Geldnot: Hälfte der Schweizer könnte nur drei Monate ohne Lohn leben
Die Schweizer sparen fleissig, doch die Reserven sind knapp: Fast die Hälfte käme bei Einkommensausfall höchstens drei Monate über die Runden.

Das Wichtigste in Kürze
- Laut einer ZHAW-Studie sparen 83 Prozent der Schweizer zumindest gelegentlich.
- Knapp 15 Prozent haben keine Reserven, weitere 30 Prozent höchstens drei Monate.
- Auch ab 10'000 Franken Monatseinkommen hat gut jeder Vierte nur drei Monate Reserven.
Die Schweizer Bevölkerung spart zwar fleissig, doch bei vielen sind die finanziellen Reserven einer Umfrage zufolge begrenzt. Fast die Hälfte der Befragten könnte ihren bisherigen Lebensstandard bei einem Einkommensausfall höchstens drei Monate aufrechterhalten. Das zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).
Dabei gehen die meisten durchaus bewusst mit Geld um. Knapp 83 Prozent der Befragten legen zumindest gelegentlich etwas auf die Seite, 43 Prozent sogar regelmässig. Am häufigsten sparen die 18- bis 25-Jährigen (94,9 Prozent), am seltensten die 56- bis 65-Jährigen (75,8 Prozent).
Das Einkommen spielt eine grosse Rolle: Bei einem Haushaltseinkommen von unter 4'000 Franken im Monat sparen 22,1 Prozent regelmässig, ab 10'000 Franken sind es 66,5 Prozent.
Das Polster bleibt trotzdem oft dünn. Knapp 15 Prozent haben keinerlei Reserven. Bei weiteren 30 Prozent reicht das Geld für ein bis drei Monate. Zusammen sind das knapp 45 Prozent. Immerhin 23,6 Prozent könnten länger als ein Jahr ohne Einkommen auskommen.
Gutverdiener nicht automatisch abgesichert
Auch ein hohes Einkommen schützt nicht automatisch. Bei Befragten mit einem Haushaltseinkommen von mindestens 10'000 Franken im Monat hat gut jeder Vierte Reserven für höchstens drei Monate.
Regelmässiges Sparen bedeutet noch nicht, dass ein Haushalt ausreichend auf einen Einkommensausfall vorbereitet ist. Entscheidend ist auch, welche Liquidität bereits vorhanden ist und wie lange sie im Ernstfall reicht», erläutert ZHAW-Expertin Selina Lehner.

Grosse Unterschiede gibt es ausserdem beim Alter. Bei den 66- bis 79-Jährigen haben 72,1 Prozent mehr als drei Monate Reserve. Bei den 26- bis 35-Jährigen sind es nur 43,5 Prozent. Männer haben häufiger ein grösseres Polster als Frauen (58,4 gegenüber 51,7 Prozent).
12,3 Prozent sind finanziell «verletzlich»
Die ZHAW teilt die Befragten in vier Profile ein. 50,1 Prozent sparen und haben mehr als drei Monate Reserve. 32,7 Prozent sparen zwar, haben aber höchstens drei Monate Reserve. 5 Prozent sparen aktuell nicht, haben aber mehr als drei Monate Reserve. Das sind häufig Pensionierte, bei denen das fehlende Sparen auch ein geplanter Vermögensverzehr sein kann.

Die restlichen 12,3 Prozent bezeichnet die Studie als «Verletzliche». Sie sparen aktuell nicht und haben höchstens drei Monate Reserve. Von ihnen mussten 54,2 Prozent im vergangenen Jahr Geld leihen. 68,6 Prozent hatten in den letzten fünf Jahren Mühe, ihre Steuerrechnung zu bezahlen. Ihre finanzielle Zufriedenheit liegt bei nur 2,52 von 10 Punkten. Mehr als jede zweite Person dieser Gruppe (53,4 Prozent) ist alleinstehend oder alleinerziehend.
Fixkosten als grösste Sorge
Die steigenden Fixkosten bereiten 22 Prozent der Befragten am meisten Kopfzerbrechen. Dahinter folgen die ungenügende Altersvorsorge mit 12 Prozent und die Angst, künftige Wünsche oder Lebensziele nicht finanzieren zu können, mit 11 Prozent.
«Steigende Fixkosten belasten Haushalte nicht nur einmalig, sondern Monat für Monat. Gerade bei knapper Liquidität verringern sie den finanziellen Spielraum und erschweren es, unerwartete Ausgaben aufzufangen», sagt ZHAW-Experte Holger Hohgardt.

Am wichtigsten ist den Befragten die Sicherung ihres Lebensstandards (29 Prozent). Danach folgt der Wunsch, im Alltag keine Geldsorgen zu haben (23,8 Prozent).
Jede vierte Person musste Geld leihen
Die Engpässe zeigen sich im Alltag. Fast jede vierte befragte Person (23,8 Prozent) musste im vergangenen Jahr Geld leihen. Zudem hatten 29 Prozent in mindestens einem der letzten fünf Jahre Mühe, ihre Steuerrechnung rechtzeitig zu bezahlen.
Entsprechend fällt die Bilanz zur eigenen Lage mässig aus. Die finanzielle Zufriedenheit liegt bei lediglich 5,6 von 10 Punkten. Die allgemeine Lebenszufriedenheit erreicht dagegen 7,17 Punkte.

Für die Studie wurden Anfang Juni 2026 insgesamt 963 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren online befragt. Die Stichprobe ist nach Alter und Geschlecht repräsentativ. Die Studie entstand mit Bank Cler als Praxispartner und wurde von der Förderagentur Innosuisse unterstützt.







