Trinkwasser knapp: Aargauer verbieten Autowaschen - hohe Bussen!
Im Suhrental AG ist das Trinkwasser so knapp wie noch nie: Gemeinden sollen Autowaschen verbieten und Verstösse mit Bussen ahnden.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Aargauer Suhrental sinkt der Grundwasserpegel seit 2024 – 2026 verschärfte die Lage.
- Der Grundwasserverband rief Stufe 2 aus: Rund 15 Gemeinden sollen sparen.
- Autowaschen ist verboten, es drohen Bussen von mehreren hundert Franken.
Im Aargauer Suhrental wird das Trinkwasser knapp. Der Grundwasserpegel sinkt dort seit 2024, und der trockene Sommer 2026 hat die Lage zusätzlich verschärft. Der Grundwasserverband Suhrental hat deshalb den «Krisenfall Wasser» ausgerufen und empfiehlt «drastische Massnahmen». Darüber berichtet SRF in der Sendung «Schweiz aktuell».
Betroffen sind rund 15 der 20 Gemeinden im Verband, vor allem jene zwischen Kölliken und Reitnau. Sie sollen das Wassersparen verfügen und Bevölkerung wie Firmen wenn nötig büssen.
Der Verband hat Eskalationsstufe 2 von insgesamt fünf Stufen ausgerufen. Bei der höchsten Stufe würde das Wasser abgestellt und per Lastwagen von ausserhalb geliefert. Dass das Krisenkonzept so rasch zum Einsatz kommt, überraschte den Verband.
Fluss und See fehlt das Wasser
Das Grundwasser im Suhrental hängt stark von der Suhre ab. Der 34 Kilometer lange Fluss fliesst vom Sempachersee durch das Tal nach Aarau in die Aare. Aktuell ist der See so tief, dass kein Wasser mehr abfliessen würde.
Damit die Fische überleben, wird Seewasser in die Suhre hochgepumpt. Neues Grundwasser entsteht, wenn Fluss- oder Regenwasser im Boden versickert. Und Regen fehlt.
Das sagt auch Andy Häfeli, Brunnenmeister mehrerer Suhrentaler Gemeinden und im Grundwasserverband tätig. «Wir hatten im Winter und Frühling keine Grundwasseranreicherung», so Häfeli. «Wir sind auf einem besorgniserregenden Stand.»

In Kölliken ist die Lage besonders heikel. Einzelne Pumpwerke wurden bereits abgeschaltet. «Wir haben nur noch einen halben Meter Wasser. Das ist für Notfälle reserviert», sagt Häfeli.
Auch von Kölliken Richtung Staffelbach, Reitnau und Moosleerau ist das Wasser knapp. Gleiches gilt für einige angrenzende Luzerner Gemeinden. Man sei in Kontakt, der Verband sei aber nur für den Aargau zuständig.
Autowaschen verboten – Industrie muss zehn Prozent Wasser einsparen
Kurzfristig helfe im Suhrental nur Wassersparen, so der Verband. Für Privatpersonen heisst das: «Autowaschen und Plätze, Dächer und Solaranlagen zu waschen, ist verboten und kann durch die Gemeinde gebüsst werden», sagt Häfeli. Die Bussen betragen mehrere hundert Franken.
Noch Stärker trifft es die Industrie. Sie muss per Verfügung zehn Prozent Wasser einsparen. Nur mit einer Verfügung sind Bussen möglich – ab dem 2. November gilt es ernst.

Wer wegen der Vorgabe die Produktion drosseln muss, kann Kurzarbeit beantragen. Der Verband will zudem individuelle Lösungen suchen. Auch Landwirtschaftsbetriebe sind betroffen.
Was, wenn es nicht regnet?
Bleibt der erhoffte, wochenlange Regen aus, droht die nächste Stufe. «Dann wäre noch mehr verboten und man müsste 50 Prozent Wasser sparen. Wenn es so weitergeht, wäre diese Stufe im Januar erreicht», sagt Brunnenmeister Andy Häfeli.
Langfristig ist ein neues Pumpwerk bei Muhen geplant. Es soll tiefer unten Grundwasser anzapfen, ist aber erst in zehn Jahren bereit. Ende Sommer testete der Verband zudem, ob sich Grundwasser aus Aarau über 18 Kilometer durchs Suhrental pumpen lässt.

Das funktioniert, ist aber technisch aufwendig und teuer. Der Wasserpreis wäre rund viermal höher, den die Kundschaft wohl tragen müsste.








