Festival-Besuchende trinken immer weniger Hochprozentiges
Die Festival-Saison neigt sich dem Ende zu. Hochprozentiges ging dieses Jahr weniger oft über die Theke – andere Getränke wurden dafür beliebter.

Das Wichtigste in Kürze
- Für viele Festival-Besucher gehört der Alkohol einfach dazu.
- Es findet jedoch eine Verschiebung statt: vom Hochprozentigen zu Aperitifgetränken.
- Derweil werden auch alkoholfreies Bier und Mate immer beliebter.
Der Festival-Sommer in der Schweiz hatte dieses Jahr einige Highlights zu bieten. Zahlreiche Künstler aus dem In- und Ausland heizten der Menge ordentlich ein.
Neben Acts wie 50 Cent oder Macklemore, guter Gesellschaft und sonnigem Wetter macht für viele Besuchende aber auch die Verpflegung einen gelungenen Festival-Tag aus.
Bier fliesst jeweils in rauen Mengen. Auch andere alkoholische Getränke sind bei Festival-Besuchenden traditionell beliebt. Aber der Konsum hat sich verändert, wie eine Umfrage von Nau.ch unter mehreren Festivals zeigt.
Weniger Hochprozentiges, mehr Aperitifgetränke
Nadine Brönnimann, Sprecherin des Berner Gurtenfestivals, erklärt, man beobachte keinen Rückgang, sondern eine «Verschiebung innerhalb der Getränkesparten».
«Es wird weniger Hochprozentiges konsumiert. Dafür mehr Aperitifgetränke sowie nichtalkoholische Drinks, beziehungsweise alkoholfreies Bier, und mehr Softgetränke», so Brönnimann.
Diese Verschiebung habe das Gurtenfestival bereits früh erkannt. Deshalb biete man seit 2022 an jeder Bar alkoholfreies Bier an und habe an vereinzelten Bars mit alkoholfreien Drinks begonnen.
«Seither haben wir unser alkoholfreies Drink-Sortiment sowie die Produktpalette an Softgetränken auf alle Bars ausgeweitet und breit aufgestellt.» Für die kommenden Jahre sei man «zuversichtlich und gut aufgestellt», sagt die Gurtenfestival-Sprecherin.
Alkoholfreies Bier und Mate besonders beliebt
Auch Bastien Bento, Sprecher des Paléo Festivals in Nyon, sagt: «Wir haben festgestellt, dass alkoholfreie Getränke gut laufen, insbesondere alkoholfreies Bier und Mate.» Diese Entwicklung gehe jedoch nicht zulasten alkoholischer Getränke.
«Vielmehr wächst die Nachfrage nach diesen speziellen Produkten», sagt Bento. «Und die Trinkgewohnheiten der Menschen werden vielfältiger.»

Es sei derweil kein merklicher Rückgang beim Verkauf alkoholischer Getränke beobachtet worden.
«Das liegt vielleicht daran, dass das Paléo ein sehr generationsübergreifendes Publikum anzieht», so der Paléo-Sprecher. «Und nicht nur eines, das von Trends unter jüngeren Menschen geprägt ist.»
Studien zeigen, dass Junge immer weniger Alkohol trinken. Das hat aber offenbar keinen Einfluss auf die Alkohol-Verkäufe der Festivals.
Die Umsätze im Bereich Food & Beverage bewegen sich am Openair St. Gallen über die letzten Jahre «auf einem stabil hohen und gleichbleibenden Niveau», heisst es auf Anfrage.
Aber: «Was feststellbar ist, ist die höhere Nachfrage nach leichteren Apéro-Getränken.» Genauso wie beim Gurtenfestival.
Tiefere Gewinnmargen beschäftigen alle Branchen
Auch dieses reitet seit 2019 «auf einer positiven Welle im Bereich Food & Beverage», sagt Gurtenfestival-Sprecherin Brönnimann. «Wir erzielten in diesem Bereich jedes Jahr ein kleines Wachstum.»
Der erste Blick auf die diesjährigen Zahlen zeige jedoch eine Stagnation. Beziehungsweise einen leichten Umsatzrückgang im tiefen einstelligen Prozentbereich.
«Dies bedeutet jedoch keinen Einbruch, sondern lediglich eine Ausdünnung der Gewinnmarge», betont Brönnimann. «Selbstverständlich, aus unternehmerischer Sicht schmerzt der Rückgang im Moment. Doch ist das Ergebnis nicht besorgniserregend.»

Es widerspiegle das Kaufverhalten. «Das veränderte Konsumverhalten und tiefere Gewinnmargen beschäftigen und setzen indes alle Branchen unter Druck», so die Sprecherin.
Über die Gründe könne das Gurtenfestival nur mutmassen: «Es liegen herausfordernde Jahre hinter uns, wie die Pandemie und die Inflation. Und die gegenwärtige Weltlage lässt einen ratlos zurück», meint Brönnimann.
Und fügt hinzu: «Persönliche finanzielle Umstände, Zurückhaltung – die heutige Gesellschaft geht womöglich bewusster mit ihren eigenen finanziellen, gesundheitlichen Ressourcen um.»
Womöglich verpflege man sich eher zu Hause statt auswärts. Dabei würde heutzutage vielleicht einer «weniger über den Durst getrunken», als noch vor zehn, fünfzehn Jahren.