Das ist der beste Zuger Honig!
41 Honige, 41 Jurymitglieder und ein knappes Resultat: Beim ersten Zuger Honig Award wurde im Schluechthof Cham die regionale Honigqualität bewertet.

Wie unterschiedlich Honig schmecken kann, zeigte sich am Mittwochabend im Schluechthof in Cham. Beim ersten Zuger Honig Award traten 41 Honige aus dem Kanton zum Qualitätsvergleich an.
Am Ende lagen die drei Erstplatzierten nur wenige Zehntelpunkte auseinander. Gold ging an Andrea Stehlin, Silber an Markus Gautschi und Bronze an Senad Basic. Der neue Wettbewerb stiess bereits bei seiner Premiere auf grosses Interesse.
41 Honige wurden eingereicht – 14 davon stammten aus der Frühlingsernte, 27 aus der Sommerernte. Für die Beurteilung sorgten ebenso viele Mitglieder des Zuger Kantonalen Imkervereins.
Sie bildeten gemeinsam die Jury und hatten damit eine besondere Aufgabe: Nicht die Namen der Imkerinnen und Imker sollten überzeugen, sondern allein die Qualität des Honigs. Damit die Bewertung möglichst unvoreingenommen erfolgte, wurden sämtliche Honige vor der Degustation anonymisiert.

An drei Annahmestellen entfernten Helferinnen und Helfer die Namen der Produzenten und ersetzten sie durch Nummern. So wusste die Jury während der Verkostung nicht, von wem welcher Honig stammte.
Bewertet wurde nach fünf Kriterien: Konsistenz, Geschmack, Geruch, Harmonie und Gesamteindruck. Für jedes Kriterium konnten maximal fünf Punkte vergeben werden. Ein Honig konnte damit höchstens 25 Punkte erreichen.
Eine Minute pro Honig
Bevor die Degustation begann, gab Vereinspräsident Cyrill Arnet zunächst einen kurzen Einblick in aktuelle Beobachtungen aus der imkerlichen Praxis. Anschliessend erläuterte Dunja Königsrainer, die den neuen Award federführend organisiert hatte, den Ablauf der Bewertung.
Viel Zeit blieb der Jury dabei nicht. Für jeden der 41 Honige stand rund eine Minute zur Verfügung. Trotzdem ging es keineswegs hektisch zu. Während der rund 50-minütigen Degustation herrschte eine konzentrierte, aber gleichzeitig lockere und freundliche Atmosphäre.
Die Jurymitglieder probierten, verglichen und notierten ihre Punkte. Im Hintergrund sorgte ein Backoffice-Team dafür, dass die Bewertungen laufend erfasst wurden. Die eingegangenen Punkte wurden fortlaufend übertragen und nach Abschluss der Degustation zur Rangliste zusammengeführt.
Erst dann stand fest, welche Honige die höchsten Bewertungen erzielt hatten. Besonders eng war das Rennen an der Spitze. Andrea Stehlin erreichte mit ihrem Honig 19,80 von 25 möglichen Punkten und sicherte sich damit Gold.
Nur 0,24 Punkte dahinter folgte Markus Gautschi mit 19,56 Punkten auf dem zweiten Rang. Sein prämierter Honig stammt von seinem Bienenstand im Chiemen. Senad Basic komplettierte das Podest mit 19,37 Punkten.

Damit trennten den Gold- und den Bronzemedaillengewinner gerade einmal 0,43 Punkte. Das Ergebnis zeigt, wie nahe die Spitzenhonige qualitativ beieinanderlagen.
Sommerhonig dominiert die Spitze
Eine weitere Auffälligkeit zeigte sich bei einem Blick auf die Rangliste: Sämtliche zehn bestplatzierten Honige stammten aus der Sommerernte. Das bedeutet nicht, dass die Frühlingshonige grundsätzlich weniger hochwertig waren.
Vielmehr zeigt das Ergebnis, dass sich die Zusammensetzung und Herkunft des Nektars und damit auch der Charakter des Honigs von Saison zu Saison deutlich unterscheiden können. Besonders interessant ist zudem der Blick auf die Standorte der beiden Podestplätze.
Die Bienenvölker von Andrea Stehlin und Senad Basic stehen im Raum Deinikon in Baar gerade einmal rund 500 Meter voneinander entfernt. Trotzdem wurden ihre Honige unterschiedlich bewertet – und landeten schliesslich auf Gold und Bronze.
Der Standort allein entscheidet also nicht über die Qualität eines Honigs. Zwar haben das vorhandene Nahrungsangebot und die Pflanzenwelt im Flugradius der Bienen einen wichtigen Einfluss.
Ebenso entscheidend können jedoch die imkerliche Praxis, der Zeitpunkt der Ernte sowie die Verarbeitung und Lagerung des Honigs sein. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren prägt am Ende Farbe, Duft, Geschmack, Konsistenz und Gesamteindruck eines Honigs.
Ein Wettbewerb mit Signalwirkung
Für Organisatorin Dunja Königsrainer ist die Premiere ein erfreuliches Zeichen. «Dass bei der ersten Durchführung gleich 41 Honige eingereicht wurden und ebenso viele Mitglieder bei der Degustation mitgemacht haben, hat uns sehr gefreut», sagt sie.
Auch aus den Reihen der Vereinsmitglieder sei positives Feedback zur Organisation und Durchführung des neuen Wettbewerbs gekommen. Der Zuger Honig Award soll mehr sein als ein Wettbewerb um Medaillen.
Mit der Veranstaltung will der Zuger Kantonale Imkerverein die Qualität und Vielfalt des regional produzierten Honigs stärker ins Bewusstsein rücken. Gleichzeitig soll die Arbeit der Zuger Imkerinnen und Imker gewürdigt werden.
Denn hinter einem Glas Honig steckt weit mehr als das süsse Ergebnis eines Bienenvolks. Wetter, Blütenangebot, Standort, Jahreszeit und die Arbeit der Imkerinnen und Imker beeinflussen, was schliesslich auf dem Tisch landet.

Der erste Zuger Honig Award hat diese Unterschiede sichtbar – und vor allem schmeckbar – gemacht. Die Premiere im Schluechthof Cham dürfte damit auch ein Ansporn für die Zukunft sein.
Das Interesse von Produzenten und Vereinsmitgliedern war gross, und die knappen Resultate an der Spitze zeigen, dass es im Kanton eine bemerkenswerte Vielfalt an qualitativ hochstehenden Honigen gibt. Für die drei Erstplatzierten gab es am Ende zwar Gold, Silber und Bronze – gewonnen hat bei der ersten Ausgabe des Awards aber vor allem der Zuger Honig als regionales Qualitätsprodukt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.








