Im Zusammenhang mit der Stiftung Sammlung E. G. Bührle im Zürcher Kunsthaus hat das Stadtparlament zwei weitere Forschungen in Auftrag gegeben.
Stiftung Sammlung E. G. Bührle
Eine Büste von Emil Georg Bührle, kreiert von Charles Bänninger. Der Unternehmer und Kunstsammler wurde mit Waffenexporten reich. (Archivbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kunstsammler Emil Bührle soll Frauen zu Hungerlöhnen arbeiten gelassen haben.
  • Seine Sammlung wird im Zürcher Kunsthaus ausgestellt – das sorgt weiter für Debatten.
  • Nun hat das Stadtparlament weitere Forschungen dazu in Auftrag gegeben.

Im Kunsthaus in Zürich sorgt die Stiftung Sammlung E. G. Bührle schon länger für Furore. Aus diesem Grund hat das Stadtparlament am Samstag an einer Sitzung zwei weitere Untersuchungen in Zusammenhang mit dem Waffenhändler veranlasst.

Schatten über der Stiftung Sammlung E. G. Bührle

Die eine Forschungsarbeit, welche der Stadtrat nach dem Entscheid des Parlaments durchführen lassen wird, betrifft das «Marienheim» in Dietfurt SG. Eine Spinnerei, die dem Waffenhändler und Kunstsammler Emil Bührle gehörte und von Ingenbohler Schwestern geführt wurde.

Fürsorgebehörden aus der ganzen Deutschschweiz sollen dort mindestens 300 minderjährige Mädchen gegen ihren Willen untergebracht haben. Die Arbeit in der Spinnerei soll faktisch Zwangsarbeit gewesen sein, obwohl diese in der Schweiz damals schon verboten war.

Forschungen zu Zwangsarbeit

Die zweite Forschungsarbeit im Zusammenhang mit der Stiftung Sammlung E. G. Bührle betrifft die Maschinenfabrik Velten GmbH Ikaria in Deutschland.

Frauen aus Polen, Russland, Frankreich, Deutschland, Rumänien, Ungarn und Lettland mussten unter Zwangsarbeit Flügelkanonen herstellen. Die meisten von ihnen waren Jüdinnen, Sinti und Roma.

Kunsthaus Zürich
Stiftung Sammlung E. G. Bührle - Keystone

Weil diese Flügelkanonen von Bührle entwickelt worden waren, floss pro verkaufte Kanone zehn Prozent direkt an Bührle. Dies soll dem Kunstsammler zwischen 1941 und 1944 rund 870'000 Franken eingebracht haben. Mit diesem Geld soll er zahlreiche Werke gekauft haben, die heute im Erweiterungsbau des Kunsthauses ausgestellt sind.

Bührle soll als Waffenhändler dargestellt werden

Weiter gab das Parlament beim Stadtrat in Auftrag, einen neuen Dokumentationsraum im Erweiterungsbau einzurichten. Es genüge nicht, nachträglich einige QR-Codes anzubringen, so die Mehrheit des Rates. Nach wie vor werde Bührle als «Industrieller» und «Mäzen» dargestellt und nicht als Waffenhändler, sagte etwa Ronny Siev (GLP).

Die AL bezeichnete den Dokumentationsraum als «nicht nur lustlos präsentiert, sondern mit offensichtlichem Widerwillen.» Es werde beispielsweise keine einzige Waffe gezeigt. «Die vornehme Zürcher Zurückhaltung wird dem Thema nicht gerecht», sagte Willi Wottreng.

Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) gab sich wortkarg. Es sei nicht alles so gelaufen, wie sie sich das aus heutiger Sicht wünschen würde. «Wir ziehen aber die Lehren daraus. Die Massnahmen, die nun aufgegleist sind, sind eine Grundlage dafür.»

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