Beim Impftempo scheint sich in der Schweiz eine Trendwende anzubahnen: Erstmals seit Mitte Juni ist die Impfkadenz letzte Woche wieder gestiegen. Derweil prüft der Kanton St. Gallen eine Ausweitung der 3G-Regel auf Gastronomie, Heime und Spitäler.

Das Wichtigste in Kürze

  • In der letzten Woche stieg die Impfkadenz im Vergleich zur Vorwoche um vier Prozent, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Freitag mitteilte.

Letzte Woche wurden laut dessen Angaben täglich 20'034 Impfungen verabreicht. In der Vorwoche war die Impfkadenz noch um acht Prozent gesunken, eine weitere Woche früher sogar um 36 Prozent. Letztmals war die Impfquote in der ersten Juni-Hälfte gestiegen.

50,55 Prozent der Schweizer Bevölkerung oder 4,37 Millionen Menschen sind mittlerweile vollständig geimpft. Knapp 659'000 Personen haben nur eine Impfdosis erhalten.

Um einen weiteren Lockdown «unter allen Umständen» zu vermeiden, prüft der Kanton St. Gallen eine Ausweitung der 3G-Regel auf Bars und Restaurants, Heime und Spitäler. So soll eine Überlastung der Spitalkapazitäten vermieden werden. Die Regierung könnte einen solchen Schritt angesichts der stark steigenden Corona-Fallzahlen und Hospitalisierungen bereits nächste Woche beschliessen.

In der Schweiz und in Liechtenstein wurden dem BAG am Freitag innerhalb von 24 Stunden 2575 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet. Gleichzeitig registrierte das BAG sechs neue Todesfälle und 123 Spitaleinweisungen. Am Freitag vor einer Wochen waren 2097 neue Ansteckungen, zwei neue Todesfälle und 42 Spitaleinweisungen gemeldet worden.

Die Auslastung der Intensivstationen in den Spitälern beträgt zur Zeit 77,4 Prozent. 19,8 Prozent der verfügbaren Betten werden von Covid-19-Patienten besetzt.

Das spontane Freudenfest der Projurassier nach der Moutier-Abstimmung Ende März bleibt ohne rechtliche Konsequenzen. Nach der Abstimmungsfeier gab es Anzeigen, weil viele der Kundgebungsteilnehmenden keine Masken getragen und mehrere Tausend Menschen auf den Plätzen vor dem Rathaus und vor dem Bahnhof dicht an dicht gefeiert hatten.

Die Regionale Staatsanwaltschaft hat den Fall nun geprüft und das Dossier ohne weitere rechtliche Konsequenzen geschlossen. Der grosse Aufwand eines solchen Verfahrens stünde in keinem Verhältnis zur Schwere der Vorfälle, lautete die Begründung. In den Tagen nach der Moutier-Abstimmung und dem Freudenfest der Projurassier kam es in der Gegend zu keinem signifikanten Anstieg der Corona-Fallzahlen.

Eine Einigung gab es zwischen den privaten Betreibern der Kontaktverfolgungs-App SocialPass und dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (Edöb). Die Betreiber passten die Sicherheit an und grenzten den direkten Zugriff kantonaler Gesundheitsbehörden ein. Die App wird von Gastrobetrieben in der ganzen Schweiz für das Contact-Tracing eingesetzt. Der Edöb hatte zahlreiche Mängel in der App festgestellt.

Die Schweizer Botschaft in Thailand hat sich 1200 weitere Impfdosen und -termine gegen das Coronavirus gesichert. Die Dosen sind für Auslandschweizerinnen und -schweizer vorgesehen, nicht aber für Touristen. Zur Verfügung stehen sie in vier grösseren Agglomerationen. Geimpft wird mit dem Wirkstoff von AstraZeneca.

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