Weinfelden TG: 160 Fachleute diskutieren Bildschirmzeit bei Kleinkindern
In Weinfelden TG kamen 160 Fachpersonen und Gemeindevertreter zur vierten Konferenz Frühe Förderung zusammen – Thema war der Medienkonsum kleiner Kinder.

Die Konferenz Frühe Förderung fand heuer bereits zum vierten Mal statt. In deren Rahmen beschäftigten sich insgesamt 160 Personen aus Politischen Gemeinden, Schulgemeinden und Fachpersonen aus dem Bereich der Frühen Förderung mit dem Thema «Offline mit kleinen Kindern – und wie?». Im Fokus stand dabei der aktuelle Forschungsstand zu Bildschirmzeit in der frühen Kindheit sowie die Sensibilisierung, Beratung und Begleitung von Familien mit kleinen Kindern.
Im Kanton Thurgau leben etwa 11'000 Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 4 Jahren. Für diese Familien lud die Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen des Kantons Thurgau kürzlich zu einer Konferenz nach Weinfelden ein. Das Schwerpunktthema des Anlasses «Offline mit kleinen Kindern – und wie?» wurde aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und diskutiert.
Prof. Dr. Fabio Sticca von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich gab einen Überblick zum aktuellen Forschungsstand zur Nutzung von Bildschirmmedien im frühen Lebensalter. Anschliessend diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber, wie Familien auf die Risiken der Mediennutzung sensibilisiert werden können.
Ist Bildschirmzeit schädlich?
Prof. Dr. Fabio Sticca referierte zum Thema: «Vom Krabbeln zum Klicken: Auswirkungen von Bildschirmzeit auf die frühkindliche Entwicklung» und präsentierte dem Publikum die aktuellen Erkenntnisse dazu. Seine Kernaussage lautete: «Bildschirmzeit birgt Risiken, doch wie stark das einzelne Kind in der Entwicklung negativ beeinflusst wird, ist davon abhängig, ob digitale Geräte von der Familie zum Beispiel als gemeinsame Lerngelegenheit bewusst eingesetzt werden oder das Kind Bildschirmzeit als Ablenkung oder zum Trost erhält.» Wenn das Umfeld der Familie oder Fachpersonen beobachteten, dass kleine Kinder zu viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, solle nach den Gründen und Ursachen gefragt werden.
«Da sich Kinder grundsätzlich an ihren Bezugspersonen orientieren, sollten Erwachsene unbedingt auf den eigenen Medienkonsum achten und ihn in Anwesenheit der Kinder reduzieren», sagte Sticca. Es könne davon ausgegangen werden, dass sich die dauernde Ablenkung und Unterbrechung, wie sie zum Beispiel Smartwatches oder Handys auslösen, negativ auf die Entwicklung in der frühen Kindheit auswirkt.

Familien zu mehr «Offline-Zeit» anregen
Im zweiten Teil der Veranstaltung tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu aus, wie Familien für den Umgang mit digitalen Medien sensibilisiert und darüber informiert, sowie zu mehr «Offline-Zeit» angeregt werden können. An diversen Informationsständen wurde rege diskutiert und sich ausgetauscht. Zur Sprache kamen Fragen wie: Was kann eine politische Gemeinde oder eine Schulgemeinde beitragen?
Welche Fachpersonen können Eltern beraten und wo finden Eltern medienfreie Freizeitangebote und Ideen?
Wie Regierungsrätin Denise Neuweiler in ihrem Grusswort erwähnte, unterstützt der Kanton Thurgau mit dem Einkauf der Gemeinschaftsaktion «Go Offline! – keine digitalen Medien bis 4 Jahre» und mit der Bereitstellung von Umsetzungsideen sowie Thurgauer Aktions-Materialien Politische Gemeinden, Schulgemeinden und Organisationen dabei, das Thema aktiv und möglichst flächendeckend anzugehen. Die Frage: Wie macht ihr das bei euch in der Gemeinde, Schule oder Spielgruppe? wurde entsprechend häufig diskutiert. Eins war am Tagungsende klar: Wenn Kinder wählen können, ziehen sie reale Spielgelegenheiten, Geschichtenerzählungen und Beziehungen der digitalen Welt vor.
Die Präsentationen zur Konferenz Frühe Förderung sind auf der Webseite der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen zu finden: 4. Konferenz Frühe Förderung im Kanton Thurgau. Nähere Informationen zur Gemeinschaftsaktion «Go Offline! – keine digitalen Medien bis 4 Jahre» sind unter go-offline-4.ch zu finden.
Kantonale Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen (KJF)
Die Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen setzt sich dafür ein, die Rahmenbedingungen für Kinder, Jugendliche und Familien im Kanton Thurgau weiter zu verbessern. Dabei steht das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen, der Schutz und die Förderung der Familie sowie die Anerkennung ihrer Leistungen im Vordergrund. Die Vernetzung und Koordination sowohl privater als auch staatlicher Angebote in diesen Bereichen gehören zu den Kernaufgaben der Fachstelle.










