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Engwilen TG : Dorf-Chat hilft bei Aufklärung von «Millionen-Raub»

Gerry Reinhardt
Gerry Reinhardt

Bodensee,

Nach dem Diebstahl mehrerer Luxusautos in Engwilen TG reagiert die Polizei schnell. Geholfen hat dabei auch der «Dorf-Chat».

Pascal Singh
In Engwilen TG gründete Pascal Singh nach verdächtigen Beobachtungen einen Dorf-Chat für schnelle Warnungen im Dorf. - Wikimedia / SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein verdächtiger Mann im Quartier löste in Engwilen TG einen neuen Dorfchat aus.
  • Nur kurz darauf kam es zum spektakulären Diebstahl mehrerer Luxusautos.
  • Die Polizei fasste drei mutmassliche Täter wenig später in Frauenfeld.

In Engwilen TG schlagen im März professionelle Autodiebe zu und erbeuten mehrere Luxuswagen. Doch lange bleiben die mutmasslichen Täter nicht auf freiem Fuss.

Bereits kurz nach der Tat stellt die Kantonspolizei Thurgau drei Verdächtige in Frauenfeld. Laut Polizei liessen gefälschte Kontrollschilder auf den gemeldeten Fahrzeugen die Gruppe auffliegen. Festgenommen wurden eine 31-jährige Frau sowie zwei Männer im Alter von 24 und 43 Jahren aus Frankreich.

Der Fall sorgte schweizweit für Schlagzeilen. In Engwilen selber stellte sich danach aber noch eine andere Frage: Warum war das Dorf schon vor dem grossen Diebstahl plötzlich so wachsam?

Verdächtiger Mann machte das Dorf nervös

Der Auslöser lag nur kurz vor der Tatnacht. Am 23. März beobachtete die Anwohnerin Loredana Singh laut einem Bericht der «Kreuzlinger Nachrichten» einen vermummten Mann.

Sie sah, wie er durchs Quartier schlich und dabei auffällig Fotos und Videos machte.

Sie fotografierte den Unbekannten heimlich und meldete den Vorfall der Polizei. Ihr Mann Pascal Singh reagierte sofort. Noch am selben Abend gestaltete er einen Flyer mit QR-Code, verteilte ihn im Dorf und gründete eine WhatsApp-Gruppe.

Pascal Singh
Pascal Singh gründete nach verdächtigen Beobachtungen in Engwilen TG einen Dorf-Chat. Dieser half später auch bei der schnellen Alarmierung im Dorf. - SRF

Dort sollten die Einwohnerinnen und Einwohner verdächtige Beobachtungen direkt teilen.

Chat entstand noch vor dem grossen Fall

Nur wenige Stunden später kam es dann zur eigentlichen Tat. In Engwilen wurden mehrere Luxusautos aus einer Garage gestohlen. Gleichzeitig wurden auch Einbrüche sowie Diebstähle von Autokennzeichen und Autoschlüsseln in umliegenden Ortschaften gemeldet.

Mitgeholfen haben dürfte bei den Meldungen auch der Dorf-Chat.

Genau darin sieht Pascal Singh den Wert der Aktion. Früher seien verdächtige Beobachtungen oft gar nicht weitergegeben worden, weil es keine direkte Kommunikationsmöglichkeit unter den Anwohnern gab. Mit dem Chat habe sich das schlagartig geändert.

Mehr als das halbe Dorf macht schon mit

Innert zwei Tagen traten laut Singh bereits 68 Personen der Gruppe bei. In Engwilen gibt es etwas mehr als 100 Wohneinheiten. Damit war schon kurz nach dem Vorfall mehr als das halbe Dorf im Chat.

Wärst du in einem Dorf-Chat dabei?

Für Singh ist die Gruppe deshalb nicht nur eine spontane Reaktion auf den Schock. Sie könne auch längerfristig etwas bringen, etwa wenn es um Sicherheit oder andere Themen im Dorf gehe.

Polizei sieht solche Gruppen positiv

Auch die Kantonspolizei Thurgau begrüsst solche Initiativen grundsätzlich. Mediensprecher Daniel Meili sagt den «Kreuzlinger Nachrichten»: Gegen den Dorfchat Engwilen spreche aus Sicht der Polizei nichts.

Daniel Meili
Daniel Meili von der Kantonspolizei Thurgau begrüsst den Dorf-Chat in Engwilen TG grundsätzlich. - Kapo TG

Entscheidend sei aber, dass verdächtige Feststellungen nicht nur im Chat geteilt werden. Sie müssten immer auch direkt über die Notrufnummer 117 gemeldet werden. Zudem ruft die Polizei dazu auf, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen.

In Engwilen zeigt sich damit vor allem eines: Der «Millionen-Raub» wurde zwar von der Polizei aufgeklärt. Doch im Dorf selbst hatte die Wachsamkeit schon vorher eingesetzt.

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