Hunde hassen Alkohol, müssen aber mit ins Après-Ski
Leser-Videos zeigen zahlreiche Hunde in Schweizer Après-Skis. Schon der Alkohol-Geruch stört die Vierbeiner, warnen Experten. Schnapp-Vorfälle drohen.
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Das Wichtigste in Kürze
- In Schweizer Après-Skis wimmelt es von Hunden.
- Keine gute Idee, finden Experten. Laute Bässe stressen Hunde genauso wie Alkohol-Geruch.
- Fühlen sich Vierbeiner bedrängt und können nicht ausweichen, drohen sie, zu schnappen.
Das Ski-Saison-Ende naht. Frühlings-Sonne, die Bässe dröhnen, Anstossen mit Schümli-Pflümli und Spritz-Getränken. Die Stimmung in einem Walliser Après-Ski ist feuchtfröhlich.
Nicht nur zweibeinige Gäste sind vor Ort. Leser-Videos zeigen, dass viele Anwesende auch ihren Hund dabei haben.
Im Gegensatz zu Herrchen und Frauchen kann das Hündli das Ausklingen des Tages aber nicht geniessen.
Yasmine Wenk von der Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» sagt bei Nau.ch: «Den Hund ins Après-Ski mitzunehmen, ist keine gute Idee.» Die Tierschützerin erzählt, was problematisch ist.
Züngeln, Gähnen und Wegdrehen sind Stress-Signale
Zwar könne man anhand kurzer Video-Sequenzen das Wohlbefinden eines Hundes nur schwer einschätzen.
«Nichtsdestotrotz wirken die Hunde auf den Videos teilweise alles andere als entspannt. Beim grauen Husky sind mehrere deutliche Stresssignale zu erkennen, darunter Wegducken, Blinzeln, Abwenden des Kopfes und ein seitliches Ausweichen. Einer der Hunde auf den Videos scheint der Situation entfliehen zu wollen, kann dies aber nicht», sagt Wenk.
Viele Halter würden an solchen Orten gar nicht bemerken, wenn die Hunde gestresst sind. Oder würden Stress-Signale falsch interpretieren. So etwa Züngeln, Gähnen, Wegdrehen des Kopfes, angespannte Körperhaltung oder ein scheinbar ruhiges Liegen.
«Selbst Tiere, die an Trubel gewöhnt zu sein scheinen, können in einer solchen Umgebung unter hoher Stressbelastung stehen. Stress zeigt sich nicht immer offensichtlich», sagt die Tierschützerin.
«Nur weil ein Hund nicht aktiv protestiert, bedeutet das nicht, dass er sich wohlfühlt.»
Hunde hassen Alkohol
Kein Hund sei wirklich für ein Après-Ski-Setting geeignet. Auch Gefahren, wie plötzliches Gedränge, umfallende Getränke, Glas am Boden oder rutschige Flächen nehmen Menschen oft zu spät wahr.
Klar sei aber: Für Hunde ist die Kombination aus extremen Reizen besonders belastend. «Die sehr hohe Lautstärke ist ein starker Stressfaktor, da Hunde Geräusche intensiver wahrnehmen als Menschen.»

Hinzu komme die Nähe von vielen fremden Menschen – Sie können bedrohlich und unberechenbar wirken.
Gefährlich sind Essensreste wie Schoggi oder Knochen sowie Glasscherben.
Wenk macht aber auch auf einen anderen Punkt aufmerksam: Den Alkohol.
Aus Angst: Hunde schnappen Betrunkene
«Viele Hunde reagieren sensibel oder sogar ängstlich auf den intensiven Geruch von Alkohol. Oder auf das veränderte, unberechenbare oder impulsive Verhalten betrunkener Menschen.»
Und: «Viele Hunde sind verunsichert, wenn es keine klaren Flucht- oder Rückzugsräume gibt.»
Wenn Hunde eine Situation als bedrohlich wahrnehmen, wollen sie sich zurückziehen, erklärt Wenk. Ist ein Ausweichen nicht möglich (angeleint, bedrängt in Ecke) und Warnsignale werden ignoriert, könne es auch zu einem «Abschnappen» kommen.
Darum nehmen Halter Hunde mit ins Après-Ski
Viele Halter würden den Hund ins Après-Ski mitnehmen, weil sie ihn nicht alleine in der Unterkunft lassen möchten. Oder weil sie davon ausgehen, dass der Hund überall dort glücklich ist, wo sie selbst sind, berichtet Wenk.
«Häufig wird unterschätzt, wie belastend laute und gedrängte Umgebungen für Hunde sind. Besonders, wenn sie auf engem Raum unter oder neben Bänken liegen müssen.»
Darum sei viel besser: Jemand aus der Familie verzichtet auf den Besuch des Après-Ski und bleibt beim Hund in der Unterkunft.















