Grüne

    Grüne sprechen von «Regierungsversagen», Kantone sind zufrieden

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Bern,

    Die Gesundheitsdirektorenkonferenz begrüsst die neuen Massnahmen, die Grünen kritisieren den Bundesrat scharf nach seinem Auftritt.

    Lukas Engelberger Coronavirus
    Lukas Engelberger, Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die GDK befürwortet die Ausweitung der Corona-Massnahmen.
    • Es brauche aber wegen der angespannten Lage bereits eine Diskussion über nächste Schritte.
    • Die Grünen sprechen unterdessen von einem «Regierungsversagen».
    • Die Mitte findet die Massnahmen verhältnismässig, auch Gastrosuisse ist zufrieden.

    Für die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren und-direktorinnen (GDK) kommt die Ausweitung der Schutzmassnahmen auf Bundesebene keinen Tag zu früh. Wegen der angespannten Lage müsse rasch eine Diskussion über mögliche zusätzliche Schritte auf Bundesebene geführt werden.

    Intensivstation Coronavirus Ungeimpft
    Die Berner Intensivstation des Universitätsspitals Insel ist zurzeit laut eigenen Angaben voll. Im Bild: Die IPS des Zürcher Triemlispitals im Dezember 2020. - Keystone

    Dies zeige die Situation auf den Intensivstationen, teilte die GDK am Freitag mit. In einzelnen Kantonen beziehungsweise Spitälern gebe es zunehmend nur noch sehr beschränkte freie IPS-Kapazitäten.

    Kantone weiterhin gefordert

    Auch die Kantone seien weiterhin gefordert, ihre Massnahmen gegebenenfalls zu verschärfen. Die meisten Vorschläge des Bundesrates, darunter die Ausweitung der Maskenpflicht sowie die Ausweitung der Zertifikatspflicht, seien von den Kantonen in der Konsultation mehrheitlich begrüsst worden.

    Zertifikat Coronavirus
    Ein Covid-Zertifikat auf einem Smartphone. - Keystone

    Indem er den Einsatz des Zertifikats für private Treffen im Familien- und Freundeskreis als Empfehlung ausspreche, reagiere der Bundesrat auf die Bedenken mehrerer Kantone gegenüber einer Pflicht.

    Omikron sorgt für Unsicherheit

    Die Verpflichtung für Schulen, repetitive Tests anzubieten, sei von den Kantonen mehrheitlich abgelehnt worden – der Bundesrat verzichte nun auf ein Obligatorium. Für die GDK sind repetitive Tests ein wirksames Mittel, um Übertragungsketten frühzeitig zu unterbinden.

    coronavirus Massentest Homeoffice Betriebe
    Einmal Abstreichen bitte: Schüler der Kantonsschule Menzingen machen im Februar einen gepoolten PCR-Test aufs Coronavirus ohne Hilfe von Fachpersonal. Ebenso läuft es in den Betrieben ab. - Keystone

    Gemäss dem Bundesrat sind Kapazitätsbeschränkungen auf nationaler Ebene gemäss Covid-19-Gesetz nicht mehr möglich, hiess es weiter. Die GDK argumentiert jedoch, dass die Voraussetzungen «mit Blick auf die laufenden Auffrischimpfungen und die Risikolage aufgrund von Omikron weiterhin gegeben sind».

    Grüne schreiben über «Regierungsversagen»

    Weniger zufrieden sind die Grünen, die das Ganze als «Regierungsversagen» beschreiben. Weil eben die Situation so ernst sei, hätte der Bundesrat eine Test- und Homeofficepflicht beschliessen müssen.

    Balthasar Glättli Grüne
    Balthasar Glättli, Präsident der Grünen Schweiz. - Keystone

    Die Arbeitgeber- und Gewerbeverbände sind zufrieden mit den moderaten Massnahmen, wie sie beide schreiben. Der Verein Schweizer Bar und Club Kommission (SBCK) ist erleichtert über den Entscheid des Bundesrats. Es sei ein wichtiges Signal für die Branche und für junge Leute.

    2G werde das Nachtleben vor eine Herausforderung stellen - die Prüfung müsse zumindest zu Beginn manuell geschehen, so der Verein weiter. Auch sei unklar, wie die Gäste auf diese Massnahmen reagieren werden. Auf dem Land werde ein Gastrückgang erwartet.

    Die Mitte begrüsst Verzicht auf Zertifikatspflicht im Privaten

    Die Mitte-Partei erachtet die am Freitag vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen als notwendig. Die Kantone sollten ihren Handlungsspielraum weiter nutzen und ihre Verantwortung in der Pandemie wahrnehmen.

    «Wir müssen sicherstellen, dass wir die Überlastung der Spitäler und vor allem auch des Gesundheitspersonals verhindern», wird Mitte-Präsident Gerhard Pfister in einer Mitteilung vom Freitag zitiert.

    Die Mitte
    Gerhard Pfister, Nationalrat und Parteipräsident «Die Mitte». - Keystone

    Der konsequente Einsatz des Covid-Zertifikats sei die logische Folge. Um den Zugang zum Zertifikat möglichst einfach sicherzustellen, brauch es aus Sicht der Mitte aber auch rasch wieder Gratistests.

    Die Partei begrüsst insbesondere den Verzicht der Zertifikatspflicht im privaten Bereich. Die Massnahmen der Maskenpflicht in Innenräumen, die dringliche Empfehlung für Homeoffice sowie der Wegfall der Quarantäne-Regelung für Reisende werden ebenfalls positiv bewertet.

    Gastrosuisse fordert Entschädigungslösungen

    Gastrosuisse bewertet die Entscheide des Bundesrats als «Massnahmen mit Augenmass». Viele Betriebe würden sich aber nach wie vor in ihrer Existenz bedroht fühlen, es brauche dringend neue Entschädigungslösungen. Angesichts der Situation in den Spitälern habe der Verband Verständnis für die Massnahmen, hiess es in einer Mitteilung vom Freitag.

    Erfreut sei der Branchenverband, dass sich Restaurants sowie Bar- und Clubbetriebe anstelle der Sitzpflicht für 2G (geimpft - genesen) entscheiden können.

    Gastrosuisse coronavirus
    Coronavirus: Müssen sich die Gastro-Betriebe wieder auf Flaute an Weihnachten einstellen? - Keystone

    Die verschlechterte Gesamtlage werde für viele Betriebe des Gastgewerbes wieder zunehmend schwierig, Stornierungen hätten in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen. «Viele Betriebe sehen sich in ihrer Existenz bedroht», hiess es in der Mitteilung weiter.

    Das vereinfachte Verfahren bei der Kurzarbeitsentschädigung müsse deshalb unbedingt weitergeführt werden. Gastrosuisse fordert zudem, dass die Amortisationen der Covid-Kredite und Rückzahlungsforderungen von Härtefallgeldern gestoppt werden.

    SGB will wirtschaftliche Schutzmassnahmen

    Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) verlangt angesichts der unsicheren Lage in Dienstleistungsbranchen die Sicherung der Löhne und der Arbeitsplätze. Die wirtschaftlichen Corona-Schutzmassnahmen in der Kurzarbeit oder beim Erwerbsersatz seien entscheidend.

    Kommentare

    Weiterlesen

    Alain Berset GDK
    257 Interaktionen
    GDK und Berset einig
    Lukas Engelberger Coronavirus
    294 Interaktionen
    Masken & Co.
    Coronavirus Intensivstationen corona
    65 Interaktionen
    Kein Omikron-Fall

    MEHR GRüNE

    Christian Imark Marionna Schlatter
    940 Interaktionen
    Ab 2030
    Luzern Fluss Ufer Stadt
    2 Interaktionen
    Politik
    andrey
    4 Interaktionen
    FIFF
    Lukas Lütolf (24) mit dem Cargo-Velo seiner WG nach der Velo-Demo auf der Kirchgasse in Olten. - David Annaheim
    16 Interaktionen
    Grünen-Politiker

    MEHR AUS STADT BERN

    Abstimmung brieflich Reto Nause
    Bern betroffen
    schmezer kolumne
    5 Interaktionen
    Schmezer
    Wohlen BE
    Wohlen BE