«Ein gutes Gespräch lässt sich nicht scrollen»
Am Freitag startet die LEGA26. OK-Präsidentin Lea Grossmann erklärt, was die Gewerbeausstellung für Betriebe, Jugendliche und die Region leisten soll.

Redaktion: Frau Grossmann, am 4. September öffnet die LEGA26 ihre Türen. Wo stehen die Vorbereitungen derzeit?
Lea Grossmann: Wir sind im Schlussspurt. Vieles läuft wie geplant: Hallen- und Standplanung stehen, das Programm ist gesetzt, bei Verkehr, Sicherheit, Gastronomie und Kommunikation geht es um die letzten Details.
Natürlich taucht fast täglich noch etwas auf, an das vorher niemand gedacht hat. Das gehört wohl zu einer Gewerbeausstellung dieser Grösse. Mein Puls ist etwas höher als im Frühling, aber noch im grünen Bereich.
Redaktion: Was soll die LEGA26 in diesem Jahr besonders auszeichnen – und was wird gegenüber der letzten Ausgabe 2022 anders?
Grossmann: Wir wollten die LEGA22 nicht einfach kopieren. Bewährtes bleibt: Über 90 Aussteller sind dabei, das Rahmenprogramm läuft an allen drei Tagen und der Tag der Berufe, in Zusammenarbeit mit der Berufsschule Lenzburg, erhält viel Raum.
Mir ist wichtig, dass man nicht nur durch die Hallen läuft und Prospekte sammelt. Man soll entdecken, ausprobieren und miteinander ins Gespräch kommen. Genau dafür steht auch unser Motto «entdecken, erleben, vernetzen».
Redaktion: Welche Branchen sind unter den Ausstellern vertreten?
Grossmann: Die Bandbreite reicht von Handwerk, Bau und Immobilien über Gesundheit, Mobilität, Finanzen und Energie bis zu Dienstleistungen, Institutionen und Vereinen. Genau diese Mischung zeigt, was unsere Region alles zu bieten hat.
Man wird sicher auch Firmen entdecken, an denen man sonst regelmässig vorbeifährt, ohne genau zu wissen, was sie eigentlich machen.

Redaktion: Warum sollten Unternehmen heute noch an einer Gewerbeausstellung teilnehmen, wenn sie ihre Kundschaft auch über ihre Website und soziale Medien erreichen können?
Grossmann: Online erreicht man viele Menschen. An einer Gewerbeausstellung spricht man mit ihnen. Produkte lassen sich zeigen, Fragen direkt beantworten und man lernt die Menschen hinter einem Betrieb kennen.
Ein gutes Gespräch lässt sich nicht scrollen. Website und Social Media gehören heute dazu, aber sie ersetzen den persönlichen Kontakt nicht.
Redaktion: Was erwartet die Besucherinnen und Besucher neben den eigentlichen Ausstellerständen, und welche Programmpunkte möchten Sie besonders hervorheben?
Grossmann: An allen drei Tagen läuft etwas: Fachvorträge, Musik, Unterhaltung und Angebote für Kinder.
Am Freitag spielen Chris Regez & Band, am Samstag stehe ich dann selbst als DJ Lea am Mischpult. Für ein paar Stunden tausche ich also die Rolle der OK-Präsidentin gegen Kopfhörer.
Dazu kommen unter anderem der Magier Captain Green, Modeschauen, Ponyreiten und verschiedene Referate. Schön finde ich, dass man wegen eines bestimmten Ausstellers kommen und am Ende viel länger bleiben kann als geplant.
Redaktion: Mit dem «Tag der Berufe» erhält auch die Nachwuchsförderung viel Raum. Was erwartet die Jugendlichen und die teilnehmenden Betriebe?
Grossmann: Die Berufsverbände zeigen ihre Berufe mit Werkzeugen, Materialien und Produkten aus dem Berufsalltag. Jugendliche und Eltern können direkt mit Lernenden und Berufsbildnern sprechen.
Berufswahl funktioniert aus meiner Sicht am besten, wenn man etwas sieht, anfassen und Fragen stellen kann. Genau das möchten wir ermöglichen.
Redaktion: Welche Herausforderungen beschäftigen die Unternehmen in Lenzburg und Umgebung momentan am stärksten?
Grossmann: Das ist je nach Branche verschieden. Oft höre ich aber dieselben Themen: Fachkräftemangel, steigende Kosten, mehr administrative Vorgaben und ein Umfeld, das schwieriger planbar ist. Dazu kommt die Frage, wie man sichtbar bleibt und Kunden erreicht.
Gerade deshalb sind lokale Netzwerke wichtig. Nicht jedes Problem lässt sich lösen, aber gemeinsam findet man oft pragmatische Wege.
Redaktion: Der Gewerbeverein Lenzburg & Umgebung zählt mehr als 370 Mitglieder. Was ist heute die wichtigste Aufgabe eines solchen lokalen Gewerbevereins?
Grossmann: Für mich ist es das Vernetzen. Ein Gewerbeverein bringt Menschen zusammen, gibt Informationen weiter, vertritt Interessen und sorgt dafür, dass sich Unternehmen kennen.
Aus Kontakten entstehen Aufträge, Kooperationen oder manchmal einfach die richtige Telefonnummer zur richtigen Zeit. Gleichzeitig geben wir dem Gewerbe gegenüber Politik und Öffentlichkeit eine Stimme. Die LEGA ist dafür natürlich ein ziemlich grosses Schaufenster.

Redaktion: Wann werden Sie am Sonntagabend sagen können: «Die LEGA26 war ein Erfolg»?
Grossmann: Wenn die Aussteller am Sonntagabend müde, aber zufrieden abbauen und sagen: Es hat sich gelohnt. Wenn Besucher einen Betrieb, ein Produkt oder einen Beruf entdeckt haben, den sie vorher nicht kannten.
Und wenn aus Begegnungen später Kontakte, Aufträge oder vielleicht sogar Lehrverhältnisse entstehen. Viele Besucher freuen uns natürlich auch. Aber die Zahl allein macht noch keine gute LEGA.
Redaktion: Sie haben das letzte Wort.
Grossmann: Am Schluss möchte ich meinem OK ein grosses Dankeschön aussprechen. Sie haben in den vergangenen Monaten einen Top-Job gemacht. Die Zusammenarbeit macht grosse Freude und ich weiss sehr zu schätzen, wie viel Zeit, Energie und Herzblut alle in die LEGA26 stecken.
Eine Ausstellung dieser Grösse organisiert niemand allein. Jetzt freue ich mich darauf, dass sich die ganze Arbeit endlich mit Leben füllt. Und mich findet man wahrscheinlich irgendwo zwischen Ausstellung, Gastrozelt und der nächsten kleinen Pendenz.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Lenzburger Nachrichten» erschienen.










