Geringverdiener fühlen sich vom System stärker benachteiligt
Gesellschaftliche Verhältnisse haben Einfluss darauf, wie gerecht oder ungerecht sich die Bevölkerung behandelt fühlt. Das zeigt der «Gerechtigkeitsbarometer».

Das Wichtigste in Kürze
- Die Unzufriedenheit der Schweizerinnen und Schweizer hat zugenommen.
- Wer weniger Geld hat, fühlt sich eher ungerecht behandelt.
- Die Kostenfrage – also Miete oder Krankenkassenprämien – steht dabei über allem.
Mehr als die Hälfte der Menschen in der Schweiz empfinden die gesellschaftlichen Verhältnisse als eher oder sehr ungerecht.
Dies zeigt eine am Montag veröffentlichte repräsentative Umfrage im Auftrag der Zeitschrift «Beobachter».
Seit dem letzten «Gerechtigkeitsbarometer» im Sommer vor zwei Jahren hat die Unzufriedenheit in der Schweiz demnach zugenommen. Es war damals die erste derartige Umfrage des Forschungsinstituts GFS Bern.
Ein Drittel der Befragten war der Meinung, das System sei «eher nicht gerecht». 18 Prozent sagten sogar, es sei «überhaupt nicht gerecht».
Geringverdienende und Wohlhabende gespalten
Gemäss der repräsentativen Erhebung, für die GFS Bern rund 2000 Personen befragte, war das Einkommen ausschlaggebend für das Gerechtigkeitsempfinden.
Noch stärker als bei der ersten Befragung ziehe sich ein Graben durch die sozialen Schichten. Das schrieb der «Beobachter» am Montag in einer Mitteilung an die Medien. Sein Fazit: «Wer wenig hat, fühlt sich vom System deutlich stärker benachteiligt.»
Während zwei Drittel der Wohlhabenden zufrieden auf das Geschehen blicken würden, sähen drei Viertel der Geringverdienenden die Dinge anders.
Gegenüber 2024 ist der Prozentsatz derjenigen, die sich «eher» oder «sehr» gerecht behandelt fühlten, von 68 auf 56 Prozent gesunken.
Letztendlich laufe alles darauf hinaus, wer profitiere und wer die Last trage, so Meinungsforscherin Cloé Jans von GFS Bern.
Schweizer erachten Gerechtigkeit als käuflich
Ihr zufolge steht die Kostenfrage derzeit über fast allem – sei es bei der Miete, Krankenkassenprämien oder der AHV.
Auf individueller Ebene stehe das eigene Portemonnaie unter Druck und politisch werde über Milliardenprojekte gestritten, sagte Jans dem «Beobachter». Immer weniger Menschen würden daran glauben, dass Leistung auch Wohlstand mit sich bringe.
Neben Umwelt- und Gleichstellungsfragen beschäftigten 81 Prozent der Befragten hohe Prozess- und Anwaltskosten. Immer mehr teilten die Sorge, dass Gerechtigkeit in der Schweiz käuflich geworden sei.
Trotz der Kritik bleibe aber «das Vertrauen in den Kern des Staates krisenfest». Das ist die positive Nachricht aus der Umfrage.
Zwar streite die Schweiz derzeit heftig. Sie tue dies aber immer noch auf einem «gemeinsamen Fundament von Demokratie, Freiheit und Bildung».













