Gesundheitskosten und Prämien gehen weiterhin nur in eine Richtung
Seit Längerem steigen die Gesundheitskosten und mit ihnen auch die Krankenkassenprämien. In ihrem alljährlichen Mediengespräch haben Fachleute des Bundes am Dienstag die aktuelle Lage zusammengefasst. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

WIE HOCH SIND DIE GESUNDHEITSKOSTEN?
97 Milliarden Franken betrugen die Gesundheitskosten im Jahr 2024, wie Zahlen des Bundes zeigen. 55 Milliarden Franken davon waren medizinische Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Der grösste Teil davon, rund 37 Milliarden Franken, wurde durch Prämien finanziert, 12 Milliarden Franken durch die Kantone über Steuergelder. Die restlichen 6 Milliarden Franken bezahlten die Patientinnen und Patienten via Kostenbeteiligung selbst.
WIE ENTWICKELN SICH DIE KOSTEN?
Seit Jahren steigen die Kosten, seit Mitte 2021 teilweise rasant. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) zeigt sich der Anstieg in allen Kostengruppen, insbesondere jedoch im ambulanten Bereich, in der Pflege sowie in der Psychotherapie. Im Jahr 2025 stiegen die Kosten um zusätzliche 247 Franken pro Kopf oder 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das war das stärkste Wachstum in den vergangenen acht Jahren.
WAS SIND DIE GRÜNDE DAFÜR?
Die steigenden Gesundheitskosten haben mehrere Gründe. Dazu gehören beispielsweise die alternde Bevölkerung, der medizinische Fortschritt mit teureren Behandlungen sowie das Mengenwachstum, also mehr Arztbesuche, mehr Medikamente und mehr Operationen.
IN WELCHE RICHTUNG GEHT ES IM LAUFENDEN JAHR?
Der steigende Trend dürfte sich auch im laufenden Jahr fortsetzen. Im ersten Quartal betrug das Kostenwachstum laut BAG rund 2,9 Prozent. Jedoch sei diese etwas tiefere Steigung mit Vorsicht zu geniessen, weil viele Leistungen im ambulanten Bereich wegen neuer Tarife noch nicht abgerechnet worden seien. Die Versicherer gingen für das Jahr 2026 aktuell von einer Kostensteigerung von knapp 5 Prozent aus, so die Fachleute des Bundes. Etwas konkreter wird es Ende Juni. Dann liegt die Kostenprognose der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich vor.
WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE PRÄMIEN?
«Wir gehen im Durchschnitt davon aus, dass die Prämien ungefähr gleich wie die Kosten wachsen werden», sagte Philipp Muri, Leiter Abteilung Versicherungsaufsicht. Das würde einen Prämienanstieg von rund 5 Prozent für das nächste Jahr bedeuten. Dass die Prämien nicht noch stärker wachsen, ist laut den Fachleuten damit zu erklären, dass die allermeisten Krankenkassen aktuell über gute Reserven verfügen, insgesamt über rund 8,4 Milliarden Franken. «Die finanzielle Situation der Versicherer ist insgesamt stabil und ausreichend», sagte Muri.
IST EIN ENDE DES TRENDS IN SICHT?
Nein. Das Wachstumsniveau der vergangenen Jahre dürfte sich bis auf Weiteres fortsetzen. Dass die Krankenkassenprämien den Kosten folgen, ist gesetzlich festgeschrieben. «Aktuell gibt es keine Anzeichen, dass sich das Kostenwachstum wesentlich abschwächen würde», sagte Muri.
WAS TUT DER BUND?
Der Bund überprüft die Leistungen, nimmt regelmässig mehrere Tarife unter die Lupe und sucht mit der Pharmabranche und den übrigen Gesundheitsakteuren nach Einsparpotenzialen. «Kostendämpfung bleibt eine Daueraufgabe», sagte Kristian Schneider, stellvertretender BAG-Direktor. Ab 2026 seien Einsparungen von rund 300 Millionen Franken beschlossen worden. Gleichzeitig erarbeite man an einem Runden Tisch neue Kostendämpfungsmassnahmen.
WELCHE WIRKUNG HAT DIES?
Ohne Kostendämpfungsmassnahmen der vergangenen Jahre lägen die durchschnittlichen Jahresprämien pro Kopf um rund 450 Franken höher, wie das BAG sagt. Zu den wiederkehrenden Massnahmen gehören beispielsweise die Überprüfung der Medikamentenpreise, die Genehmigung von Tarifverträgen und Änderungen an der Liste, welche medizinischen Leistungen über die Krankenkassen abgerechnet werden dürfen.
REICHT DAS?
«Wenn wir keine Kostensteigerung wollen, haben wir keine Innovation», sagte Schneider. Man könne sich über unzureichende Kostendämpfungsmassnahmen ärgern. Jedoch gelte es, alle Akteure mit ins Boot zu holen. Potenzial gebe es aber durchaus. «Wir haben Ineffizienzen im Gesundheitssystem, weil wir zu sehr in Silos denken», sagte Schneider. Er sei zuversichtlich, dass sich das mittel- und langfristig ändere. Die Leistungserbringer seien bereit, integrativer zu arbeiten.
GIBT DIE PHARMA DEN TAKT VOR?
Durch die geopolitische Lage geraten kostendämpfende Massnahmen stark unter Druck, wie das BAG schreibt. Obwohl die Schweiz die höchsten Preise und Kosten für Medikamente in Europa habe, wolle die Pharmaindustrie noch höhere Preise für neue patentgeschützte Medikamente. Das könne in die Milliarden gehen. Laut den Fachleuten des Bundes besteht ein enger Kontakt zwischen dem Bund und der Industrie. Die Situation sei hochkomplex, sagte Schneider. Der Bundesrat werde bald einen Bericht zum Thema vorlegen. Klar sei aber, dass die Schweiz nicht das Land sein wolle, welches die Medikamentenpreise für den US-amerikanischen Markt vorgebe.






