Ein Waadtländer Polizist, der vor rund vier Jahren in Bex VD einen bewaffneten Kongolesen erschossen hatte, ist vor Gericht freigesprochen worden.
Waadt Polizei Freispruch
Waadtländer Polizeibeamte treffen während des ersten Prozesstages des wegen Mordes angeklagten Polizeikorporals am Dienstag, 23. März 2021, in Renens vor dem Waadtländer Kantonsgericht ein. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Waadtländer Polizist ist vor Gericht freigesprochen worden
  • Der Beamte habe in Notwehr gehandelt, entschied das Strafgericht Waadt-Ost am Mittwoch.
  • Der Polizist war wegen vorsätzlicher Tötung angeklagt.

Ein Waadtländer Polizist, der vor rund vier Jahren bei einem Einsatz in Bex VD einen mit einem Messer bewaffneten Kongolesen erschossen hatte, ist vor Gericht freigesprochen worden. Der Beamte habe in Notwehr gehandelt, entschied das Strafgericht Waadt-Ost am Mittwoch. Der Polizist war wegen vorsätzlicher Tötung angeklagt.

Im Falle eines Schuldspruchs wäre der Beamte zu einer Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren verurteilt worden. Die fünf Richter folgten jedoch dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die Anklage fallen zu lassen und den Polizisten freizusprechen.

Bex VD
Ludovic Tirelli, rechts, Anwalt der Familie des Opfers, und die Angehörigen des Opfers verlassen das Waadtländer Kantonsgericht während des ersten Prozesstages des wegen Mordes angeklagten Polizeigefreiten, Dienstag, 23. März 2021 in Renens. - Keystone

Sie kamen zum Schluss, dass der Angeklagte in Notwehr gehandelt hat. «Der Vorwurf der vorsätzlichen Tötung kann damit nicht aufrechterhalten werden», sagte Gerichtspräsidentin Anne-Catherine Page.

Mit Küchenmesser bedroht

Der erfahrene Polizist hatte bei der Aktion in einem Wohnblock in Bex VD im November 2016 drei Schüsse auf den Kongolesen abgegeben. Der 27-jährige Kongolese rannte im Treppenhaus des Mietshauses mit einem Küchenmesser in der Hand auf Polizisten zu. Nach der Aufforderung «Stopp Polizei» eröffnete der Polizist das Feuer.

Nach den Schüssen riefen die Polizisten die Rettungskräfte und versuchten den bewusstlosen Mann mit einer Herzdruckmassage zu reanimieren. Trotz der sofortigen Rettungsversuche verstarb der junge Mann vor Ort.

Die Polizei war von einem anderen Bewohner des Gebäudes alarmiert worden. Er hatte gemeldet, dass ein anderer Mieter bei der Wohnung über ihm die Türe aufgebrochen habe.

Demokratische Republik Kongo intervenierte

Der Tod des Mannes hatte viele Reaktionen ausgelöst und über die Kantonsgrenzen hinaus Aufsehen erregt. Einige hundert Menschen demonstrierten einige Tage später in Lausanne, um des Opfers zu gedenken. Die Kundgebung richtete sich auch gegen so genanntes «Racial profiling».

Bex
Mehrere hundert Menschen zogen im November 2016 in einem Trauermarsch durch Lausanne, um dem bei einem Polizeieinsatz getöteten Kongolesen die Ehre zu erweisen. - Keystone

Auch die Demokratische Republik Kongo intervenierte und verlangte von den Schweizer Behörden Erklärungen zum Fall. Auch der Schweizer Botschafter in Kinshasa wurde in der Angelegenheit zitiert.

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