Ehemaliger Zürcher Gefängnismitarbeiter steht vor Gericht
Ein 64-jähriger Gefängnismitarbeiter steht am kommenden Mittwoch vor Gericht. Er soll zusammen mit zwei Insassen und der 72-jährigen Mutter eines Insassen einen Schmugglerring für Drogen, Mobiltelefone und Steroide aufgebaut haben.

Der ehemalige Gefängnismitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Pöschwies lernte den Alltag hinter Gittern bereits «von der anderen Seite» her kennen. Fünf Monate sass der ehemalige Gefängnismitarbeiter schon in Untersuchungshaft. Nun könnten noch 12 Monate in Halbgefangenschaft dazukommen.
Die Staatsanwaltschaft fordert für den 64-jährigen Schweizer eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon er 12 Monate absitzen soll. Die restlichen 24 Monate sollen bedingt ausgesprochen werden. Dazu soll eine Geldstrafe kommen.
Gemäss Anklage tat sich der Beschuldigte mit zwei Insassen und der 72-jährigen Mutter eines Insassen zu einem Schmugglerring zusammen. So fanden während zweier Jahre grössere Mengen Marihuana, Haschisch, Kokain, Steroide für den Muskelaufbau sowie Mobiltelefone den Weg von der Aussenwelt hinter die Gefängnismauern.
Insgesamt ermittelte die Staatsanwaltschaft 40 «Lieferungen», wobei es sich bei 22 davon um Drogen-Päckchen handelte. Der Beschuldigte habe dabei als entscheidende Verbindung zwischen Aussenwelt und den Insassen agiert, schreibt die Staatsanwaltschaft. Er habe sich in der Pöschwies frei bewegen können und sei nicht kontrolliert worden.
Die 72-jährige Insassen-Mutter aus Serbien soll die Schmuggelware bei unbekannten Hintermännern aufgetrieben und dem Gefängnismitarbeiter bei einem Restaurant oder an einer Tankstelle übergeben haben. Manchmal brachte sie die Lieferungen aber auch gleich selber ins Gefängnis, wenn sie ihren Sohn besuchte.
Der 64-jährige wog die Drogen bei sich zu Hause ab, portionierte sie und versteckte die Päckchen anschliessend bei seiner Arbeit innerhalb des Gefängnisses. Vereinbarte Verstecke waren etwa Abfallgitter in den Werkstätten oder Regale.
Die ebenfalls beschuldigten Insassen holten die Päckchen dann dort ab und verkauften den Inhalt weiter. Für seine Dienste soll der Gefängnismitarbeiter jeweils zwischen 100 und 600 Franken pro «Lieferung» erhalten haben.
Im Juli 2022 klickten jedoch die Handschellen. Das Gefängnis selber hatte Anzeige erstattet, worauf die Ermittlungen ins Rollen kamen und die Polizei eine Razzia durchführte. Der Schweizer ist nun wegen bandenmässigen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfacher passiver Bestechung schweizerischer Amtsträger sowie Förderung von Doping angeklagt.
Am kommenden Mittwoch stehen auch die Mutter sowie die beiden Insassen vor Gericht, welche für den Weiterverkauf des Schmuggelgutes verantwortlich waren. Für sie fordert die Staatsanwaltschaft bedingte und unbedingte Freiheitsstrafen zwischen 14 und 36 Monaten. Mutter und Sohn sollen zudem für fünf Jahre des Landes verwiesen werden.
Die Staatsanwaltschaft wirft allen drei Mitbeschuldigten Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Bestechung von schweizerischen Amtsträgern vor. Die Verhandlung findet am Bezirksgericht Dielsdorf statt. Ob das Gericht das Urteil noch gleichentags eröffnet, ist unklar.










