Daniela (48): Illegale Falten-Behandlung «hat mein Gesicht ruiniert»

Nicola Wittwer
Nicola Wittwer

Basel,

Illegale Schönheitseingriffe gibt es auch in der Schweiz – mit teils heftigen Folgen. Eine Frau zeigt ihr entstelltes Gesicht.

Daniela
Die 48-jährige Daniela hat ein entstelltes Gesicht. Der Grund ist ein misslungener Schönheitseingriff, den sie in Basel durchführen liess. - RTS

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Frau liess sich im Jahr 2022 Falten im Gesicht auffüllen.
  • Der Eingriff misslang – vier Jahre später ist ihr Gesicht noch immer entstellt.
  • Eine Dermatologin sieht mehr Komplikationen im Zusammenhang mit ästhetischen Behandlungen.
  • Verabreicht werden die Injektionen häufig nicht von qualifiziertem Personal.

Auch in der Schweiz sind illegale Hyaluron-Injektionen am Boomen. Die Hyaluronsäure gilt als das beliebteste Produkt zur Faltenauffüllung und ist gefragt.

Die Spritzen werden aber nicht überall in legalem Rahmen verabreicht – geschweige denn von qualifiziertem Ärztepersonal. Auf Social Media werben vermeintliche Experten mit Pseudobildung.

Dabei gilt in der Schweiz: Nur qualifizierte Ärzte dürfen Hyaluronsäure verabreichen. Weil das aber nicht eingehalten wird, kommt es teilweise zu schlimmen Konsequenzen.

Schwere Infektion und anderes Gesicht

Eine, die mit einer Schönheitsinjektion eine äusserst negative Erfahrung gemacht hat, ist die 48-jährige Daniela. Gegenüber RTS sagt sie in der Sendung «A Bon entendeur»: «Das hat mein Gesicht ruiniert.»

Daniela wollte im Juni 2022 Falten im Gesicht auffüllen lassen. Auf Empfehlung einer Freundin reiste sie nach Basel, um sich dort mit einer Frau zu treffen. Sie nahm ein Angebot in der Höhe von 1200 Franken an und sparte dabei 400 Franken, wie sie meinte.

Die 48-Jährige ging davon aus, dass ihr nun Hyaluronsäure gespritzt werde. Stattdessen verabreichte man ihr PMMA – ein von Swissmedic verbotenes Mittel. Das hatte schwere Folgen: Das Gesicht der Patientin ist auch vier Jahre später noch entstellt.

«Ich wusste nicht, was mir ins Gesicht gespritzt wurde. Ich dachte, es sei das, was ich verlangt hatte. Aber die Person hat mich nicht um meine Zustimmung gebeten.» Ihr sei schliesslich ein Produkt injiziert worden, «das all das verursacht hat», sagt Daniela zu RTS.

Es habe «eine sehr schwere Infektion ausgelöst» und ihr «völlig das Gesicht zerstört». Daniela versucht nun anhand einer rekonstruktiven chirurgischen Behandlung in Basel ihr Gesicht wiederherzustellen.

Dermatologin: «Immer mehr Komplikationen»

In der Schweiz führt Swissmedic seit zwei Jahren Kontrollen durch, um illegale Behandlungen zu entlarven. 2024 wurden bei 55 Prozent der kontrollierten Einrichtungen Verstösse festgestellt.

Laut RTS handelt es sich dabei um fehlende Ärzte, illegale oder unsachgemäss gelagerte Produkte oder alles zusammen.

2025 lag die Prozentzahl der fehlerhaften Einrichtungen schon bei 80.

Daniela
Daniela kämpft mit einer rekonstruktiven chirurgischen Behandlung gegen ihr entstelltes Gesicht. - RTS

Diese Nachlässigkeit führt dazu, dass Daniela kein Einzelfall ist.

«Wir sehen immer mehr Komplikationen im Zusammenhang mit ästhetischen Behandlungen. Nicht nur bei PMMA, sondern auch bei Hyaluronsäure, Botulinumtoxin, Lasern ...», sagt Dermatologin Roberta Vasconcelos. Sie arbeitet in der Klinik in Basel, die Daniela aktuell betreut.

Der Dermatologin zufolge gibt es hierzulande «immer mehr Fachleute, die nicht unbedingt Ärzte sind und diese Behandlungen durchführen». Um sie aus dem Verkehr zu ziehen, benötigen kantonale Behörden Hinweise oder Anzeigen.

Todesfall in Frankreich – trotz Warnung

Was eine Behandlung bei nicht qualifizierten Ärztinnen oder Ärzten auslösen kann, zeigt ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. Ein Schweizer Arzt meldete im Sommer 2025 der Genfer Kantonspolizei eine Französin, die sich als Krankenschwester ausgebe.

Der Grund: Sie verabreicht Hyaluronsäure-Injektionen.

Das Mail des anonymen Schweizer Arztes kam aber nie an. Dabei gab die Polizei die Mail-Adresse im Jahr 2022 in einer Pressemitteilung an. Das Ziel war, genau solche Fälle zu melden.

Kannst du dir einen Schönheitseingriff vorstellen?

Im März dieses Jahres starb in der Nähe von Lyon eine Frau an den Folgen einer Injektion zur Gesässvergrösserung. Verabreicht hatte die Spritze jene Pseudokrankenschwester, die vor Jahren vom Schweizer Arzt gemeldet wurde. Sie befindet sich mittlerweile hinter Gittern.

Die Polizei sagte gegenüber RTS, dass die vom Arzt benutzte Mail-Adresse letztes Jahr schon nicht mehr betrieben wurde.

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