Bringen «Dry January», «Veganuary» und Co. wirklich etwas?
Neues Jahr, neue Motivation: Ist ein Verzichtsmonat à la «Veganuary» oder «Dry January» wirklich der Einstieg in eine nachhaltige Veränderung?

Das Wichtigste in Kürze
- Jedes Jahr nehmen sich viele Menschen Neujahrsvorsätze vor.
- Verzichts-Probemonate wie der «Veganuary» oder der «Dry January» sind stark im Trend.
- Experten klären auf: Bringt ein Probemonat überhaupt etwas?
Neues Jahr, neue Vorsätze: Weniger Alkohol, mehr Sport, gesünder leben. Doch je länger der Januar dauert, desto grösser wird oft die Frustration.
Viele nehmen sich im Januar einen Verzichtsmonat wie «Dry January» oder «Veganuary» vor. Und wollen zusätzlich mit einem strikten Sportprogramm ins neue Jahr starten.
Aber sind diese Vorsätze nur ein kurzlebiger Trend – oder der Einstieg in dauerhaft gesündere Lebensgewohnheiten?
Ob ein veganer Monat überhaupt gesundheitliche Vorteile bringt, weiss Ernährungs-Wissenschaftlerin Sabine Rohrmann vom Universitätsspital Zürich: «Das kommt ganz darauf an, wie dieser Monat gestaltet wird.»
Denn eine ausgewogene vegane Ernährung fordere etwas Vorbereitung und Wissen: «Einige Nährstoffe sind vorwiegend in tierischen Lebensmitteln zu finden.»
Dazu gehören B-Vitamine, allen voran B12, aber auch die Versorgung mit Calcium, Eisen und Zink: «Um fehlende Nährstoffe auszugleichen, sollten Lebensmittel wie Hülsenfrüchte und vermehrt Gemüse und Früchte in den Speiseplan eingebaut werden.»
Nicht nur Fleisch und Käse streichen
«Einfach» nur Fleisch und Käse wegzulassen und sonst die Ernährung gleich zu gestalten, sei laut Rohrmann nicht sinnvoll.
Beispielsweise besonders wichtig bei einer pflanzlichen Ernährung: «Vitamin B12 muss durch Supplemente zugeführt werden», betont die Ernährungs-Wissenschaftlerin.
Rohrmann glaubt trotzdem, dass ein sorgfältig geplanter Probemonat den Einstieg in eine langfristige Ernährungsumstellung erleichtern kann.
«Führt das längerfristig zu einer Ernährungsweise, die weniger Fleisch und mehr pflanzliche Lebensmittel enthält, ist das sicherlich eine positive Entwicklung.»

Trotzdem glaubt Rohrmann nicht an einen langfristigen Wandel: «Für mich scheint es eher ein Trend zu sein als ein Weg für eine nachhaltige Veränderung.»
Auch einen alkoholfreien Monat, den sogenannten «Dry January», nehmen sich im Januar viele vor. Doch wirkt sich ein solcher Monat langfristig wirklich auf das Trinkverhalten aus?
«Eigenes Trinkverhalten kritisch überdenken»
Regina Esser, Co-Chefärztin der Inneren Medizin im «Arud Zentrum für Suchtmedizin», sagt gegenüber Nau.ch: «Ein alkoholfreier Monat kann ein guter Einstieg sein, um das eigene Trinkverhalten kritisch zu überdenken.»
Allerdings gleicht ein vierwöchiger Alkoholverzicht nicht die Nachteile eines übermässigen Konsums im restlichen Jahr aus: «In unserer Gesellschaft existiert die feste Vorstellung, dass bestimmte Anlässe zwangsläufig mit Alkoholkonsum verbunden sind.»

Wer sich jedoch Feiern oder geselligem Beisammensein ohne Alkohol aussetze, könne die Erfahrung machen, dass es trotzdem schön sei. Auch ohne Alkohol.
«Würde es jedem empfehlen»
Sinnvoll ist ein alkoholfreier Monat aber laut der Expertin immer: «Grundsätzlich kann man sagen, dass jeder von einer längeren Alkoholpause profitiert. Die gesundheitlichen Vorteile sind bereits nach kurzer Zeit erkennbar», so Esser.
Viele Menschen seien überrascht, wie gut es ihnen gehe, wenn sie auf Alkohol verzichten würden. Selbst wenn sie vorher der Meinung waren, nur moderat getrunken zu haben: «Aus diesem Grund würde ich es jedem empfehlen.»
Insgesamt sei laut Esser ein Trend zu weniger Alkoholkonsum zu beobachten: «Vor allem bei den jüngeren Konsumenten.» Ob dies mit dem «Dry January»-Trend zu tun habe, oder mit der allgemeinen Entwicklung sei schwer einzuschätzen.

Gesünder essen, weniger trinken – und mehr Sport treiben: Auch Fitness gehört für viele zu den guten Vorsätzen fürs neue Jahr. Entsprechend gross ist der Andrang in den Studios.
Fitness-Motivation hält bis Ende März an – und länger
Silvia Talabér, Sprecherin von «Active Fitness» und «Fitnesspark» bestätigt den Januar-Andrang gegenüber Nau.ch: «Die ersten Wochen des Jahres sind nach wie vor verkaufsstark.»
Die guten Vorsätze scheinen auch länger anzuhalten als nur bis Mitte Januar: «Wir stellen fest, dass wir bis Ende März leicht überdurchschnittliche Frequenzen verzeichnen.»
Immer mehr motivieren sich für das Fitness-Training. Talabér sagt: «Seit rund zwei Jahren verzeichnen wir über das gesamte Jahr verteilt höhere Neuanmeldungen.» Die Trainingsfreude ist offenbar nicht nur auf die Neujahrsvorsätze zurückzuführen.













