Halle abgebrannt: Thurgauer Gemüsebauer spricht über Zukunftsängste
Wo Urs Dünner in Neuwilen gegen die Trockenheit kämpfte, steht er nun vor den Trümmern seiner Lagerhalle. Für ihn geht es um die Zukunft des Familienbetriebs.

«Der Brand ist das eine», sagt Urs Dünner. «Doch wie sieht unsere Zukunft aus?», fragt er. Er steht vor der abgebrannten Halle und zeigt auf zwei Hacktraktoren aus den 60er Jahren.
Er kaufte sie als Occasionen und revidierte und restaurierte die Maschinen so, dass sie perfekt für die Arbeit auf ihren Feldern passten. Der Anblick tut ihm weh und er wendet den Blick ab.
Betreten dürfen er und seine Mitarbeiter die Brandstelle noch nicht. Dünner zeigt auf die Fensterrahmen eines Nachbarhauses, welche braune Brandspuren am weissen Rahmen aufweisen.
Der Standort im Dorf sei nicht optimal, dessen sei er sich bewusst. Er mag gar nicht daran denken, dass ein Neubau der Halle wegen Einsprachen herausgezögert werden würde.
Doch er glaubt an das Gute. Muss er fast, denn nicht nur seine, sondern auch die berufliche Zukunft seines Sohnes Roman als Mitinhaber der AG hängt von einer möglichst baldigen Wiederaufnahme des Betriebs ab.

Dieser war vor Ort, als das Feuer entfachte. «Sowas vergisst man nie», sagt er und ergänzt: «das passiert zum Glück nicht jeder Generation.»
Brandstiftung?
Immer noch sind Brandermittler vor Ort, nehmen alles ganz genau unter die Lupe. Schnell war laut des Bio-Gemüseproduzent klar: «Es war kein Selbstverschulden.» Keine Maschine stand unter Strom, keine Leitung marode.
Doch die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Umso schlimmer und präsenter wird ein Gedanke: Was, wenn es Dritteinwirkung war? Aus der direkten Nachbarschaft habe er nur ehrliches Mitgefühl erfahren.
«In der Hochsaison oder eben bei der Wasserknappheit war es für die Anwohner sicherlich nicht immer eine Freude, uns als Nachbarn zu haben», sieht Dünner ein. In den letzten Wochen fuhren seine Mitarbeiter in der Nacht mit Lastwagen bis zum See in Tägerwilen, um Wasser zu tanken.
Die Zone sieht Werkverkehr zwischen 6 Uhr und 22 Uhr vor. Diese Zeiten konnten demnach nicht immer eingehalten werden, somit habe der Betrieb nicht nur Freunde.
Laut Robin Bernhardsgrütter, Kantonspolizei Thurgau, hätten sie bisher noch keine Hinweise auf Brandstiftung gefunden. Ein ähnlicher Fall spielte sich Ende Mai 2025 in Wertbühl bei Bürglen ab.
Eine Scheune und der Hofladen der Egger Gemüsebau AG brannte vollständig aus. Später stellte sich heraus: Das Feuer war absichtlich gelegt worden. Als Täter wurde ein ehemaliger Mitarbeiter des Betriebs ermittelt.
Die Familie Egger kennt somit das Gefühl der Machtlosigkeit. «Der Anfang war anspruchsvoll, vor allem die Ungewissheit», sagt Geschäftsleitungsmitglied Pascal Egger.
«Bei uns waren es aber weniger strategisch wichtige Gebäude, die brannten.» Ausser die Nutzung des zerstörten Hofladens konnte der Betrieb mehr oder weniger weitergeführt werden. Er könne sich gar nicht vorstellen, wie sich Urs Dünner fühlen müsse.
Dünner ist als talentierter Tüftler bekannt in der Branche, welcher seine Maschinen exakt auf seinen Betrieb angepasst hat. «Der Verlust ist unbezahlbar», so Pascal Egger.
Die grosse Arbeit folgt erst
«Wir hoffen einfach, dass die Ermittler bald abziehen und wir anfangen können, unsere Zukunft neu aufzubauen.» Gewinnen wolle er dabei nichts. «Wir möchten einfach, dass es wieder so ist, wie es war.»
Was ist passiert?
Mitten in der Erntesaison hat ein Grossbrand die Dünner Bio AG in Neuwilen schwer getroffen. In der Nacht auf Mittwoch, 19. August, brannte eine Lagerhalle vollständig aus. Auch die angrenzende Bürocontainer wurden beschädigt. Mehrere Traktoren, Ernte- und Spezialmaschinen sowie Fahrzeuge wurden ein Raub der Flammen. Der Schaden beläuft sich laut Kantonspolizei auf mehr als zwei Millionen Franken.
Wie das Feuer ausbrach, ist weiterhin unklar. Der Brandermittlungsdienst der Kantonspolizei untersucht die Ursache. Solange steht der Betrieb noch still. Das Familienunternehmen wird von Urs und Roman Dünner geführt und zählt etwa 70 Mitarbeitende.
Dann heisst es Offerten einholen, Maschinen bestellen, Inventarlisten erstellen. «Aber das ist nicht wie der Kauf eines Autos. Das sind Spezialmaschinen, welche nicht auf die Schnelle geliefert werden», so der Gemüseproduzent.
So seien sie aktuell auf die Hilfe von Mitbewerbern und örtliche Landmaschinenhändler angewiesen. Die Solidarität sei schön anzusehen. Der grösste Verlust seien all die Papiere im Bürocontainer.
«Die offenen Rechnungen werden uns sicherlich nochmals zugeschickt.», sagt er und lächelt müde. Pass, Fahrzeugausweise, Versicherungsunterlagen, alles weg. Mitten im Hochbetrieb sei solch eine Zusatzbelastung ernüchternd.
Vor allem nach den Wochen vom gefühlten Dauereinsatz auf den trockenen Feldern. «Wir müssen jetzt die Zwiebeln ernten, dann kommen die Kartoffeln und Karotten. Die Zeit rennt uns davon.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Kreuzlinger Nachrichten» erschienen.








