Bewerber kürzen ihren CV, damit sie nicht alt wirken
Der Trend aus den USA erreicht die Schweiz. Experten raten dabei zu Fokus statt Verschleierung – sonst droht Misstrauen.

Das Wichtigste in Kürze
- Auch in der Schweiz kürzen Bewerbende ihre Lebensläufe zunehmend.
- Experten raten zu maximal zwei Seiten mit klarer Kompetenzorientierung.
- Reines Verschleiern des Alters wirkt oft verdächtig und wenig erfolgreich.
Nur noch die letzten zehn Jahre aufführen und ältere Abschlüsse verschweigen: In den USA kürzen immer mehr Stellensuchende in ihren 30ern und 40ern ihren Lebenslauf.
Sie wollen damit verhindern, dass sie im Bewerbungsprozess wegen ihres Alters aussortiert werden. Darüber berichtete kürzlich das Nachrichtenmagazin «Fortune».
Doch funktioniert diese Strategie auch in der Schweiz? Nau.ch hat bei zwei Arbeitsmarktexperten nachgefragt.
«Feng Shui Seminar kann getrost weggelassen werden»
Headhunter und Jobcoach Lucas Zehnder beobachtet den Trend auch hierzulande – und rät selbst zu kompakteren Lebensläufen.
Zehnder stellt klar: «Der klassische ‹Schweizer› Lebenslauf mit Foto, Geburtsdatum, Zivilstand und lückenloser Chronologie zurück bis zur Lehre und Sprachaufenthalt in Australien 2001 gehört ins Museum.»

Heute brauche es ein höchstens zwei Seiten langes und kompetenzorientiertes Dokument. Darauf sollten möglichst genau jene Fähigkeiten und Erfahrungen stehen, die für die Stelle relevant seien.
Auch 30- bis 45-Jährige würden ihre Lebensläufe kürzen. In dieser Altersgruppe gehe es aber meist noch nicht darum, jünger zu wirken.
«Man kürzt einfach, damit da auch nur die wirklich relevanten Stärken stehen. Das Feng Shui Seminar kann getrost weggelassen werden», sagt Zehnder.
Fokussieren statt verschleiern
Edgar Spieler, Arbeitsmarktexperte beim Personalberater Alixio Group Schweiz, mahnt derweil zur Vorsicht: Einen Lebenslauf allein zur Verschleierung des Alters zu stutzen, sei wenig erfolgversprechend – Recruiter würden dies erkennen.
Zudem bestehe die Gefahr, dass Bewerber auch relevante Erfahrungen weglassen. «Damit wird das Profil verzerrt», warnt Spieler.
Erfolgreich sei eine Straffung dagegen, wenn der Lebenslauf dadurch prägnanter und besser auf die ausgeschriebene Stelle zugeschnitten werde.

Spieler betont: «Besonders bei einem hohen Volumen an Bewerbungen reduziert ein mehrseitiger CV die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch.» Das gilt unabhängig vom Lebensalter.
Zehnder sieht es ähnlich: «Fokussieren erhöht die Chancen immer.»
Misstrauen entstehe hingegen bei ungeklärten Lücken, fehlenden Jahreszahlen oder einer ersten Stelle, die ohne nachvollziehbare Vorgeschichte beginne. Kurzum: «Verschleiern senkt die Erfolgschance.»
Was darf weg?
Zehnder empfiehlt, die letzten zehn bis fünfzehn Jahre ausführlich darzustellen und ältere Stationen in einem kurzen Block zusammenzufassen.
Gestrichen werden können Praktika, Ferienjobs, irrelevante Weiterbildungen, veraltete Zertifikate und tiefere Schulabschlüsse. «Wer einen Master hat, braucht die Matura nicht mehr zu erwähnen – und die Sekundarschule schon gar nicht.»
Auch Zivilstand, Konfession, Kinderzahl und Geburtsort gehörten nicht in einen modernen Lebenslauf.
Relevant bleiben der höchste Abschluss, aktuelle Positionen und frühere Erfahrungen, die für die angestrebte Stelle wichtig sind.
Spielers Empfehlung dabei: «Nicht bloss die Aufgaben, sondern konkrete, belegbare Ergebnisse darstellen.»
Ältere Abschlussjahre dürfen laut Zehnder zwar fehlen. Das Alter lasse sich dadurch jedoch kaum verstecken. «Jeder Recruiter rechnet vom ersten datierten Eintrag rückwärts.»
Spieler hält solche Strategien ebenfalls nicht für nachhaltig. Entscheidend sei vielmehr, Lernagilität, Veränderungsbereitschaft und digitale Affinität zu zeigen.
Auf LinkedIn gelten andere Regeln
Anders sieht es beim LinkedIn-Profil aus. Dieses sollte laut Zehnder nicht zu stark reduziert werden. Denn: Viele erfahrene Fach- und Führungskräfte würden dort durch Headhunter direkt angesprochen.
Diese suchten auch nach Firmen, Technologien oder Märkten aus früheren Karrierestationen. Wer solche Begriffe löscht, wirkt vielleicht jünger – wird unter Umständen aber gar nicht mehr gefunden.











