Gastrosuisse: Hässiger Platzer spaltet seine Branche

    Felix Müller
    Felix Müller

    Zürich,

    Für Gastrosuisse-Chef Casimir Platzer ist die Ausweitung der Zertifikatspflicht auf Restaurants «verfassungswidrig». Damit spaltet er die Branche.

    Casimir Platzer Coronavirus
    Casimir Platzer, Präsident von Gastrosuisse, ärgert sich fürchterlich über die Pläne des Bundesrats. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Bundesrat will eine Covid-Zertifikatspflicht in Restaurants und Bars.
    • Gastrosuisse-Chef Casimir Platzer regt sich fürchterlich über die Pläne des Bundes auf.
    • Die Branche ist ab den Äusserungen ihres Chefs geteilter Meinung.

    Am Mittwoch kündigte der Bundesrat an, dass das Covid-Zertifikat künftig in Restaurants zum Einsatz kommen soll. So sollen Schliessungen verhindert werden können, falls sich die Delta-Variante weiter ausbreitet.

    Italien Covid-Zertifikat Restaurant Coronavirus
    Eine Kundin in einem Restaurant zeigt wegen des Coronavirus ihr Covid-Zertifikat. - Keystone

    Gastrosuisse-Chef Casimir Platzer (53) platzte daraufhin der Kragen. An einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz packte er den argumentativen Zweihänder aus: Eine Zertifikatspflicht sei «verfassungswidrig», die Gesellschaft werde gespalten und eine bereits geschundene Branche zu Grabe getragen, polterte der oberste Beizer.

    Gastronomen gespalten

    Gespalten ist nach Platzers Auftritt aber vor allem seine Gastrobranche. Sinnbildlich dafür ein Beispiel aus Zürich: Während Ruedi Bindella, dessen Unternehmen dort 23 Restaurants betreibt, einen erheblichen Mehraufwand durch die Zertifikatspflicht befürchtet, sagte der Zürcher Stargastronom Michel Péclard zum «Blick», er verstehe Platzer nicht: «Er hat sich verrannt».

    peclard
    Michel Péclard findet, Platzer habe sich bei dem Thema verrannt. - peclard.net

    Zahlreiche Wirte teilen die Haltung Péclards. Das ständige Gejammere nerve die Leute, ist der Ostschweizer Focacceria-Betreiber Florian Reiser überzeugt. «Der Widerstand gegen die Massnahmen ist kontraproduktiv.»

    Auch «Platzhirsch»-Inhaber Sigi Gübeli findet in der Boulevard-Zeitung: «Casimir Platzer drückt für meinen Geschmack zu sehr auf die Mitleidsdrüse. So arm und benachteiligt, wie er tut, ist die gesamte Branche gar nicht.»

    Hotelbranche nimmts gelassen

    Für die Hotelbranche sind die Pläne des Bundesrats kein Drama. «In anderen Ländern gibt es die Zertifikatspflicht ja schon. Bei gewissen Betriebstypen führt das tatsächlich zu Einbussen, aber weit nicht überall», wird Hotelleriesuisse-Chef Andreas Züllig im «Blick» zitiert.

    Andreas Züllig
    Andreas Züllig ist Präsident von Hotelleriesuisse. - Nau

    Züllig findet aber auch, dass es «laute Stimmen» wie Platzer brauche. «Wir von Hotelleriesuisse haben einen anderen Weg eingeschlagen. Wir versuchen, konstruktiv und lösungsorientiert zu agieren.»

    Gleichzeitig stärken auch zahlreiche Wirte öffentlich Platzer den Rücken. Er selber fände es gut, wenn eine Debatte ausgelöst wurde. «Bei 30'000 Betrieben werden Sie sicher einige finden, die anderer Meinung sind.»

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