Coming-of-Age-Film «Becaària» von Erik Bernasconi in Solothurn

Keystone-SDA
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Solothurn,

Der Film «Becaària» von Erik Bernasconi hat am Freitag an den Solothurner Filmtagen Premiere gehabt. Keystone-SDA traf den Tessiner Regisseur zum Gespräch.

Szene aus dem Film «Becaària» von Erik Bernasconi.
Szene aus dem Film «Becaària» von Erik Bernasconi. - Cinédokké

Der Film begleitet den Jugendlichen Mario Zanetti (Francesco Tozzi). Nachdem er das Gymnasium – oder die Oberschule, wie es damals hiess – nicht bestanden hat, ist er sich über seine Zukunft unsicher. Im Hintergrund lastet die angespannte Beziehung zu seinem Vater, der ihn für einen Faulpelz hält und ihn deshalb im Sommer 1977 zu Bauern in die Berge schickt, um dort zu arbeiten.

Der Film ist die Verfilmung des Buches «Il becaària» des Tessiner Schriftstellers Giorgio Genetelli, das 2011 erschienen ist. Erik Bernasconi hatte den Autor 2008 am Set von «La valle delle ombre» (Das Tal der Schatten) von Mihály Györik (2009) kennengelernt: «Ich war Regieassistent, er war Statist», erzählt der Filmemacher der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

2011 trafen sich die beiden wieder und Genetelli erzählte Bernasconi, dass er ein Buch geschrieben habe und sich freuen würde, wenn daraus ein Film würde. Als der Regisseur den Roman las, war er «aus literarischer Sicht begeistert» und beschloss zusammen mit der Produzentin Michela Pini die Verfilmung in Angriff zu nehmen.

Die einzige Forderung des Autors war, «den Geist des Romans nicht zu verraten». «Ich glaube, ich habe ihn nicht verraten, aber mal sehen, was er mir sagen wird, wenn er den Film in Solothurn entdeckt hat», sagt der Regisseur.

Bernasconi arbeitete fast fünfzehn Jahre lang an dem Film, mit Unterbrechungen für andere Projekte. Bei den Solothurner Filmtagen steigt «Becaària» ins Rennen um den Prix du Public. «Es werden sicherlich viele Emotionen im Spiel sein: Man ist gespannt, wie das Publikum reagieren wird», sagt der Filmemacher.

Der Begriff «becaària», der im Film mit «ein Faulpelz, jemand aus der Stadt, der in die Berge kommt, um frische Luft zu schnappen» definiert wird, beschreibt Mario in den Augen seines Vaters und der Bewohner des Tals. Im Verlauf der Geschichte zeigt der junge Mann jedoch, dass er keineswegs ein Faulpelz ist.

«'Il becaària' ist ein Bildungsroman. Und der Film ist das, was man in der Branche als Coming of Age bezeichnet, eine Geschichte über das Erwachsenwerden und die Suche nach der eigenen Identität», erklärt der Regisseur. Der Film behandelt Themen wie Freundschaft, erste Liebe, aber auch den Tod.

Was die erste Liebe angeht, hat der Regisseur eine neue Figur eingeführt: Prisca (Sinéad Thornhill), die Tochter des Bauern, bei dem Mario arbeitet. Eine junge Frau, die selbstbewusst ist und weiss, was sie will. «Für mich war es notwendig, eine weibliche Figur einzuführen, die sich ein wenig vom Roman unterscheidet», sagt er. Ihm sei klar geworden, dass in den 1970er-Jahren bereits alle Themen, was die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft angehe, auf dem Tisch gelegen hätten.

Der Film spielt in den 1970er-Jahren, was für die Filmemacher herausfordernd war. «Die Schwierigkeit besteht, wie bei jedem historischen Film, vor allem in den Kostümen und dem Set, aber das ist auch der spassigste Teil», sagt Bernasconi.

Für eine Herausforderung sorgte auch der Drehort im Maggiatal. Die Dreharbeiten sollten am Tag nach den verheerenden Überschwemmungen vom 29. und 30. Juni 2024 im Obermaggiatal und insbesondere im Bavonatal beginnen. «Die Überschwemmung war ein Ereignis, das uns zu Beginn der Dreharbeiten tief getroffen hat», erzählte Bernasconi. Die Crew verlor auch einen Lastwagen, der nie wieder gefunden wurde.

«Emotional wird diese Erinnerung den Film begleiten», fügt er hinzu. Im Abspann erscheint daher die Widmung: «Den Menschen, die von den Überschwemmungen im Sommer 2024 in der italienischen Schweiz betroffen waren.»

Der Film wurde von Cinédokké aus Savosa produziert, der Kinostart ist noch nicht bekannt.

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