Hunde verändern die Luft in Wohnungen deutlich
Gase, Partikel und Mikroben: Eine neue Studie aus Lausanne zeigt, wie Hunde die Luftqualität in Wohnungen beeinflussen.

Das Wichtigste in Kürze
- Hunde beeinflussen die Innenraumluft durch CO2, Ammoniak und Partikelabgabe.
- Grosse Hunde geben zwei- bis viermal mehr Mikroorganismen ab als ein Mensch.
- Die erhöhte Partikelvielfalt ist nicht nur negativ – sie kann das Immunsystem fördern.
Die Forschenden sehen in den Ergebnissen eine Grundlage für realistischere Modelle zur Innenraumluft. Dies teilte die Eidgenössische Technische Hochschule in Lausanne (EPFL) am Montag mit.
Der Einfluss von Menschen auf die Luft sei gut erforscht. Jener von Haustieren sei aber bislang kaum berücksichtigt worden, so die Forschenden.
Hunde wirbeln Staub, Pollen und Co. auf
Ein grosser Hund stösst laut der Studie im Ruhezustand etwa gleich viel CO2 aus wie ein erwachsener Mensch. Auch die Menge des abgegebenen Ammoniaks ist vergleichbar. Dieses Gas entsteht beim Abbau von Proteinen und wird über Haut und Atemluft freigesetzt.
Den grössten Einfluss hatten Hunde den Angaben zufolge aber bei Partikeln in der Luft. Durch Schütteln, Kratzen oder Streicheln wirbeln sie grosse Mengen an Staub, Pollen, Pflanzenresten und Mikroben auf.
Grosse Hunde geben dabei zwei- bis viermal mehr Mikroorganismen ab als ein Mensch im selben Raum.

Die Tiere fungieren als mobile «Träger». Sie transportieren biologisches Material von aussen nach innen und verteilen dieses durch ihre Aktivitäten im Raum.
Gut für das Immunsystem
Diese erhöhte Vielfalt an Partikeln im Innenraum sei aber nicht zwingend negativ, so die Forschenden.
Einige Studien deuteten darauf hin, dass der Kontakt mit verschiedenen Mikroben die Entwicklung des Immunsystems, insbesondere bei Kindern, fördern könne.
Ein weiterer Aspekt betrifft chemische Reaktionen in Innenräumen. Ozon, das von aussen in Wohnungen gelangt, reagiert dort mit Hautfetten und bildet neue Stoffe wie Aldehyde oder Ketone. Beim Menschen spielt dabei unter anderem Squalen eine Rolle, ein Bestandteil des Hauttalgs.
Hunde produzieren selbst kein Squalen. Doch beim Streicheln übertragen Menschen Hautrückstände auf das Fell der Tiere.
Diese Rückstände reagieren anschliessend ebenfalls mit Ozon. Im Schnitt bildeten Hunde dabei allerdings rund 40 Prozent weniger Ozon-Reaktionsprodukte als Menschen.
Für die Messungen nutzte das Team eine kontrollierte Umweltkammer der EPFL in Freiburg. Untersucht wurden zwei Gruppen von Hunden: eine mit drei grossen Hunden (einem Mastiff, einer Tibetdogge und einem Neufundländer) und eine mit vier kleinen Hunden (Chihuahuas). Die Studie wurde in der Fachzeitschrift «Environmental Science & Technology» veröffentlicht.












