Barkeeper Gaëtan: «Habe geholfen, Schaumstoff wieder zu befestigen»

Elena Hatebur
Elena Hatebur

Crans-Montana,

Rund einen Monat ist die Brand-Tragödie von Crans-Montana VS her. Barkeeper Gaëtan hat überlebt – und schildert, weshalb sein Groll auf die Wirte gewachsen ist.

Gaëtan
Die Flammen haben Barkeeper Gaëtan (28) sichtlich gezeichnet. - screenshot RTS

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor rund einem Monat kam es in Crans-Montana VS zum tödlichen Brand.
  • Die Zahl der Toten ist seither auf 41 angestiegen, ein 18-Jähriger starb am Samstag.
  • Nun schildert Barkeeper Gaëtan, welche Provisorien der Brandnacht vorausgingen.

Rund einen Monat ist die Brandkatastrophe von Crans-Montana VS her. Während bei einigen Verletzten die körperlichen Wunden langsam heilen, kämpfen andere in den Spitälern noch immer um ihr Leben.

Parallel zur juristischen Aufarbeitung der Tragödie steigt die Zahl der Todesopfer weiter. Am Samstag bestätigten die Behörden 41 Tote. «Es ist nach wie vor eine sehr herausfordernde Situation», so das Universitätsspital Zürich gegenüber Nau.ch.

Zu den Überlebenden gehört Gaëtan, Barkeeper im «Le Constellation». In der Silvesternacht gelang es ihm, das Lokal trotz schwerer Verbrennungen an Armen, Kopf und Gesicht zu verlassen.

Wochen zwischen Leben und Tod

Zwei Wochen verbrachte der 28-Jährige in Spitälern, zunächst im CHUV in Lausanne, später in einem Pariser Spital. Acht Tage davon lag er im Koma.

Unmittelbar nach dem Brand habe er dem Wirte-Ehepaar Moretti keine Vorwürfe gemacht. Doch mit der Zeit sei sein Groll gewachsen, erzählt Gaëtan dem Sender RTS.

Er besitze nicht die fachliche Kompetenz, um Angaben zum Brandausbruch oder den Umständen zu kritisieren. Aber: «Ich finde es absurd, dass sie ihre Angestellten beschuldigen.»

Provisorien vor der Tragödie

Gaëtan kritisiert die Zustände, die der Tragödie vorangegangen sind. Er nimmt Bezug auf die Akustikpaneele, die sich in der Brandnacht durch Sprühkerzen auf Flaschen entzündet hatten.

«Ich habe ihnen geholfen, den Schaum an der Decke wieder zu befestigen», erzählt er. Wie improvisiert dabei vorgegangen wurde, zeigen Bilder und Videos aus der Bar: Mit Queues, also Stöcken, die beim Billiard-Spiel verwendet werden, wurde der Schaumstoff abgestützt.

Barbesitzer Jacques Moretti schien mit der Lösung zufrieden. In einer Sprachnachricht an Gaëtan sagt er: «Das sieht nicht schlecht aus.» In einer weiteren Nachricht merkt er an, der Schaumstoff hänge noch etwas tief. Er müsse noch besser befestigt werden.

Doch nicht nur die Decke bereitet Gaëtan Sorgen. Offenbar gelangten in der Brandnacht auch zahlreiche zu junge Menschen in die Bar.

«Ich fand das schockierend», so der junge Barkeeper. «Ich versuchte, die Ausweise zu überprüfen, aber sie wurden oft auf einem Handy vorgezeigt.» So habe er die Echtheit kaum überprüfen können.

Hinzu komme, dass aus seiner Sicht wirtschaftliche Interessen im Vordergrund standen. «Wir wussten genau, dass es den Inhabern nur ums Geldverdienen ging», sagt Gaëtan. Es seien auch abgelaufene Getränke und Speisen verkauft worden.

Achtest du seit dem Unglück in Crans-Montana stärker auf Brandschutzmassnahmen?

Wenige Wochen vor der Silvesternacht informierte er seine Eltern schriftlich über seinen Entschluss, zu kündigen.

Am Ende entschied er sich dennoch, den Monat zu Ende zu arbeiten – um den Dezemberlohn noch zu erhalten. Eine Entscheidung, die sich später als fatal erweisen sollte.

Erinnerungen an die Brandnacht

An die Ereignisse der Silvesternacht selbst erinnert sich Gaëtan nur noch bruchstückhaft. «Ich erinnere mich an die ersten Schreie, die ersten Warnungen und an die Panik, die mich überkam», sagt er.

Er habe helfen wollen und sei die enge Treppe ins Untergeschoss hinuntergelaufen. «Ich erinnere mich, wie ich mich mit dem Arm schützte, um so wenig Rauch wie möglich einzuatmen, und jemanden herauszog.» Danach habe er das Bewusstsein verloren.

Rückblickend empfindet er das als eine Art Schutz: «Denn ich habe keine Leichen gesehen – oder ich erinnere mich zumindest nicht daran», sagt er.

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