Ein Hochdruckgebiet verhindert Gewitter in der Schweiz
Die Schweiz hat einen besonders gewitterarmen Sommeranfang erlebt. Das Phänomen lässt sich laut dem Bundesamt für Meteorologie Meteoschweiz durch anhaltende Hochdruckbedingungen erklären. Die Situation führt auch zu einer ausgeprägten Trockenheit.

Der weit verbreitete Eindruck eines sehr gewitterarmen Sommeranfangs wird durch die Daten bestätigt. Die Zahl der zwischen dem 1. April und dem 12. Juli in der Schweiz registrierten Blitze war die niedrigste seit 2015, wie Meteoschweiz am Dienstag auf Anfrage von Keystone-SDA mitteilte.
Die geringe Gewitteraktivität ist die direkte Folge einer seit mehreren Wochen anhaltenden stabilen Wetterlage. Seit Mai herrschen in Westeuropa Hochdruckbedingungen vor. Eine Situation, die der Bildung von Gewitterzellen wenig förderlich ist.
In einem Hochdruckgebiet ist die Luft nämlich trocken und neigt dazu, abzusinken. «Für die Entstehung von Gewittern sind feuchte und instabile Bedingungen erforderlich, das heisst eine Temperatur, die mit zunehmender Höhe schnell abnimmt», erklärte Mikhaël Schwander, Meteorologe bei Meteoschweiz, auf Anfrage von Keystone-SDA.
Eine solche Instabilität ermöglicht die Aufwärtsbewegungen der Luftmasse, die Wolken und Gewitter erzeugen. Auch die derzeitige Trockenheit der Böden und der Vegetation spielt eine Rolle. Sie schränkt die lokal verfügbare Feuchtigkeit durch Evapotranspiration ein, ein weiterer Faktor, der normalerweise zur Wolkenbildung beiträgt.
Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf das Ausbleiben von Gewittern. Das Hochdruckgebiet blockiert zudem die Westströmungen, die normalerweise Feuchtigkeit und Niederschläge vom Atlantik heranführen. Infolgedessen sind die Niederschlagsmengen im gesamten Land sehr gering.
«In den letzten drei Monaten lagen die Niederschlagsmengen in den meisten Regionen der Schweiz bei 30 bis 60 Prozent des Normalwerts», so Schwander weiter. Fast im gesamten Land herrschen extrem trockene Bedingungen. Wenn sich dennoch Gewitter bilden, entwickeln sie sich meist in den Gebirgsregionen, insbesondere in den Alpen und in geringerem Masse im Jura.
Diese Art von Wetterlage dürfte in Zukunft immer häufiger auftreten. Denn vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung sagen Klimamodelle heissere und trockenere Sommer voraus.
Der Temperaturanstieg wird zu einer Zunahme der Evapotranspiration führen. In Verbindung mit einem Rückgang der sommerlichen Niederschläge «wird dies die Wahrscheinlichkeit von Sommerdürren erhöhen», hiess es bei Meteoschweiz weiter. Weitere Faktoren wie die frühe Schneeschmelze und ein früherer Vegetationsbeginn werden ebenfalls dazu beitragen, dass die Böden schneller austrocknen.










