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    Burgdorf BE und Co: Schulen sperren Google-Bewertungen

    Rowena Goebel
    Rowena Goebel

    Unteres Emmental,

    Immer wieder werden Lehrpersonen in der Schweiz öffentlich beschimpft. Nach einem solchen Zwischenfall sperrt ein Berner Schulhaus die Funktion nun komplett.

    schule
    Ehemalige Schülerinnen und Schüler oder auch Eltern schreiben sich ihren Frust über Schulen in den Google-Bewertungen von der Seele. Manchmal werden Lehrpersonen persönlich angegriffen. - pexels

    Das Wichtigste in Kürze

    • Immer wieder werden Lehrpersonen im Internet beleidigt und angegriffen.
    • Kürzlich reagierte eine Schule in Burgdorf BE nach einem besonders unangemessenen Kommentar und sperrte die Google-Bewertungsfunktion.
    • Kein Einzelfall: Viele Deutschschweizer Schulen erlauben keine Google-Bewertungen mehr.

    Im Schulalltag gibt es Konflikte, auch zwischen Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern und deren Familien. Das gehört dazu.

    Heute werden diese Konflikte – zum Unmut der Schulen – aber auch immer wieder ausserhalb des Klassenzimmers oder Elterngesprächs ausgetragen. Lehrpersonen werden öffentlich verunglimpft oder verleumdet.

    Zu einem solchen Zwischenfall ist es kürzlich im Emmental gekommen. Ein ehemaliger Schüler des Pestalozzi-Schulhauses, eine Oberstufe in Burgdorf BE, beschimpfte dort Lehrpersonen im Internet wüst.

    «Lehrpersonen beleidigt»

    «Es gab eine Google-Bewertung, die wirklich unangemessen war», sagt Katrin Kurtogullari-Rentsch von der Bildungsdirektion Burgdorf zu Nau.ch.

    «Es wurden unwahre Behauptungen aufgestellt, Lehrpersonen namentlich erwähnt und beleidigt.»

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    Kann nach einem Zwischenfall nicht mehr auf Google bewertet werden: Die Oberstufe Pestalozzi in Burgdorf BE. - Screenshot Google

    Hintergrund war ein Entscheid, der während der Schulzeit des jungen Mannes getroffen wurde und mit dem er nicht zufrieden war.

    «Der Entscheid war breit abgestützt. Zur Unterstützung wurden damals auch Fachstellen einbezogen», betont Katrin Kurtogullari-Rentsch. Nun scheint der Unmut aber erneut aufgeflammt zu sein.

    Schul-Konflikte sollen nicht öffentlich ausgetragen werden

    Für die Leiterin Volksschule war es das erste Mal, dass sie mit einem derartigen Fall konfrontiert war. Für sie war klar: Das darf in Zukunft nicht mehr passieren.

    «Im System Schule kann es schnell zu Unmut kommen. Zum Berufsauftrag von Lehrpersonen gehört es auch, Entscheidungen zu treffen, die nicht allen Schülerinnen und Schülern oder Familien gefallen.»

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    Zwei Drittel der Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz haben innert fünf Jahren Gewalt erlebt – meist psychische. - keystone

    Für Lehrpersonen sei es nie angenehm, wenn jemand im Unmut beleidigend wird. «Solche Konflikte sollten aber erst recht nicht öffentlich ausgetragen werden», betont Kurtogullari-Rentsch.

    Sollte man Schulen öffentlich bewerten können?

    Deshalb habe die Bildungsdirektion Massnahmen ergriffen und organisiert, dass sie die Kontrolle über das Google-Profil der Schule erhält. «Wir haben uns dazu entschieden, die Bewertung anzufechten und die Löschung der Funktion zu beantragen», sagt sie.

    Es sei nicht im Sinne der Volksschule, eine Online-Funktion anzubieten, in der öffentlich Lehrpersonen bewertet oder gar angegriffen werden können.

    «Angriff mit Namensnennung im Internet wiegt besonders schwer»

    Dr. Beat A. Schwendimann vom nationalen Verband der Lehrerinnen und Lehrer LCH überrascht der Fall aus Burgdorf nicht.

    Der Leiter Pädagogik sagt zu Nau.ch: «Dass Lehrpersonen auch schriftlich und öffentlich angegriffen werden, wissen wir aus unserer repräsentativen Studie zu Gewalterfahrungen von Lehrpersonen von 2022.»

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    Beat A. Schwendimann ist Leiter Pädagogik beim Dachverband der Lehrpersonen, dem LCH. - zVg

    Die Studie zeigte: Zwei Drittel der befragten Lehrpersonen haben in den vorangegangenen fünf Jahren Gewalt erlebt. Meist in psychischer Form wie Beleidigungen, Beschimpfungen oder Verleumdungen.

    «Ein Angriff mit Namensnennung im Internet wiegt besonders schwer», betont Schwendimann. Denn: «Er ist öffentlich sichtbar und die angegriffene Person kann sich kaum dagegen wehren.»

    Mobbing-Opfer schreiben sich Frust von der Seele

    Einen Überblick konkret zu beleidigenden Google-Bewertungen habe der LCH aber nicht. Deshalb kann er nicht sagen, wie häufig das an Schweizer Schulen vorkomme.

    Auch, ob weitere Schulen die Google-Bewertungsfunktion entfernt haben, ist ihm nicht bekannt.

    Eine Stichprobe bei Google zeigt jedoch: Mit dem Entscheid ist die Schule in Burgdorf keinesfalls allein. Inzwischen haben zahlreiche Deutschschweizer Schulen ihre Google-Bewertungsfunktionen geschlossen.

    Diejenigen, die sie offen lassen, haben häufig mit negativen Bewertungen zu kämpfen. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler schreiben sich dort den Frust über Mobbing-Erfahrungen von der Seele.

    Auch Eltern schreiben häufig aufgrund von Mobbing gegen ihre Kinder Bewertungen.

    Lehrer loben Entscheid

    Zum Fall in Burgdorf sagt Schwendimann: «Grundsätzlich können wir den Entscheid der Schule gut nachvollziehen.»

    Kritik zu äussern sei legitim und wichtig. «Sie gehört aber ins direkte Gespräch mit der Lehrperson und, wenn nötig, mit der Schulleitung, nicht an einen öffentlichen Pranger.»

    Blickst du positiv auf deine Schulzeit zurück?

    Es sei zudem zu betonen, dass die Schulen Lehrpersonen vor solchen Angriffen schützen müssen. Darum lobt Schwendimann: «Wenn eine Schule wie in Burgdorf die Bewertungsfunktion schliesst, schützt sie ihr Personal.»

    Der LCH fordert, dass jede Schule über ein Interventions- und Krisenkonzept verfügt, das auch Angriffe im digitalen Raum abdeckt.

    «Gleichzeitig nehmen wir die Plattformbetreiber in die Pflicht», sagt Schwendimann. «Sie sollen in wirksame Systeme gegen Cybermobbing investieren und rasch reagieren, wenn ihnen etwas gemeldet wird.»

    Kommentare

    User #4066 (nicht angemeldet)

    Lehrer sind Staatsangestellte ausserdem nebenbei auch Akademiker schon deshalb sollte man keine Lehrer öffentlich beleidigen……des macht man hintenrum🤨

    User #1052 (nicht angemeldet)

    Google ist schon lange im Klassenzimmer und überall und alle machen mit. TikTok wurde von der albanischen Regierung als "Gauner im Viertel" bezeichnet. Und irgendwann sagen wir wieder "hätten wir das gewusst"...

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