Das Umweltdepartement unterstützt das Zuchtprogramm für Herdenschutzhunde nicht mehr. Tier- und Naturschützer haben kein Verständnis dafür.
Herdenschutzhunde
Ausgebildete Herdenschutzhunde bewachen eine 300 Schafe umfassende Schafsherde auf dem Oberberg. - Keystone

Das Departement von Umweltminister Albert Rösti schafft in der Wolffrage weiter Fakten. Nachdem im Dezember die mittlerweile vom Gericht gestoppte präventive Sonderjagd auf Wölfe erlaubt worden ist, geht es jetzt gegen Herdenschutzhunde.

Diese Woche teilte der Bund mit, dass er das Zuchtprogramm für Herdenschutzhunde per sofort stoppt – und keine finanziellen Beiträge mehr leistet, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Bereits ausgebildete Schutzhunde werden noch bis Ende Januar 2025 weiter unterstützt, danach ist Schluss.

Braucht es in der Schweiz mehr Herdenschutzhunde?

Der Verein Herdenschutzhunde Schweiz wurde demnach an einer Sitzung darüber informiert. Wie es heisst, sei dies für die Verantwortlichen völlig überraschend gekommen. Denn eigentlich galt das Programm für Herdenschutzhunde als erfolgreich und als wichtige Säule in Sachen Schutz vor dem Wolf.

Laut Plänen des Bundes sollen die Kantone eigene Programme für Herdenschutzhunde ausarbeiten. An ihnen will sich der Bund später finanziell beteiligen.

Der Bund begründet die Änderung mit dem neuen Jagdgesetz. Denn die Aufgaben von Bund und Kantonen würden darin neu geordnet. Brisant: Der Entscheid erfolgte bereits jetzt, obwohl die angepasste Jagdverordnung erst im Frühling in die ordentliche Vernehmlassung geht.

Tierschützer halten Vorgehen des Bundes für «brandgefährlich»

Tier- und Naturschützer sind empört über das «Vorpreschen des Bundes». David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz sagt gegenüber der «SonntagsZeitung»: Die Entscheidung sei das Aus für Zucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden.

Dass die Verantwortung nun an die Kantone abgegeben werde, gefährde das Programm. Gerke sagt: «Es ist absehbar, dass das Programm nicht in der gewohnten Qualität weitergeführt werden kann.»

Herde
Ein Herdenschutzhund. (Symbolbild) - Keystone

Weil dann Nutztierhalter häufiger ausländische Herdenschutzhunde einsetzen könnten, befürchtet Gerke mehr Zwischenfälle mit solchen Hunden. Sein Fazit: «20 Jahre sorgfältige Zucht und Sozialisierung der Hunde aufs Spiel zu setzen, ist brandgefährlich.»

Ähnlich kritisch klingt es bei Pro Natura. Sprecherin Nathalie Rutz sagt: «Mit dem Ausbildungsstopp für Herdenschutzhunde werden der notwendige Ausbau und die Förderung des Herdenschutzes gefährdet.»

Das Bafu selbst verteidigt sich gegen die Kritik und lässt verlauten: «Herdenschutz und Herdenschutzhunde bleiben unabhängig von einer allfälligen Neuorganisation zentral für den Schutz von Nutztieren.»

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