«Chat-GPT-Niveau»: Kritiker verreisst Buch von Lukas Bärfuss
Die Kritikerrunde im SRF-«Literaturclub» bespricht das neue Buch von Schriftsteller Lukas Bärfuss. Philipp Tingler vergleicht es mit KI.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Runde im SRF-Literaturclub schwärmt von Lukas Bärfuss' neuem Buch.
- Von Kritiker Philipp Tingler muss sich der Autor einen KI-Vergleich gefallen lassen.
- Lukas Bärfuss bringt dies nicht aus der Ruhe.
KI-generierte Bücher fluten den Buchmarkt. Etwa der Onlineversandhändler Amazon verkauft Kinderbücher, welche die Autoren mit künstlicher Intelligenz geschrieben haben.
Ausgerechnet der renommierte Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss muss sich nun einen KI-Vergleich gefallen lassen.
Es passiert, als die Kritikerrunde in der neusten Ausgabe des SRF-Literaturclubs seinen neuen Roman «Königin der Nacht» bespricht. Im Bestseller schreibt der gebürtige Thuner über seine Mutter, die ihn vernachlässigte.
«Sie riefen mich immer wieder an und sagten: ‹Jennifer, wir müssen über dieses Buch reden›.» Dies sagt Moderatorin Jennifer Khakshouri einleitend zu Adriana Altaras, Theater- und Opernregisseurin. Es gehe gar nicht anders, habe Altaras gesagt.
Die Kritikerin stimmt zu: «Es ist das wichtigste Buch der Saison.» Als «allerwichtigsten Teil» des Buches bezeichnet sie den dritten Teil. Dieser werfe einen anderen Blick auf die Schweiz. Es zeige, wie die Gesellschaft Menschen ausgrenze, die nicht in die Norm passten.
«Auf mittlerem Chat-GPT-Niveau»
Immer mehr kommt Adriana Altaras ins Schwärmen.
«Mich hat das Buch so gerührt. Ich finde das so mutig», sagt sie. Auch die Sprache finde sie «stark, poetisch und gleichzeitig politisch». Das Buch bezeichnet sie als «das Allerbeste, was man kaufen kann».
Als Schriftsteller und Philosoph Philipp Tingler an der Reihe ist, kritisiert er das Buch jedoch heftig. Den dritten Teil des Buchs bezeichnet der Literaturkritiker als «unterkomplexes Pamphlet». Dieser Teil veranstalte «auf mittlerem Chat-GPT-Niveau irgendeine Erörterung der Schweiz als eugenische Klassengesellschaft».
Seiner Meinung nach «könnte man das mal rausnehmen». Danach könne man gucken, was hier eigentlich übrigbleibe. «Ich möchte sagen: Nicht viel», lautet sein Fazit.
«Eine Frechheit»
Literaturwissenschaftler und Kulturvermittler Rico Valär verteidigt das Buch. Er bezeichnet Philipp Tinglers Kritik als eindimensional. «Zu sagen ‹Chat-GPT› ist vielleicht doch eine Frechheit», kritisiert Valär. Er denke, dass hinter dem Buch sehr viel Recherche stecke.
Philipp Tingler doppelt darauf aber sogar noch nach. «Es tut mir leid», beginnt er. «Aber wenn einem zu Hegel nichts anderes einfällt als Herr und Knecht, dann ist das Chat-GPT mittleres Niveau», spottet er. Mit Hegel bezieht er sich auf den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel.
Für Rico Valär hat Tingler den Bogen überspannt. «Ich glaube, auf diesem Niveau können wir über dieses Buch nicht wirklich diskutieren», antwortet er.
Philipp Tingler bleibt mit seiner Kritik allein auf weiter Flur. «Wir sind drei Leute, die viel aus diesem Buch mitnehmen konnten», schliesst Jennifer Khakshouri die Besprechung. «Ich finde das ein wirklich wichtiges, relevantes Buch. Gerade auch, was Muttermythen betrifft.»
Das sagt Lukas Bärfuss
Lukas Bärfuss bringt Den Chat-GPT-Vergleich nicht aus der Ruhe.
«Ich kommentiere keine Kritiken», sagt er auf Anfrage. «Solange die getroffenen Aussagen unter Artikel 16 und 17 der Schweizerischen Bundesverfassung fallen.» Die beiden Artikel gewährleisten die Meinungs- und Informationsfreiheit sowie die Medienfreiheit. Zensur ist verboten.
Auf seinem Instagram-Kanal zeigt Bärfuss, welche Bücher ihn bei der Recherche seines Werks begleiteten. Es sind «Mutterliebe» von Elisabeth Badinter, «Die Anstalten von Hindelbank» von Annelies Leuthardt sowie das «Zürcher Bürgerinnen- und Heimatbuch».
Bärfuss ist selbst regelmässig zu Gast im Literaturclub. Ob Philipp Tingler das Kollegen-Bashing inzwischen bereut, bleibt unklar. Bisher hat er auf eine Anfrage der Redaktion nicht reagiert.



















