Feuerwehren haben mit Fehlalarm-Flut zu kämpfen
In der Schweiz kämpft die Feuerwehr mit immer mehr Notrufen und Fehlalarmen. Das hat auch mit automatisierten Notrufen zu tun – und sorgt für Probleme.

Das Wichtigste in Kürze
- Viele Schweizer Feuerwehren kämpfen mit einer stetig steigenden Anzahl Notrufe.
- Die Einsätze sind vielfältiger und komplexer geworden.
- Zudem gibt es immer mehr Fehlalarme, etwa durch automatische Brandmelder.
Bei den Feuerwehren klingelt das Telefon Sturm: Sie sehen sich mit einer steigenden Anzahl an Notrufen konfrontiert, die insbesondere für Milizfeuerwehren schwer zu bewältigen ist.
So beispielsweise in Thun und in St. Gallen. Dort erhalten die Feuerwehren immer mehr Notrufe – aus verschiedenen Gründen.
In St. Gallen sind es häufige Fehlalarme, die zu Buche schlagen. Viele Brandmeldeanlagen lösen offenbar falsche Notrufe aus.
In Thun bemerkt man derweil einen 40-prozentigen Anstieg an Notrufen in den vergangenen zehn Jahren. Die Zunahme betrifft insbesondere die Personenrettung bei Unfällen und die Ölwehr bei Bränden.
«Jedes Jahr steigt die Anzahl der Notrufe»
Dass die Entwicklungen in Thun und St. Gallen keine Einzelfälle sind, bestätigt gegenüber Nau.ch die Feuerwehr Koordination Schweiz FKS: Das gehe auch aus den jährlichen Feuerwehrstatistiken für die Jahre 2015 bis 2024 hervor.
«In zahlreichen Kantonen zeigen die Daten eine Zunahme der Alarmierungen und Einsätze», so die FKS. «Insbesondere bei technischen Einsätzen, automatischen Brandmeldeanlagen und Einsätzen im Zusammenhang mit Naturereignissen.»
Dem pflichtet auch Beat Hirter, Präsident des Kantonalen Feuerwehrverbands Zürich, bei: «Jedes Jahr steigt die Anzahl der Notrufe. Das ist in der ganzen Schweiz so.»
Einsätze für die Feuerwehr werden komplexer
Dafür gebe es mehrere Gründe, erklärt er. Es gebe zunehmend Unwetter und «Wetterkapriolen» wie Starkregen. Zudem gebe es auch immer mehr Verkehr auf den Strassen und auf der Schiene.
Aber: «Das ist unser täglich Brot als Feuerwehrmann und Feuerwehrfrau», so Hirter.
«Wir bei der Feuerwehr merken jedes Jahr, dass die Zahlen steigen. Somit gibt es auch automatisch mehr Einsätze.»
Die FKS erklärt zudem, die geleisteten Einsatzstunden der Feuerwehren seien stärker gestiegen als die Zahl der Einsätze. «Das deutet auf eine erhöhte Komplexität und Dauer der Einsätze hin.»
Und: «Die zunehmende Belastung der Feuerwehren ist vor allem auf zeitintensivere Einsätze zurückzuführen. Nicht auf eine gleichmässige Zunahme der Alarmierungen.»
«Es gibt keine einheitliche Lösung»
Doch wie kann die Feuerwehr entlastet werden? Braucht es mehr Geld, mehr Professionalität, mehr Personal oder alles zusammen?
Dazu erklärt das FKS: «Es gibt keine einheitliche Lösung für die ganze Schweiz.»
Denn der Bedarf an Finanzierung sei abhängig von lokalen Gegebenheiten wie Risikostruktur und Einsatzvolumen. Ebenso für den Professionalisierungsgrad und die organisatorischen Anpassungen.
Die FKS findet: «Neben finanziellen Aspekten liegen wesentliche Entlastungspotenziale in der Prävention. Insbesondere in der Reduktion von Fehlalarmen.»

Aber, führt die FKS weiter aus, auch in der Anpassung von Alarmierungs- und Einsatzkonzepten. «Und in der Zusammenarbeit mit anderen Einsatzorganisationen.»
Und Beat Hirter gibt zu bedenken: «Wer will schon im Thema Sicherheit sparen und danach merken, dass es falsch war?»














