Galenica-Tochter schliesst Fabrik in Interlaken
Der Gesundheitskonzern Galenica schliesst die pharmazeutische Produktion Bichsel in Interlaken bis spätestens Ende 2026. Davon sind bis zu 170 Jobs betroffen.

Grund für den Schritt sei die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, hiess es in einer Mitteilung vom Dienstag. Verschiedene Massnahmen zur Steigerung der Ertragslage hätten über die letzten Jahre keine ausreichende Wirkung erzielt.
Bichsel zählt seit 2019 zum Galenica-Netzwerk und stellt vor allem Infusionslösungen her. Das Angebot umfasst sowohl grossvolumige Infusionsbeutel als auch sogenannte «Formula Produktion», die auf Bestellung der Spitäler mit den gewünschten Zusammensetzungen hergestellt werden. Die pharmazeutische Produktion macht etwa ein Drittel des Bichsel-Geschäfts aus.
Bevor Galenica sich zu dem aktuelle Schritt entschieden habe, seien verschiedene Optionen geprüft worden, sagte eine Galenica-Sprecherin. Die Anlage sei schon betagt, sodass eine wirtschaftliche Produktion nicht mehr möglich sei. Stattdessen wären zunächst massive Investitionen nötig, die sich längerfristig wirtschaftlich nicht rechneten.
Künftig will sich Bichsel vollständig auf Home-Care-Dienstleistungen konzentrieren. Bereits im Oktober 2025 hatten HomeCare Bichsel und Lifestage Solutions ihre Kompetenzen unter einer gemeinsamen Führung gebündelt. Zusammen unterstützen sie schweizweit Spitex-Organisationen und Pflegeeinrichtungen bei der Betreuung und Versorgung von Patientinnen und Patienten in deren Zuhause.
Auch bei der Apotheke in Interlaken gibt es Veränderungen: Die «Grosse Apotheke Dr. G. Bichsel» wird per 1. März 2026 in «Amavita Apotheke Bichsel Interlaken» umbenannt.
Parallel dazu wurde ein Konsultationsverfahren eingeleitet. Sollten Entlassungen unvermeidlich sein, kommt laut den Angaben ein Sozialplan zur Anwendung. Zudem würden Möglichkeiten für eine Weiterbeschäftigung innerhalb des Galenica-Netzwerks geprüft.
Der Abschluss des Konsultationsverfahrens wird gemäss den Angaben Mitte März 2026 erwartet. Der endgültige Entscheid zur Schliessung sowie die definitive Zahl der betroffenen Stellen hängen vom Ausgang dieses Verfahrens ab.
Für Corinne Schärer, Verantwortliche für den Bereich Industrie bei der Gewerkschaft Unia, stehen zunächst die Alternativen zu Entlassungen im Vordergrund – vor dem Sozialplan. «Die Beschäftigten können Vorschläge machen, die von Galenica ernsthaft überprüft werden müssen», sagte sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.
Als positiven Punkt wertet Schärer die Tatsache, dass die Firma Bichsel weiterhin investieren will. «Daher fordern wir, die betroffenen Leute auf neue Tätigkeiten umzuschulen.»
Die Schliessung der Produktionssparte dürfte einmalige Sonderkosten von rund 35 bis 40 Millionen Franken verursachen, die vor allem im ersten Halbjahr 2026 anfallen. Davon entfallen voraussichtlich 17 bis 19 Millionen Franken auf Wertberichtigungen von Warenlagern sowie Produktions- und weiteren Sachanlagen.
Nach der vollständigen Aufgabe des Geschäftsbereichs per Ende 2026 rechnet Galenica jedoch mit einer nachhaltigen Verbesserung: Der adjustierte operative Gewinn (EBIT) der Gruppe soll sich dadurch um rund 3 Millionen Franken pro Jahr erhöhen.
Zur Einordnung: Bichsel ist Teil der Geschäftssparte Segment Products & Care. Im vergangenen Jahr steuerte das Geschäftsfeld 1,8 Milliarden Franken zum Gruppenumsatz (4,1 Mrd.) bei. Per Ende 2024 zählte die Galenica-Gruppe 6119 Vollzeit-Mitarbeitende.










