Chikungunya in der Schweiz: Was bedeuten die ersten lokalen Fälle?
Die Tropenkrankheit Chikungunya hat die Schweiz erreicht: Im Tessin ist das Virus erstmals lokal durch Mücken übertragen worden. Was bedeutet das für die Bevölkerung und wie gross ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung?

Was ist Chikungunya?
Chikungunya ist ein Virus, der von Mücken der Gattung Aedes übertragen wird. Zu dieser Gattung gehört unter anderem die asiatische Tigermücke. Die einheimischen Mückenarten können das Chikungunya-Virus nicht übertragen.
Wie äussert sich eine Infektion?
Die Erkrankung tritt meist sieben bis neun Tage nach dem Stich durch eine infizierte Mücke auf. Infizierte haben hohes Fieber, starke Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Kopfschmerzen, manchmal begleitet von einem Hautausschlag. In der Regel ist eine Chikungunya-Erkrankung ungefährlich. Fieber und starke Gelenkschmerzen können bei vielen Betroffenen aber über Wochen bis Monate anhalten. Schwere Verläufe sind selten, treten jedoch insbesondere bei älteren oder schwer vorerkrankten Menschen auf.
Wie kam die Tropenkrankheit nach Europa?
In vielen europäischen Regionen, auch an vielen Orten in der Schweiz, hat sich während den letzten Jahren die asiatische Tigermücke angesiedelt, die diese Krankheit übertragen kann. In der Schweiz wurde die Asiatische Tigermücke erstmals 2003 im Kanton Tessin nachgewiesen. Nach weiteren Einzelfunden wurde schliesslich 2007 im Raum Chiasso erstmals eine stabile, sich lokal vermehrende Population entdeckt.
In den darauffolgenden Jahren hat sich die Tigermücke weiter ausgebreitet und grossflächig etabliert. Auch nördlich der Alpen werden immer wieder einzelne Exemplare durch Fahrzeuge entlang der Hauptverkehrsachsen, insbesondere der Autobahn A2, aus dem Süden eingeschleppt und kleinere Tigermückenpopulationen wurden wiederholt in den Städten Basel und Zürich nachgewiesen.
Der Überträger des Virus ist also bereits hier. Wenn eine dieser Mücken eine infizierte Person sticht, kann sie das Virus aufnehmen und anschliessend auf weitere Menschen übertragen. So kann es zu lokalen Ausbrüchen kommen.
Wann wurde Chikungunya zum ersten Mal in Mitteleuropaübertragen?
In Lipsheim (F), nur rund hundert Kilometer von Basel entfernt, hat sich im Juli 2025 erstmals ein Mensch mit dem Chikungunya-Virus lokal in Europa angesteckt. Auch die eine lokale Infektion in Italien fand nur rund 100 Kilometer von der Schweiz, in Castel San Giovanni, statt.
In der Schweiz sind die am Mittwoch bekanntgewordenen vier Fälle im Tessin die ersten bisher bekannten lokalen Übertragungen. Insgesamt verzeichnete das BAG von Januar bis August 2026 55 Chikungunya-Fälle. Die betroffenen Personen hatten sich aber während Reisen in anderen Ländern angesteckt.
Was bedeutet das jetzt für die Schweiz?
Die Tessiner Behörden stufen die Situation trotz der erstmals lokal festgestellten Übertragungen derzeit als risikoarm ein.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt auf seiner Webseite, dass lokale Übertragungen des Chikungunya-Virus möglich sind, wenn eine infizierte Person nach einer Reise in ein betroffenes Gebiet im Ausland zurückkehrt und während der infektiösen Phase in der Schweiz von einer Tigermücke gestochen wird, die das Virus anschliessend auf weitere Menschen übertragen kann.
Gibt es Medikamente dagegen?
Seit April 2026 ist in der Schweiz mit Vimkunya ein Impfstoff gegen Chikungunya für Personen ab 12 Jahren zugelassen. Gemäss dem Schweizerischen Expertenkomitee für Reisemedizin vom Juni 2026 wird die Impfung aber nicht innerhalb der Schweiz, sondern bei Reisen in aktuelle Chikungunya-Ausbruchsgebiete empfohlen; bei längeren oder wiederholten Aufenthalten in Gebieten mit erhöhtem Risiko kann sie nach individueller Risikoabwägung erwogen werden.
Woher kommt der Name Chikungunya?
Der Name Chikungunya stammt laut der Weltgesundheitsorganisation WHO aus der Sprache der Makonde, einem Volk im südlichen Tansania und im Norden Mosambiks. Das Wort bedeutet in etwa «der gekrümmt Gehende». Es beschreibt die gebückte Körperhaltung der Erkrankten aufgrund der starken Gelenkschmerzen, die für die Krankheit typisch ist.






