Guy Parmelin spricht am Jubiläum der Badener Disputation
Bundespräsident Guy Parmelin hat in seiner Rede zum 500-Jahr-Jubiläum der Badener Disputation unter anderem die Wichtigkeit des Konsens betont. Seine Rede war Teil des Festakts, der in der bis auf den letzten Platz gefüllten Stadtkirche in Baden AG stattfand.

Der Bundesrat ging in seiner zweisprachigen Rede vom Sonntag auf die Folgen des Disputs vor 500 Jahren ein. Die Gelehrten damals hätten Abgrenzung gesucht, keinen Konsens. So sei ein Graben entstanden, der die Schweiz bis heute präge.
Denn: Die Badener Disputation war ein Streitgespräch im Mai und Juni 1526. 200 Menschen diskutierten theologische Wahrheiten und Grundlagen des römisch-katholischen und des reformierten Glaubens. Ziel der Disputation war die Einigung. Doch dies gelang nicht: In der Schweiz entstanden zwei Konfessionen.
Das Jubiläum sei wichtig, hielt Parmelin fest: «Um die Aussöhnung zu feiern. Die Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten, Vielfalt zu leben. Und aus Gegensätzen Stärke zu gewinnen.»
Er wies auch auf aktuelle Themen wie Kriege oder den technologischen Fortschritt hin. In solchen Zeiten bröckele der Konsens oft. «Daher braucht es Mahnungen: Dass wir faktentreu bleiben. Dass wir unsere Werte pflegen, ohne anderen ihre Werte abzusprechen.»
Manchmal dauere es lange, bis Gräben sich schlössen, bis Gerechtigkeit sich durchsetze, bis Frieden entstehe. «Aber es ist immer richtig, darauf hinzuarbeiten», schloss Parmelin seine Rede.
Die Aargauer Alt-Bundesrätin Doris Leuthard, selbst Mitglied des Schirmgremiums des Jubiläums, betonte Ähnliches: Durch die Badener Disputation habe die Menschheit gelernt, «dass Disputation, das Ringen um Antworten, der Austausch ein besserer Weg zur Konfliktlösung ist» als Krieg.
«Wir stehen zweifellos an der Schwelle zu einer neuen Weltordnung», sagte Leuthard und zählte ähnliche Beispiele auf wie zuvor schon Parmelin. Solche Veränderungen machten unsicher und überforderten. Doch es gebe Hoffnung. «Es gibt gemeinsame ethische Werte, Standards und Haltungen, die weltweit anerkannt sind und als Basis dienen können.»
Sie wünsche Mut, um «dem Traum einer friedlichen Weltpolitik, einer gerechten Weltwirtschaft und eines starken Völkerrechts Schritt für Schritt näher zu kommen».
Der Festakt war gespickt mit Darbietungen von Fahnentragenden, einer Opernsängerin, Balletttänzerinnen und Breakdancerinnen.
Dem 45-minütigen Festakt ging ein ökumenischer Festgottesdienst voraus. Vor 500 Jahren hätten sich die Teilnehmer der Disputation Saures gegeben, sagte Rita Famos, Präsidentin der evangelisch-reformierten Kirche Schweiz. Es habe «Verteufelungen hüben wie drüben» gegeben. «Statt Einigung entstand Krieg.»
«Heute stehen wir gemeinsam hier. Der Weg hierher war schwer.» Doch man habe gelernt, dass es Versöhnung, Miteinander und Liebe brauche. «Wenn wir keine Liebe haben, ist die Kirche unglaubwürdig», sagte Famos. «Vielfalt ist keine Bedrohung. Sie ist der Motor der Veränderung, wenn sie von Liebe geleitet wird.»
Bischof Felix Gmür betonte, es brauche den Austausch zwischen allen Glaubens- und Weltanschauungsrichtungen für den Frieden. Zum Schluss des Festgottesdienstes sang die Festgemeinde das eigens für das Jubiläum komponierte «Friedenslied aus Baden».
Das Jubiläum fand in Baden verteilt über mehrere Wochen statt. Es gab unter anderem Gespräche und Ausstellungen. Festakt und Festgottesdienst bildeten nun das Ende der Feierlichkeiten.










