Firmen setzen auf kühle Morgenstunden – und auf Wassermelone
Die hohen Temperaturen machen erfinderisch. Schweizer Arbeitgeber setzen auf die kühlen Morgenstunden und viel Sonnencreme – aber auch auf Wassermelone.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Hitzewelle hat die Schweiz derzeit fest im Griff.
- Die Arbeitgeber setzen deshalb auf verschiedene Massnahmen, um den Arbeitsalltag zu erleichtern.
- Nau.ch hat bei Unternehmen nachgefragt, wie sie mit der Hitze umgehen.
Die Schweiz ächzt unter Der anhaltenden Hitzewelle. Schon am frühen Morgen klebt das T-Shirt am Rücken, am Nachmittag flimmert die Luft über dem Asphalt.
Doch die Rekordtemperaturen bringen derzeit nicht nur Mensch und Tier ins Schwitzen. Auch viele Unternehmen müssen improvisieren.

Während MeteoSchweiz die Hitzewarnungen erneut ausweitet, versuchen Arbeitgeber, ihre Mitarbeitenden bestmöglich vor den Folgen der extremen Temperaturen zu schützen.
Nau.ch hat bei verschiedenen Unternehmen nachgefragt, wie sie mit der Hitze umgehen.
Büezer müssen den Wecker früher stellen
Bei der Baufirma Walo Bertschinger Central klingelt der Wecker derzeit teilweise noch etwas früher. Kein Wunder: Die Büezer verbringen ihren Arbeitstag draussen in der prallen Sonne.
«Die Arbeiten werden früher am Morgen begonnen», erklärt Andreas Herren auf Anfrage von Nau.ch. «Um die kühleren Stunden nutzen zu können und um den heisseren Stunden tagsüber auszuweichen.»
Neben angepassten Arbeitszeiten setzt das Familienunternehmen auf Bewährtes. «Aktuell versorgen wir unsere Mitarbeitenden laufend mit genügend Wasser und Sonnenschutz», so Herren.
Nackenschutz ist obligatorisch
Auch die Bauunternehmensgruppe Kibag setzt auf pragmatische Lösungen. Zwar gibt es keine offizielle Hitzeschutzstrategie. Der Schutz der Mitarbeitenden sei aber fest in den Arbeitsalltag eingebettet.
Trinkwasser stehe jederzeit bereit, Sonnencreme werde zur Verfügung gestellt und im Juni und Juli sei ein Nackenschutz obligatorisch. «Unsere Schutzmassnahmen orientieren sich nicht an einer festgelegten Temperaturgrenze», sagt Anja Rubin. «Vielmehr berücksichtigen wir die tatsächlichen Belastungen durch Sonneneinstrahlung und UV-Strahlung.»
Zusätzliche Pausen an schattigen Orten gehören ebenso dazu wie der Hinweis, auf Warnzeichen wie Schwindel oder Konzentrationsstörungen zu achten. Bei hohen Belastungen durch Hitze oder Sonneneinstrahlung würden besonders schwere körperliche Arbeiten auf das notwendige Minimum reduziert.
Wassersprüh-Handventilatoren und Wassermelone
Auch in Alters- und Pflegeheimen ist Kreativität gefragt. Im «Haus zur Heimat» in Olten SO sollen Ventilatoren, Wassersprüh-Handventilatoren und kalte Umschläge für Erleichterung sorgen. «Kalte Wassermelonen sind ebenfalls gefragt», ergänzt Timo Schneider auf Anfrage.
Aktivitäten im Freien finden nur noch bis maximal 9.30 Uhr statt. Danach bleibt es ruhiger. Viele Bewohnerinnen und Bewohner ziehen sich ins Haus oder in ihre Zimmer zurück.
«Wir haben Informationen in den Liften ausgehängt, informieren täglich die Bewohnenden und das Personal», so Schneider.
Auch die SBB kämpft gegen die Hitze
Nicht nur Menschen, auch die Bahninfrastruktur leidet unter den hohen Temperaturen.
SBB-Sprecher Reto Schärli schreibt auf Anfrage: «In den letzten Tagen gab es einige Störungen an der Bahninfrastruktur, welche zu Verspätungen oder Ausfällen von Zügen führten.»

Bei grosser Hitze könnten sich Gleise verformen oder Störungen an den Fahrleitungen auftreten. In der Nähe von Baar musste am Dienstagmorgen eine beschädigte Stelle an der Fahrbahn sogar gewässert und gekühlt werden. In der Nacht soll sie repariert werden. «Dazu wird das Gleis aufgeschnitten und neu verschweisst», so Schärli.
Zudem häuften sich zuletzt Störungen wegen überhitzter Fahrmotoren. Vereinzelt fielen auch Klimaanlagen in einzelnen Wagen aus.
Wenn möglich, würden diese ersetzt. «Wenn kein Ersatzzug zur Verfügung stand oder ein Wagen nicht ausgewechselt werden konnte, wurden die Wagen mit defektem Klimagerät geschlossen.»













