Hörerzahlen von Berner Radios sind nach UKW-Boom wieder gesunken
Energy Bern und Radio Bern1 liegen bei der Nettoreichweite praktisch wieder auf Vorjahresniveau. Das sei nicht überraschend, heisst es auf Anfrage.

Das Wichtigste in Kürze
- Nach der Abschaltung der SRG-UKW-Antennen legten die Privatradios zu.
- Bei den Berner Sendern Energy Bern und Radio Bern1 scheint dieser Boom bereits verpufft.
- Kleinere bernische Sender profitieren hingegen weiterhin.
Vor einem Jahr wurden die UKW-Antennen der SRG abgeschaltet, diejenigen der Privatsender sollten folgen. Doch was seit Jahren angekündigt war, stiess manch einen Radiofan vor den Kopf. Und dies hatte ungeahnte Folgen.
Zu Tausenden wechselte die SRG-Hörerschaft zu den noch existierenden privaten UKW-Stationen. Gleichzeitig setzte sich der grösste Radiofan der Schweiz, der mittlerweile 80-jährige Roger Schawinski, für den Erhalt von UKW ein. Bis ihm sowohl National- wie Ständerat zustimmten und die definitive Umstellung auf DAB+ weiter hinausschoben.
Radio Bern1 und Energy Bern: UKW-Boom verpufft?
Gemäss den neusten Hörerzahlen war die Freude über die neu gewonnene Hörerschaft bei den Berner Radios aber von kurzer Dauer.
Bei Radio Bern1 und bei Energy Bern sind die Werte für die «totale Nettoreichweite» im zweiten Semester 2025 wieder gesunken. Sie liegen nun beinahe wieder auf gleicher Höhe wie vor einem Jahr, vor der UKW-Abschaltung der SRG.

«Bern gehört zu den am stärksten umkämpften Marktregionen», betont Lino Bugmann, Mediensprecher der Bern1-Besitzerin «CH Media». Man beobachte die Entwicklung aufmerksam.
Das Zwischenhoch im ersten Semester 2025 lässt man beiseite, setzt dafür auf andere Messgrössen für den Erfolg: «Dass Radio Bern1 seine Tagesreichweite in der Deutschschweiz im zweiten Halbjahr 2025 um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahressemester steigern konnte.» Auch den Marktanteil habe Radio Bern1 im 2025 um neun Prozent ausbauen können.
Energy Bern nicht überrascht
Etwas konkreter wird Kevin Gander, CEO der Energy Gruppe Schweiz. Den kurzfristigen Anstieg zu Beginn der UKW-Abschaltung habe man begrüsst. Die weitere Entwicklung komme aus Sicht von Energy aber nicht überraschend.

«Unser Profil und unser Zielpublikum unterscheiden sich deutlich von jenem der SRF-Sender», betont Gander. «Insbesondere in Bezug auf das Alter». Denn für Energy seien die Reichweiten bei den jungen und sehr jungen Zielgruppen entscheidend. Und diese sind, anders als Roger Schawinski, weniger UKW-fixiert.
Andere bernische Radiosender weiterhin im Hoch
Liegt es also am umkämpften Markt in der Grossstadt und der Zusammensetzung der Hörerschaft? Tatsächlich deuten auch andere Zahlen darauf hin, dass sich das UKW-Phänomen wohl deswegen sehr unterschiedlich zeigt.

Denn bei Privatsendern ausserhalb der Stadt Bern hält der UKW-Boom unvermindert an. Radio BeO in Interlaken konnte seine Nettoreichweite im ersten Semester 2025 beinahe verdoppeln und büsste bis Jahresende nur leicht ein. Nicht ganz so extrem, aber ähnlich, präsentieren sich die Zahlen für den Bieler Sender Canal 3.
Neo1, das von Langnau aus sendet, legte zunächst etwas stärker zu als Canal 3, büsste dann aber etwas mehr ein. Übers gesamte Jahr betrachtet haben sich die beiden Regionalradios etwa gleich stark entwickelt.
UKW scheint bei der tendenziell älteren, weniger urbanen Hörerschaft also eine grössere Rolle zu spielen.
Ob sich diese Werte mit dem geplanten Wiedereinstieg der SRG ins UKW-Geschäft wieder verschieben, wird sich zeigen. Für Energy Bern ist gemäss Medienmitteilung vor allem relevant, dass man in Bern Marktführer ist: «Mit 106 Prozent Vorsprung auf den nächstplatzierten Mitbewerber.»
Bei «CH Media» dürfte man sich um die weitere Entwicklung bei Radio Bern1 nicht allzu grosse Sorgen machen: Der Sender wurde vergangenen September zusammen mit «Telebärn» an die Bieler Gassmann-Gruppe verkauft.








