebaut und eröffnet.
  • Doch rund um das Pfingstwochenende wurde Kritik bezüglich Preisen und Wartezeiten laut.
  • Mittlerweile hat die Betreiberin analysiert und Optimierungen vorgenommen.

Für 13 Millionen Franken wurde in Zug ein neues Strandbad gebaut. Mit dem Landerwerb und den Wettbewerbskosten dürfte es sogar über 20 Millionen Franken gekostet haben. Es soll sich um das «das teuerste Strandbad Europas» handeln.

Doch ausgerechnet dort, wo sich Badegäste zwischen dem Schwimmbecken und der Liegewiese eine Stärkung gönnen möchten, hagelt es Kritik.

Wie «zentralplus» berichtet, sorgen insbesondere die Gastronomie und die langen Wartezeiten für Frust.

Ein Blick auf die aktuellsten Google-Bewertungen zeigt: Seit der Wiedereröffnung hagelt es Ein-Stern-Bewertungen. Besucher sprechen von überforderten Abläufen, hohen Preisen und einem verhältnismässig enttäuschenden Angebot.

Viele sind sich einig: Das Bad hat seinen Charme verloren. Es sei «kalt und nicht einladend» gemacht. Und das Restaurant sei jetzt teuer und nicht fein.

Die Betreiber wehren sich auf Anfrage von Nau.ch nun gegen den Eindruck eines missglückten Saisonstarts. Man nehme die Kritik ernst und habe bereits zahlreiche Anpassungen vorgenommen.

Teuerstes Strandbad in Europa

Dass es sich – mit 20 Millionen Kosten – um das teuerste Strandbad in Europa handle, mutmasste der Präsident der Geschäftsprüfungskommission (GPK), Philip C. Brunner bei der entsprechenden Kommissionssitzung.

Entsprechend hoch dürften die Erwartungen vieler Besucherinnen und Besucher gewesen sein. Immerhin: Der Eintritt in die Seebäder ist in der Stadt Zug gratis.

Doch insbesondere rund um das Pfingstwochenende häufen sich die negativen Rückmeldungen.

Kritisiert wird vor allem die Gastronomie, die von der Gastro-Abteilung des EV Zug betrieben wird. Dort verweist man gegenüber Nau.ch auf die aussergewöhnliche Situation während der Feiertage.

«Die Vielzahl der kritischen Rückmeldungen ist aus unserer Sicht insbesondere auf zwei Faktoren zurückzuführen», erklärt die Betreiberin.

«Einerseits fiel das Pfingstwochenende 2026 mit aussergewöhnlich schönem Wetter zusammen, was zu einem massiven Gästeansturm geführt hat. Andererseits bestehen im älteren Bereich des Strandbades Zug infrastrukturelle Einschränkungen, welche die Abläufe in der Gastronomie zusätzlich erschwert haben.»

Diese Kombination habe punktuell zu Überlastungen geführt. Diese hätten sich letztlich auch in den Erfahrungen der Gäste widergespiegelt.

EVZ Gastronomie verspricht Verbesserungen

Nach dem Pfingstwochenende Ende Mai sei gemeinsam mit allen Beteiligten eine umfassende Auswertung vorgenommen worden. «Dabei wurden konkrete Optimierungen definiert und bereits umgesetzt», erklärt die EVZ Gastronomie.

Dazu gehören Anpassungen der Abläufe, zusätzliche Verkaufspunkte für Getränke und Glacé sowie Änderungen beim Angebot. Auch Preise und Portionsgrössen seien überprüft worden.

Essen Strandbad
Das Essen in Badis und Strandbädern ist bekanntlich teuer. In Zug kostet eine Coca Cola (wie vielerorts) fünf Franken. - Nau.ch / Nico Leuthold

«Die Rückmeldungen zu Preisen und Portionsgrössen wurden sehr ernst genommen», betont die Betreiberin.

Man habe deshalb «gezielte Anpassungen vorgenommen, um ein ausgewogeneres Preis-Leistungs-Verhältnis sicherzustellen».

Bestellung künftig direkt vom Badetuch aus

Ein weiteres zentrales Ärgernis waren auch die langen Warteschlangen. Um diese zu verkürzen, seien Abläufe vereinfacht und zusätzliche Kapazitäten geschaffen worden.

Statt bisher drei Verkaufsstellen sollen an Spitzentagen künftig bis zu fünf Verkaufspunkte zur Verfügung stehen. Zudem ist im älteren Bereich des Strandbads ein weiterer Verkaufsstand geplant.

Und: Mit einer digitalen Bestellplattform sollen Gäste künftig «direkt vom Badehandtuch» ihre Speisen und Getränke bestellen können. Die geplante Einführung sei für Mitte Juni angedacht.

Auch die Stadt entschuldigt sich

Nicht nur die Gastronomie reagiert auf die Kritik. Auch die Stadt Zug räumt ein, dass der Saisonstart nicht reibungslos verlaufen ist.

«Der Saisonstart war von einer sehr hohen Nachfrage geprägt», sagt Stadtrat Urs Raschle. Dies habe insbesondere an stark frequentierten Tagen zu Wartezeiten und zu Situationen geführt. «Dafür entschuldigen wir uns», fügt Raschle hinzu.

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Gleichzeitig verweist er auf die grosse Beliebtheit der Anlage. «Die grosse Nachfrage zeigt aber gleichzeitig die hohe Attraktivität des Strandbads Zug.»

Besonders der ältere Bereich mit seinem Baumbestand, den schattigen Aufenthaltsflächen und dem Kinderbad sei nach wie vor sehr gefragt.

Betreiber sehen Trendwende

Trotz der heftigen Kritik ziehen die Verantwortlichen inzwischen eine vorsichtig positive Bilanz.

«Neben den kritischen Stimmen haben wir nach Umsetzung der Massnahmen vermehrt auch positive Rückmeldungen erhalten», schreibt die EVZ Gastronomie.

Insgesamt sei die Zahl der negativen Bewertungen deutlich zurückgegangen. «Diese Entwicklung bestätigt, dass die eingeleiteten Massnahmen greifen.»

Zwei Personen, die Nau.ch vor Ort antrifft, bestätigen die positive Bilanz. «Grandios, was Zug da macht und bietet», schwärmen Susi (72) und Christian (74). «Wir sind sehr begeistert, das wurde wunderschön angelegt.»

Mädchen mit Glace
Bereits am kommenden Wochenende dürfte sich das Strandbad in Zug wieder füllen. - keystone

«Wir wollten eigentlich sogar der Stadt einen Brief schreiben und uns für das tolle Projekt bedanken», verraten die beiden.

Angesprochen auf die langen Wartezeiten sagt Susi: «Man ist ja während der Freizeit hier. Da hat man auch mal einen Moment Zeit, um auf ein Getränk zu warten.»

Christian ergänzt: «Man soll sich die Zeit auch nehmen, wenn man hierher kommt.»

Ob sich die Stimmung bei den Badegästen tatsächlich nachhaltig verbessert hat, dürfte sich spätestens am kommenden Wochenende zeigen. Dann ist wieder Sommer-Wetter angesagt.

Kommentare

User #4910 (nicht angemeldet)

Ist ja nur ein Angebot. Man muss es ja nicht nutzen und es gibt günstigere. Für mich kritikwürdiger sind Steuererhöhungen, die muss man bezahlen.

User #3271 (nicht angemeldet)

Extra für diese Badi ziehe ich meine goldenen Badehosen (von Temu) an.

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