Hitler-Masken: Jugendverein sorgt an Bündner Umzug für Entsetzen
Nazi-Symbole und Hitler-Masken: Ein Umzug in Graubünden sorgt für Empörung – ein Jugendverein spricht von «Denkanstoss», Kritiker von Grenzüberschreitung.

Das Wichtigste in Kürze
- Am Chalandamarz-Umzug in Ftan tauchten Nazi-Symbole und politische Figuren auf.
- Der verantwortliche Jugendverein spricht von einem «Denkanstoss».
- Die Behörden reagieren kritisch, die Kantonspolizei prüft den Vorfall.
Der traditionelle Chalandamarz-Umzug im Unterengadiner Dorf Ftan sorgt dieses Jahr für heftige Reaktionen.
Denn: Es wurde nicht nur der Winter ausgetrieben, wie es der Brauch wäre. Unter den Teilnehmer mischten sich auch Figuren mit politischer und historisch belasteter Symbolik.
Zu sehen waren unter anderem Uniformen mit Hakenkreuzen, verschiedene Nazi-Symbole sowie Masken, die an Adolf Hitler erinnerten. Teils hatten die Masken auch Züge von Wladimir Putin oder Donald Trump.
Eine Augenzeugin zeigte sich gegenüber Medien «fassungslos» und sprach von einer «roten Linie», die überschritten worden sei. Die Jugendlichen hätten die Kostüme «offen und ohne Scham» getragen. Mitten im Dorf, vor Kindern, Familien und Touristen.
Kritik an «Banalisierung des Nationalsozialismus»
Auch Fachstellen äussern sich kritisch.
Philip Bessermann, Direktor der Stiftung gegen Rassismus, erklärt gegenüber dem Tessiner Fernsehsender «RSI»: «Dieser Vorfall zeigt, dass die beabsichtigte Botschaft nicht so ankommt, wie sie gemeint ist.»
Die Jugendlichen hätten vielleicht ihre Ängste über das Weltgeschehen ausdrücken wollen. «Dafür haben sie aber Bilder und Symbole verwendet, die nicht akzeptabel sind.»
Weiter warnt er: «Die Verwendung von Nazi-Symbolen kommt einer Normalisierung, einer Verharmlosung des Nationalsozialismus und fast schon des Holocausts gleich. Ich glaube nicht, dass das ihre Absicht war. Aber damit wurden Grenzen überschritten.»
Jugendverein verteidigt Auftritt
Der verantwortliche Jugendverein von Ftan weist die Kritik teilweise zurück.
In einer Stellungnahme heisst es: «Wir wollten auf Themen unserer Gesellschaft und der Welt aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen.»
Die Symbole und Kostüme seien «bewusst gewählt» worden.
Gleichzeitig erklärt der Verein: «Es war nicht unsere Absicht, Diktaturen, Extremismus oder Gewalt zu relativieren oder zu verherrlichen. Wir distanzieren uns von diesen Ideologien und von jeder Form der Menschenverachtung.»
Man bedaure, falls Menschen durch den Auftritt verletzt oder verunsichert worden seien. Das sei «nicht unser Ziel» gewesen. Der Verein wolle aus der Situation lernen und künftig verantwortungsvoller handeln.
Gemeinde und Polizei reagieren
Auch die Behörden beschäftigen sich mit dem Vorfall. Die Gemeinde Scuol, zu der Ftan gehört, hat nach eigenen Angaben Kontakt mit dem Jugendverein aufgenommen.
Die Kantonspolizei Graubünden erklärte, zunächst seien keine Anzeigen eingegangen. Nach Hinweisen aus den Medien werde der Fall nun jedoch geprüft.
In der Schweiz sind Nazi-Symbole derzeit nicht grundsätzlich verboten, solange sie nicht zur Förderung von Rassenhass verwendet werden. Eine entsprechende Gesetzesänderung ist zwar geplant, aber noch nicht in Kraft.










