Wie die Geheimakte und die insgesamt 17-seitigen Fichen zeigen, hat der Schweizer Geheimdienst Friedrich Dürrenmatt rund 50 Jahre lang überwacht.
Friedrich Dürrenmatt
Der deutsche Schauspieler Gustav Knuth, links, unterhält sich an einer Vernissage mit dem Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, rechts. Undatierte Aufnahme. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Schweizer Geheimdienst hat im Kalten Krieg Dürrenmatts Telefon abgehört.
  • Die Beamten notierten seine Erkrankungen und politischen Engagements.

Der Schweizer Geheimdienst hat den weltberühmten Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) fast fünfzig Jahre lang überwacht. Das zeigen die Geheimakte und die insgesamt 17-seitigen Fichen zum gesellschaftskritischen gebürtigen Berner, die die «SonntagsZeitung» erstmals publiziert.

Demnach hörten die Beamten im Kalten Krieg wiederholt Dürrenmatts Telefon ab und notierten seine Erkrankungen und politischen Engagements. In einem Interview hatte er 1966 gewarnt, die Schweiz würde Gefahr laufen, «ein Polizeistaat mit demokratischer Fassade zu werden». Weiter sagte er: «Jeder Esel, der sich amtlich befugt hält, kann mich abhören.»

Friedrich Dürrenmatt
Der Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Essayist Friedrich Dürrenmatt, der am 5. Januar 1921 in Konolfingen (BE) als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren wurde. - Keystone

Die Akten zeigen demnach auch einen unbekannten Friedrich Dürrenmatt, der mit dem Marxismus als Inspiration eine gerechtere Welt erschaffen wollte. Im Kalten Krieg sammelte die Schweizer Bundespolizei auf Karteikarten Informationen zu schätzungsweise gegen 800'000 Personen. Grösstenteils solche mit Kontakten zu linken Gruppierungen oder Reisen in sozialistische Länder.

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