Basler Badis: 67 Hausverbote für Franzosen!
Immer öfter haben Badis in der Schweiz Probleme mit Badegästen. Besonders betroffen sind Grenzbadis. Hier sorgen junge Franzosen für Stunk – und Verbote.

Das Wichtigste in Kürze
- Schweizer Badis haben mit Problem-Gästen zu kämpfen, die für Unruhe sorgen.
- Besonders Grenzbadis sind betroffen, die Gäste kommen aus dem Nachbarland Frankreich.
- Ein kollektiver Ausschluss von Ausländern sei aber der falsche Weg, so der Kriminologe.
Immer wieder sind sie in der Schweiz ein Thema: Badegäste, die sich in der Badi nicht an die Regeln halten und Radau machen.
Betroffen sind dabei vor allem grenznahe Badis. Dort sind die Probleme am grössten.
So beispielsweise in Vallorbe VD, wo Jugendliche immer öfter ausfällig werden.
Gegenüber Nau.ch erklärten die Verantwortlichen der Badi im Juni: «Wir haben schon Morddrohungen erhalten, wenn wir einem Jugendlichen sagten, er solle sich zuerst duschen.»

Die Probleme gingen dabei vor allem von Buben-Gruppen aus. Alleine seien sie noch harmlos.
Aber: «In der Gruppe ist das dann was ganz Anderes. Schon 11-Jährige drohen und beleidigen uns.»
Basel hat Probleme mit Badegästen aus Frankreich
Auch in Deutschland gibt es Zoff um Problem-Badegäste, besonders in der Grenzregion. Für Aufruhr sorgen dort vor allem Jugendliche und junge Erwachsene aus dem benachbarten Frankreich.
Ein Phänomen, das man auch in der Schweiz kennt. Die Badi in Porrentruy im Jura verbot deshalb bereits im Vorjahr Ausländern den Zutritt. Auch dort waren es Jugendliche aus Frankreich, die für Stunk sorgten.
Die Badis in Basel haben ebenfalls zu kämpfen. Sie haben seit Saisonbeginn 85 Hausverbote erteilt, wie der Kanton Basel-Stadt gegenüber Nau.ch offenlegt. 67 der betroffenen Personen – das sind rund 79 Prozent – haben einen Wohnsitz in Frankreich.
Kann man also sagen, dass es sich lediglich um ein Problem in den Grenzregionen zu Frankreich handelt?
«Die Badis die betroffen sind, treffen situativ Massnahmen»
Ja, findet Michel Kunz, Präsident des Schweizerischen Badmeister-Verbands.
Er erklärt gegenüber Nau.ch: «Wir wissen von den Vorgängen in den Badis der Grenzregionen und verfolgen die Entwicklungen.»
Die Probleme betreffen nur einen Teil der Badis, erklärt er. Eingreifen würde der Badmeister-Verband daher nicht, auch wegen der fehlenden Sachkenntnis.
Denn: «Die Badis, die betroffen sind, treffen situativ Massnahmen. Beispielsweise schulen sie das Personal vor Ort für heikle Situationen.»
Massnahmen sind «zum Wohle der anderen Badegäste»
Wichtig sei, dass sich alle Gäste in der Badi wohlfühlen würden, so Kunz.
Das Problem: «Störgruppen können die Badeaufsichten von ihren eigentlichen Aufgaben ablenken. Das wirkt sich negativ auf den Rest der Besuchenden aus – etwa punkto Sicherheit.»
Kritik an den Badi-Massnahmen – wie etwa das Ausländerverbot in Pruntrut – will Kunz nicht äussern. Würden solche ergriffen, sei dies «zum Wohle der anderen Badegäste».
Und: «Massnahmen werden nicht einfach so ergriffen, denn sie sind für die Badis ein Mehraufwand.»
Ausschluss von Menschen aus dem Ausland ist «erbärmlich»
Beim Badmeisterverband stellt man sich also hinter die Betretungsverbote.
Doch: Ist das wirklich die richtige Lösung für das Badi-Problem?
Kriminologe Dirk Baier sagt nein: «Den pauschalen Ausschluss von Personen aus dem Ausland halte ich für eine völlig falsche Massnahme.»
Denn das sei «diskriminierend und letztlich auch erbärmlich». So mache man Menschen mit bestimmter Herkunft für Probleme verantwortlich. «Dieses Denken darf in modernen Gesellschaften keinen Platz haben.»
Herkunft der Badegäste sollte für Badis keine Rolle spielen
Baier fügt an: «Mich überzeugt überhaupt nicht, dass Personen aus dem Ausland anders behandelt werden sollen als Personen aus dem Inland.»
Stattdessen brauche man als Badi grundsätzlich ein Dispositiv, um mit verschiedenen Arten von Problemen umzugehen. Und das «unabhängig von der Herkunft der Badegäste».

Denn, so Baier: «Ich denke nicht, dass französische Jugendliche die Badis in der Schweiz und in Deutschland aufsuchen, um ‹die Sau rauszulassen›.»
«Mehr Sicherheitspersonal an stark frequentierten Tagen»
Ein solches Dispositiv aufgebaut hat der Kanton Basel-Stadt. «Wir haben Erfahrungen aus der vergangenen Saison ausgewertet.»
Man habe die bereits damals verstärkten Massnahmen auch in der Saison 2026 konsequent weitergeführt und ergänzt. «Beispielsweise mit mehr Bad- und Sicherheitspersonal – insbesondere an stark frequentierten Tagen.»

Diese Kombination aus erhöhter Präsenz, klarer Kommunikation und konsequentem Handeln unterstütze das Badpersonal. Zudem wirke es präventiv, erklärt der Kanton.
«In Basel-Stadt sind alle Badegäste willkommen»
«Die bisherigen Rückmeldungen sind insgesamt positiv und zeigen: Die zusätzliche Unterstützung durch das Sicherheitspersonal wird als Entlastung wahrgenommen.»
Dadurch könne sich das Badpersonal verstärkt auf seine zentrale Aufgabe konzentrieren. Nämlich die Sicherheit der Badegäste im Wasser und am Beckenrand.

Ein Ausländerverbot wie in Pruntrut schliesst der Kanton derweil aus. «In Basel-Stadt sind alle Badegäste willkommen. Massgebend ist, dass die Badegäste die Badeordnung einhalten und sich gegenüber anderen respektvoll verhalten.»
Doch warum sind es vor allem junge Franzosen, die in Schweizer Grenzbadis für Probleme sorgen?
«Es fehlen Badis – aber auch andere Freizeitangebote»
Es kämen wohl drei Sachen zusammen, so Der Kriminologe.
«Erstens haben die jungen Leute nicht immer eine vergleichbar gute Infrastruktur in ihren Heimatorten. Es fehlen Badis – aber auch andere Freizeitangebote.»

Zweitens handle es sich um junge Menschen. Diese würden per se zu Freizeitaktivitäten im öffentlichen Raum neigen.
Besonders dann, wenn sie aus benachteiligten Familien kämen und weniger Möglichkeiten hätten, ihre Freizeit zu gestalten.
«In diesen Gruppen wird aggressive Männlichkeit gepflegt»
«Drittens finden sich diese Jugendlichen dann gern in Gruppen zusammen, aus denen heraus die Wahrscheinlichkeit steigt, abweichendes Verhalten zu zeigen.»
Diese Gruppen würden dann teilweise auch Alkohol trinken, was das Risiko von übergriffigem Verhalten noch steigere.

Baier erklärt: «Ihre persönliche und soziale Situation gepaart mit dem negativen Einfluss der Peergruppe führt zu den Auffälligkeiten, die wir teilweise sehen. In diesen Gruppen wird dann auch eine Form der aggressiven Männlichkeit gepflegt, die zur Übergriffigkeit beiträgt.»
Das habe aber nichts mit der Herkunft zu tun. «Sondern damit, dass sie sonst in ihrem aktuellen Leben nicht viel haben als ihre Männlichkeit. Auch französischstämmige Jugendliche in dieser Situation verhalten sich so.»














