Nach langer Dürre kam es am Montag zur Unwetter-Katastrophe. Ein Geologe erklärt, wie es zur Überschwemmung der Emme und der Flutwelle kommen konnte.
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Die Emme ist voller Treibholz. (Screenshot) - Twitter/sclangnoufan
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Das Wichtigste in Kürze

  • Im Juni herrschte in der Schweiz eine lange Trockenheit.
  • Davon war auch die Emme betroffen, wo es am Montag zu Überschwemmungen kam.
  • Ein Geologe erklärt, wie das Hochwasser innerhalb von kürzester Zeit entstanden ist.

Noch vor weniger als zwei Wochen herrschte in der Schweiz eine grosse Dürre. Die Behörden warnten in vielen Kantonen vor Wasserverschwendung, die Wasserstände von Flüssen und Seen sanken immer mehr.

Einer der von der Trockenheit am meisten betroffenen Flüsse war die Emme. Über mehrere Hundert Meter war der rund 80 Kilometer lange Fluss sogar komplett ausgetrocknet, wodurch viele Fische gestorben sind.

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Die Hitze macht den Fischen in der Schweiz zu schaffen: Tote Fische liegen mitte Juni im ausgetrockneten Flussbett der Emme.
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Das Wasser in der Emme ist nicht nur knapp, sondern auch warm.
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Wegen der Trockenheit sind Fische oft in kleinen Becken gefangen.
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Das Flussbett der Emme besteht aus viel Schotter.

Nun haben die Bewohner entlang der Emme mit neuen Problemen zu kämpfen: In Schangnau BE kam es in der Nacht auf Dienstag zu starken Überschwemmungen. Das Unwetter hinterliess im Emmental eine Spur der Verwüstung. Der bekannte Gasthof Kemmeriboden-Bad muss deswegen gar schliessen – vorläufig bis Ende Juli.

Dürreperiode mitschuldig für Flutwelle in Emme

Innerhalb von wenigen Stunden sorgten die heftigen Niederschläge für einen starken Anstieg des Flusses. Wie das passieren konnte, weiss der Schweizer Geologe Beat Keller, der sich seit Jahrzehnten mit fossilen Überschwemmungen auseinandersetzt.

Dass das Hochwasser im Emmental in derartig hohem Tempo zustande gekommen ist, habe laut Keller verschiedene Gründe: «Einerseits hat die grosse Emme einen ‹Wildbachcharakter›. Das heisst so viel, wie dass der Abfluss wesentlich von den Niederschlägen in dessen Einzugsgebiet gesteuert wird.»

Spektakuläre Bilder: Die Überschwemmung beim Kemmeriboden. - Facebook /@Sascha Timo Lanz

Ein ganz wichtiger Grund sei auch die zunehmende Bebauung der Landschaft, die eine Erhöhung des Oberflächenabflusses zur Folge hat.

Als Oberflächenabfluss bezeichnet man Regen, den der Boden nicht mehr aufnehmen kann.

Sind Sie besorgt wegen der Hochwassergefahr und der Unwetter?

Nicht zuletzt habe auch die Dürreperiode der letzten Wochen einen Einfluss auf die schnell steigende Wasserhöhe gehabt. «Komplett ausgetrocknete Böden können anfänglich weniger Wasser aufnehmen als feuchte», sagt Keller. So sammelt sich schneller Regen an der Oberfläche – und staut sich an.

Unwetter können nicht immer technisch gebändigt werden

Dies kann im schlimmsten Fall zu einer Flutwelle führen, in welcher viel Schwemmholz hinunterkommt. So zu sehen ist dies auf dem Video eines Augenzeugen, welches in Schangnau aufgenommen wurde.

Laut Keller entstamme das Schwemmholz zu einem grossen Teil aus wilden Ablagerungen in Ufernähe.

Ein weiteres Problem: «Man beraubt die natürlichen Überflutungsbereiche der Fliessgewässer, indem die Flüsse begradigt werden.» Die Folge seien häufig sogenannte Schwallwellen mit hohen, gefährlichen Schwemmholzfrachten.

Eine Flutwelle donnerte am 4. Juli die Emme hinunter. - SRF

Das zeigt, dass die Naturgewalten nicht immer technisch gebändigt werden können. Keller: «Ein Fliessgewässer findet jede Schwachstelle zuverlässig und nutzt diese im Ereignisfall aus.» So hat dies die Emme am Montag auch im Emmental getan.

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